17.02.2015

Tausende Risse in belgischen Atomkraftwerken

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Schäden deuten auf potenzielle Gefahr auch für andere Atomkraftwerke hin

In den Reaktordruckbehältern zweier belgischer Atomkraftwerke haben Inspektoren mehr als 16.000 Schwachstellen und Risse entdeckt. Das Wandmaterial wurde wahrscheinlich durch die starke Strahlung geschädigt. Vom Ausmaß dieser Defekte zeigte sich auch die belgische Atomaufsicht überrascht. Die Umweltorganisation Greenpeace befürchtet, dass auch andere Reaktoren weltweit ähnlich schadhaft sein könnten.

Entdeckt wurden die ersten Risse schon im Sommer 2012. Damals hatten Inspektoren der belgischen Atomaufsicht bei Ultraschall-Untersuchungen feine Risse im Stahl des Reaktordruckbehälters im AKW Doel 3 festgestellt. Wenig später entdeckten sie ähnliche Risse im Druckbehälter des Reaktors Tihange 2. Damals deuteten die Experten diese Schäden zunächst als sogenannte Wasserstoffflocken, Fehleinschlüsse bei der Herstellung des Reaktors. Die Atomaufsicht ordnete daraufhin weitere Tests an. Dabei wurde auch die Rissfestigkeit der Reaktorwände untersucht.

Mehr als 16.000 Schäden

Das Ergebnis: Die Wände der Druckbehälter sind von tausenden winziger Risse und Schäden durchsetzt. Insgesamt wurden 13.047 Risse im Reaktor Doel 3 und 3149 Risse im Druckbehälter von Tihange 2 entdeckt. "Diese unerwarteten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die mechanischen Eigenschaften des Material stärker durch die Strahlung beeinträchtigt wurden als erwartet", heißt es in der Mitteilung der Atomaufsicht.

Woher die nun entdeckten Mikrorisse in den Druckbehälterwänden kommen, ist noch unklar. Der Betreiber der Kraftwerke, Electrabel, führt zurzeit in einem Versuchsreaktor weitere Tests durch, bei denen verschiedene Materialproben mit Strahlung beschossen werden. Die beiden betroffenen Atomkraftwerke sind bis auf weiteres stillgelegt. Die Atomaufsicht hat bereits internationale Experten hinzugezogen, wie sie mitteilt. Deren Auswertungen und Schlussfolgerungen sollen im April 2015 bei einem Meeting erörtert werden.

Sind auch andere Atomkraftwerke betroffen?

Ob auch andere Atomkraftwerke betroffen sind, ist strittig. Jens Bens, der Leiter der belgischen Atomaufsicht FANC, soll die Risse in den Druckbehältern als ein mögliches „globales Problem der Atomkraftwerke“ bezeichnet haben. Er empfiehlt eine globale Untersuchung der Atomanlagen. Bisher allerdings weigert sich seine Behörde, die kompletten Untersuchungsdokumente zu veröffentlichen, wie Greenpeace berichtet. Die Organisation hatte bereits im Januar in Belgien auf Herausgabe der Dokumente geklagt.

Auch Greenpeace fordert, sämtliche 439 Reaktoren weltweit genau zu überprüfen. „Wie so oft bei Atomkraftwerken wurde die Tragweite des Problems offensichtlich verkannt“, sagt Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. „Es ist dringend notwendig, die Risse im Metall ernster zu nehmen als bisher und weltweit umfangreiche Untersuchungen durchzuführen.“

Der Druckbehälter ist das Herzstück eines Atomreaktors, er beinhaltet unter anderem die hochradioaktiven Brennelemente, hier findet die nukleare Kettenreaktion statt. Ein plötzliches Versagen des Druckbehälters ist in den Auslegungen der Atomreaktoren nicht vorgesehen und könnte zu katastrophalen Freisetzungen radioaktiver Strahlung führen.

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