Die Reaktorpleite - THTR 300 Die THTR-Rundbriefe
Studien zum THTR uvm. Die THTR-Pannenliste
Die HTR-Forschung Der THTR-Störfall im 'Spiegel'

Die THTR-Rundbriefe aus 2004

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THTR Rundbrief Nr. 93 Sept. 2004


Ministerium antwortet zu Problemen bei THTR-Behältern in Ahaus

Auf unsere Anfrage vom 30.07.2004 zu einem Vorfall im Brennelemente-Zwischenlager (BEZ) erhielten wir am 13.08.2004 vom Ministerium für Verkehr, Energie und Landesplanung des Landes Nordrhein-Westfalen folgende Antwort:

"Am 15.07.2004 hat das Lagerbehälter-Überwachungssystem (LBÜS) des Transportbehälterlagers aufgrund einer Funktionsstörung eines Bauteils angesprochen. Es wurden Untersuchungen entsprechend den betrieblichen Regelungen eingeleitet, das defekte Bauteil wurde identifiziert, ausgetauscht und der von der Störung betroffene Behälter wieder an das System angeschlossen. Die Ursache des Defekts wird zur Zeit unter Beteiligung von Sachverständigen überprüft und einer Bewertung unterzogen.

Das LBÜS dient der Überwachung der spezifizierten Dichtheit der CASTOR-Behälter während der Zwischenlagerung von Brennelementen in Ahaus. Das LBÜS ist selbstüberwachend ausgelegt und hat den aufgetretenen Fehler sicherheitsgerichtet und bestimmungsgemäß gemeldet. Ein Versagen einer Dichtung des betroffenen Behälters liegt nicht vor, d. h. eine Beeinflussung oder Gefährdung der Umgebung durch austretende Radioaktivität hat nicht stattgefunden.

Bezüglich Ihrer Frage nach der Rückführbarkeit und der Reparaturmöglichkeit von beladenen Transport- und Lagerbehältern der Bauart CASTOR THTR/AVR in Hamm bestätige ich Ihnen, das eine Alternative des sog. Reparaturkonzepts bei einem Versagen der Primärdeckeldichtung eines Behälters dieser Bauart es vorsieht, den Behälter in der Beladezelle des Thorium-Hochtemperaturreaktors neu abzufertigen. Dabei wird der spezifizierte dichte Zustand des Behälters durch Austausch der Metalldichtung wieder hergestellt. Die Beladezelle des THTR wird zu diesem Zweck in funktionsfähigem Zustand gehalten." gez. Gerd Burow

So, wie wir dieses Ministerium kennen, wird es uns das Ergebnis der Bewertung der Sachverständigen nicht aus eigenem Antrieb zukommen lassen, sondern wir werden natürlich noch ein weiteres mal nachfragen müssen. Obwohl der WA sogar im Sommerloch unsere Anfrage totschwieg, war das überregionale Medienecho gut. 

Am 6. und am 7. August erschienen in der "Jungen Welt" und im "Neuen Deutschland" längere Artikel, in denen zusätzlich noch die umfangreiche Störfallgeschichte des THTR´s , die heutigen Kosten und die Renaissance-Bemühungen noch einmal ausführlich rekapituliert wurden.

Atommülltransport über Hamm/Kamen!

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Direkt nach den Kommunalwahlen am 26.09.2004 ist mit drei Atommüllstraßentransporten aus dem sächsischen Rossendorf in das Zwischenlager Ahaus zu rechnen. Voraussichtlich wird er über Hamm bzw. das Kamener Kreuz führen. Die Widerstandsvorbereitungen laufen auf Hochtouren. Am Kommunalwahlsonntag findet um 14 Uhr am BZA in Ahaus ein großer Sonntagsspaziergang statt; bereits um 12 Uhr ein X-tra Open Air. Einen Tag zuvor am 25.09. findet in Kamen eine Kundgebung statt.

HTR-Tagung in Peking im September 2004

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Nachdem der HTR-10 auf dem Gelände der Tsinghua Universität in Peking im Januar 2003 erstmals Volllast erreichte, findet dort vom 22.09. bis zum 24.09.2004 eine zweite internationale Tagung zur HTR-Technologie statt. Ausrichter ist das "Institute of Nuclear and New Energy Technology" (INET). Die atw 7/2004 kündigte folgendes Programm an: "National and International HTR Programms: Fuel and fuel cycle, nuclear and thermo-hydraulic analysis, engineering, design and applications, material and components, safety and licensing, economics, new experimental studies and operation."

Al Quaida in Kapstadt und Atomschmuggel Deutschland/Südafrika aufgedeckt!

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Die im letzten THTR-Rundbrief zitierte Befürchtung, dass militante Islamisten in Südafrika aktiv seien und eine Bedrohung auch für die schon bestehenden und die geplanten (HTR-) Reaktorblöcke in Koeberg bei Kapstadt darstellen könnten, haben neue Nahrung erhalten.

Das "Neue Deutschland" berichtete am 07.08.2004: "Die etwa 200.000 Muslime Südafrikas sind in Verruf geraten. Zwei von ihnen sollen Anschläge geplant haben. Die Regierung Mbeki hält sich zwar bedeckt, aber die Medien überschlagen sich geradezu. In Riesenschlagzeilen werden als Anschlagsziele die Johannesburger Börse, eine bekannte Einkaufsmeile und ein Sportstadion in der Geschäftsmetropole sowie das Kapstädter Parlament und die US-Botschaft und das Sheraton Hotel in Pretoria genannt.

Darüber seien detaillierte Pläne bei zwei Südafrikanern gefunden worden, die am 25.Juli in Pakistan zusammen mit dem Al-Qaida-Mann Ahmed Khalfan Ghalani in die Falle gingen, der die Nummer 22 auf der FBI-Liste der meistgesuchten Terroristen war. In dem erstürmten Haus in der mittelpakistanischen Stadt Gujart fielen auch die Südafrikaner Feroze Ganchi, ein Arzt aus Fordsburg bei Johannesburg, und Zubair Ismael, ein Studenten aus Pretoria, der Polizei in die Hände. Die erbeuteten Pläne, Karten und Dokumente, die zum Großalarm in den USA führten, betrafen auch Ziele in Südafrika."

 

Am 06.09.2004 meldete das ND: "Nach Verhaftungen von Atomschmugglern in Südafrika, Deutschland und den USA sind nun Vertreter der Internationalen Atomenergiebehörde nach Pretoria gereist, um einem weltweiten Syndikat das Handwerk zu legen. Das Syndikat soll Uran und Bauteile, die zum Aufbau einer nuklearen Waffenproduktion nötig sind, gleichsam auf Wunsch liefern. Hunderte Firmen in mehr als 20 Ländern sollen in die Geschäfte verwickelt sein und Milliardenprofite gemacht haben. Die wichtigsten Knotenpunkte dieses Syndikats werden schon seit geraumer Zeit in Südafrika vermutet. (...) Vor rund einer Woche war ein anderer seriöser Herr, dessen Name bisher nur mit Gerhard W. angegeben wird, in Deutschland ins Netz des Geheimdienstes gegangen. Der 65-jährige Südafrikaner wurde zusammen mit einem anderen Europäer während der Übergabe von einer Million Euro verhaftet." Die Ermittler vertuten, dass er als Vermittler fungiert hat.

"Der südafrikanische Geheimdienst, der schon seit über einem Jahr südafrikanischen Verbindungen zu dem internationalen Atomschmuggel Netzwerk untersucht, scheint bei der Verhaftung von Johan Meyer dessen Kontaktleute zum pakistanischen Syndikat von Abdul Quader Kahn, dem »Vater der pakistanischen Bombe« gefunden zu haben – in der USA-Botschaft in Pretoria! (...)

Mit Hilfe der USA, Israel, Frankreich und wohl auch Deutschland hatte Südafrika eine eigene Atombombenproduktion aufgebaut, die noch vor der Machtübergabe des Regimes an die erste schwarze Regierung 1994 abgewickelt worden ist. Aber weil der Westen den »Schwarzen« nicht traute, wurde auch weder das volle Wissen über die Vernichtung dieser Atomwaffen noch über das damals mit dem Atomwaffenprogramm beschäftigte Firmenpotenzial der neuen südafrikanischen Regierung übermittelt. In Südafrika wird Uran abgebaut und es liegt auf der Hand, dass diejenigen, die hier auf diesem Gebiet über viele Jahre gearbeitet haben, den Verlockungen des großen Geldes nicht widerstehen können."

 

Das ND vom 11.09.2004 berichtete unter der Überschrift "Deutsche Spur im Atomskandal":

 

"Ein Fakt steht fest: Gerhard Wisser (66) und Daniel Geiges (65) haben am Nuklearwaffen-Programm der ehemaligen Apartheid-Regierung in Südafrika mitgearbeitet. Nun wird ihnen vorgeworfen, in den südafrikanischen Atomschmuggel-Skandal mit Pakistan verwickelt zu sein. Die beiden Verhafteten haben deutsche Pässe und eine ständige Aufenthaltserlaubnis in Südafrika.

Wisser war Anfang September schon einmal in Deutschland verhaftet worden, kam aber auf Kaution wieder frei und durfte zurück an das Kap. In Deutschland war er dem Geheimdienst zusammen mit einem in der Schweiz lebenden deutschen Geschäftsmann namens Gotthard Lerch ins Netz gegangen. Offenbar nach einem Tipp aus Malaysia. Alle drei waren in Apartheidtagen, als Südafrika mit Wissen der westlichen Welt über neun Atombomben verfügte, an der Atomwaffenproduktion als Zulieferer beteiligt gewesen. (...) Während es bis jetzt noch keine konkreten Angaben über die Vergehen von Geiges gibt, ist Wisser bereits durchleuchtet. Er kam in den späten 70er Jahren aus Deutschland nach Südafrika und hat damals im Atomwaffenprogramm gemeinsam mit Meyer gearbeitet. Dem Vernehmen nach tätigte er Zuliefergeschäfte für etwa 100 Millionen Rand (damals 33 Millionen Mark). Gotthard Lerch, der nach Zeitungsberichten aus der Schweiz immer noch vernommen wird, soll am Atomhandel von Wisser mit Pakistan beteiligt gewesen sein. Die Enthüllungen kommen voran."

Während sich zur Zeit Außenminister Fischer bei jeder Gelegenheit über den Bruch der Atomabkommen durch den Iran in den Medien profiliert, sagt er zu den atomaren Verbindungen zwischen Deutschland und Südafrika nichts. Kein Wunder: Er selbst hat bei seinen Besuchen in Südafrika die aktuellen atomaren Kooperationen zum PBMR mit eingefädelt. Auch bei ihnen geht es darum, dass Südafrika die HTR-Technologie mit unabsehbaren Folgen in die ganze Welt exportiert. Welch eine Heuchelei! –

Weichenstellung der EU zur HTR-Linie steht kurz bevor:

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Aufgepasst!

Die von uns am 22.04.2004 mitinitierte Anfrage an die EU-Kommission zu den HTR-Fördermillionen wurde wie zahlreiche andere auch wegen der Neukonstituierung der Kommission zunächst auf Eis gelegt. Allerdings hat Hiltrud Breyer für die Grünen gleich am ersten Tag der Wiederzulassung neuer Fragen am 20.07.2004 diese wieder eingereicht. Gerade die nächsten Monate ist allerhöchste Wachsamkeit angesagt. Nach der Sommerpause finden die entscheidenden Weichenstellungen für die EU-Haushaltsplanung für die Jahre 2007 bis 2013 statt.

Hierbei geht es um gigantische Summen: "Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, von 2007 bis 2013 insgesamt 336 Milliarden Euro, etwa ein Drittel des EU-Haushalts, für die Strukturpolitik zur Verfügung zu stellen. Forschung, Bildung und Umwelt, aber auch Existenzgründungen sollen dann Vorrang haben. Die Summe soll je zur Hälfte an die jetzigen und an die neuen Mitgliedsstaaten gehen. Legt man die jetzigen Bedingungen zugrunde, würde NRW (hier liegt das FZJ; H. B.) insgesamt rund 18 % der Gesamtsumme (60,5 Milliarden Euro) bekommen. Das entspricht 8,6 Milliarden Euro pro Jahr" (VDI-Nachrichten vom 05.03.2004).

 

Die Atomindustrie sitzt natürlich mit ihren Vertretern schon längst in den jeweiligen Gremien und versucht, ein für sie günstiges Ergebnis herauszuschlagen. Die "atw" schrieb in ihrer Maiausgabe 2004 schon ganz ungeduldig auf Seite 307: "Wie ernst es Europa allerdings mit der nuklearen Sicherheitsforschung hält, wird sich erst im Vorfeld der Beratung über das 7. Forschungsrahmenprogramm der EU zeigen. Werden die Mittel für die Nuklearforschung erhöht oder im Gegenteil sogar gekürzt? Und wird sich Europa aktiv an der Entwicklung von Reaktorkonzepten beteiligen, die wir gemeinhin als die 4. Generation bezeichnen?"

Nach Angaben der "atw" (5/2004) sind im 6. Forschungsrahmenprogramm der EU 1.230 Millionen Euro für nukleare Forschung ausgegeben worden, "versteckte" Mittel allerdings noch nicht mit eingerechnet.

Propagandistische Schützenhilfe erhalten die HTR-Freunde durch die CDU/CSU-Fraktion, die im April 2004 eine Große Anfrage (15/2528) an die Bundesregierung stellte:

 

"Wie bewertet die Bundesregierung die Aussage der Leopoldina (Deutsche Akademie der Naturforscher; H. B.), dass die Weiterentwicklung katastrophenfreier Reaktoren, wie z. B. des Hochtemperaturreaktors, in den letzten Jahren vernachlässigt worden ist?

 

Welche Bemühungen gibt es weltweit, die Hochtemperaturtechnik, die im Wesentlichen deutschen Ursprungs ist und maßgeblich durch das damalige Bundesministerium für Forschung und Technologie gefördert wurde, zu nutzen?

 

Wie bewertet die Bundesregierung mit Blick auf den Innovationsstandort Deutschland, dass in Deutschland entwickelte Reaktortechnik im Ausland zum Einsatz kommt?"

 

Auf die Antwort darf man gespannt sein. Sehr eindeutig hat sich die EU bisher zur Atomkraft positioniert.

Am 29.11.2001 wurde die ausgerechnet "Grünbuch" genannte Entschließung "Hin zu einer europäischen

Energieversorgungssicherheit" verabschiedet. Die "atw" kommentiert im März 2004 rückblickend: "Im Grünbuch der EU-Kommission zur Energieversorgungssicherheit wird die Notwendigkeit anerkannt, auch künftig an der Kernenergie festzuhalten, wenn Versorgungssicherheit und eine klimafreundliche Energienutzung in Europa gewährleistet werden sollen."

Am 26.06.2002 hat die EU-Kommission den Abschlussbericht über das Grünbuch angenommen, der ausdrücklich die Option Atomenergie betont.

Im Januar 2003 hat die EU-Kommission das "Nuklearpaket" und die Vergabekriterien für Euratom-Kredite endgültig beschlossen. Das EU-Parlament konnte hierüber nicht mitentscheiden, sondern nur ein Jahr später eine Stellungnahme abgeben. Die grüne EU-Parlamentarierin Hiltrud Breyer, Berichterstatterin zu den Euratom-Krediten, stellt in ihren "EU-Öko-News" 1/2004 fest: "Die Erhöhung der Euratom-Kredite von 4 auf 6 Milliarden Euro ist eine unerhörte und schamlose Unterstützung für die Atomindustrie. Kein anderer Energieträger erhält eine derartig wettbewerbsverzerrende Unterstützung in einem weitreichend liberalisierten Energiebinnenmarkt."

 

Bereits am 25.01.2003 beleuchtete die TAZ die Hintergründe für diesen Sachverhalt: "Dass in einer Union, in der sieben Mitglieder keine Atomkraftwerke haben und fünf weitere den Ausstieg bereits beschlossen haben, eine gegenläufige Förderpolitik betrieben werden kann, liegt an dem Euratom-Vertrag. Er sichert der Atomkraft eine Sonderrolle, die sämtlichen Binnenmarktregeln zuwiderläuft. So leistet sich die Kommission ein eigenes Nuklearforschungszentrum mit mehr als 1.000 Wissenschaftlern. Das Forschungsbudget von 246 Millionen Euro pro Jahr wird nicht innerhalb des Forschungsprogramms vom Parlament kontrolliert, sondern von der Kommission verwaltet – weitgehend frei von öffentlicher Kontrolle. Außerdem ist es mehr als doppelt so hoch wie die Mittel, die für die Entwicklung erneuerbarer Energien aufgewandt werden."

 

Am 13.05.2003 meldet das Europäische Atomforum: "EU-Studie unterstützt Kernenergie". Die Homepage von "Assoziation – Bund Deutscher Techniker" (ABDT) schrieb: "Der Bericht, zusammengestellt von der EU-Kommission Generaldirektion Forschung, ist das Ergebnis einer Studie von einem Wissenschaftlerkonsortium aus Frankreich, Belgien und Spanien. (...) Foratoms Generalsekretär, Dr. Peter Haug, kommentierte die Ergebnisse: ‚Die Ergebnisse der Studie müssen alarmieren. Sie unterstreichen die Notwendigkeit für die Energiepolitik, sich verstärkt den ‚saubere Luft‘ - Energieoptionen, wie Kernenergie und erneuerbare Energien zuzuwenden."

 

Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss verabschiedete zu dem "Grünbuch" und dem "Nuklearpaket" positive Stellungnahmen und bekräftigte auf seiner Plenarsitzung am 25.02.2004 mit sehr großer Mehrheit: "Im Zusammenhang mit der Kernenergie bestehen Probleme, sie hat jedoch eindeutige Vorteile. Über die Nutzung der Kernenergie entscheiden die Mitgliedstaaten. Es ist jedoch schwer vorstellbar, wie die EU in Zukunft ohne Beibehaltung zumindest des heutigen Anteils der Kernenergie an der Stromproduktion die Energieversorgung und einen annehmbaren Preis gewährleisten sowie den Herausforderungen der Klimaveränderung begegnen kann."

 

Am 25.06.2004 melden die VDI-Nachrichten: "Die EU-Energiekommissarin Loyola de Palacio will mit Blick auf die Energieabhängigkeit der EU und den Klimaschutz unvermindert an der Kernenergie festhalten. (...) In den erneuerbaren Energien sieht de Palacio keine zufrieden stellende Alternative für fossile Energieträger und die Atomkraft."

 

Angesichts der vielen Atomkraftaussteiger und erklärter Nichtnutzer der Atomenergie innerhalb der EU ist es sehr verwunderlich, dass sich in Brüssel sehr wenig Widerstand gegen die eindeutige Bevorzugung der Nuklearenergie in der EU regt. Wo bleiben die entschlossenen Initiativen der deutschen Bundesregierung für einen EU-Atomausstieg? Wo bleibt die vielfältige Kritik an undemokratischen Entscheidungsstrukturen in der EU? Wer hat bisher den Mut zur Konsequenz bewiesen und die undemokratische EU-Verfassung abgelehnt, die diese Zustände noch verschlimmern wird?

In den nächsten Monaten werden energiepolitische Entscheidungen von großer politischer Tragweite in der EU gefällt. Es ist an der Zeit, dass alle zum Widerstand entschlossenen zusammenfinden und aktiv werden.

HTR-Technologie und Brennstoffzelle: Jammernd zu neuen Ufern

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Am 22. Juli 2004 stimmte jetzt auch "Die Zeit" auf ihrer Titelseite in den inzwischen vielstimmigen Chor derjenigen ein, die lautstark die Renaissance der Atomkraft herbeischreiben wollen. Gero von Randow, der Autor dieses Artikels hatte schon im selben Blatt am 06.07.2000 über den "Verfall der Kernkompetenz" in Deutschland gejammert und den HTR als besonders sicher bezeichnet. Als Dank finden sich seine Zeilen auf der Homepage der seltsamen Vereinigung "Internationaler Arbeitskreis für Verantwortung in der Gesellschaft" (IAUG) wieder.

Bei der renommierten Wochenzeitung "Die Zeit" fällt auf, dass noch am 11.04.2002 Bartholomäus Grill einen kritischen Artikel ("Das Projekt ist dubios") über den geplanten PBMR in Südafrika schreiben konnte und ebenfalls an besagtem 22.07.2004 ein langes Dossier über Kapstadt veröffentlichen konnte. Seine Meinung zum Thema Energiepolitik scheint jedoch innerhalb der Wochenzeitung nicht mehr sonderlich gefragt zu sein. Die Zeiten ändern sich. Dafür schreibt Randow folgendes Loblied auf die Atomkraft:

"Der Brennstoff des HTR hingegen ist so konstruiert, dass er der Hitze in jedem Fall standhält, Kernschmelze ausgeschlossen. Mehr noch, das Kühlmittel darf so weit aufgeheizt werden, dass sich der Reaktor als Lieferant von Prozesshitze eignet – zum Beispiel für die Herstellung von Wasserstoff. Der beste Freund der umweltfreundlichen Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff betrieben wird, ist nämlich der HTR: die ideale Energietechnik, den Verkehr von Öl auf den Treibstoff der Zukunft umzustellen. Derartige Reaktoren werden in Südafrika, in Japan, in China und in den Vereinigten Staaten gebaut. Ihr Design folgt überwiegend einer Idee aus Deutschland."

 

Bemerkenswert an diesen Aussagen ist das Wiederaufwärmen der uralten These, dass der HTR als Nutzer von Prozesswärme in Frage käme. Das Forschungszentrum Jülich (FZJ) forscht übrigens bereits seit 1966 in einem Brennstoffzellenlabor.

 

Nach Angaben der VDI-Nachrichten vom 05.03.2004 stehen im Rahmen der Europäischen Union für die nächsten Jahre 2 Milliarden Euro Forschungs- und Fördermittel für die Brennstoffzelle zur Verfügung, da sie sich hiervon "einen entlastenden Beitrag sowohl im Wärmemarkt als auch im Verkehr erhofft". Jülich und Aachen haben für zwei der sechs europäischen Schlüsselvorhaben den Zuschlag erhalten. Auf einer Anhörung der Grünen Bundestagsfraktion wurde diese Entwicklung folgendermaßen eingeordnet und kritisiert: "Stefan Schurig von Greenpeace wies auf der Anhörung auf eine neue Strategie zur Tarnung von Atomenergie hin. So sei auf EU-Ebene immer wieder von ‚neuer Energie‘ die Rede – meist im Zusammenhang mit der Nutzung von Wasserstoff in Brennstoffzellen. Wasserstoff sei dabei ein Sekundärenergieträger, dem man nicht ansieht, wie er erzeugt wurde – beispielsweise mit Strom aus Atomkraftwerken. Ökologisch sinnvoll für Schurig wäre nur eine Erzeugung mit Hilfe Erneuerbarer Energien. Claude Turmes ergänzte, unter dem Etikett Wasserstoff versammele sich vor allem die Atom- und Kohlelobby, um ihrer Technologie ein positives Image zu verpassen und Fördergelder aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien zurückzuleiten" (ND vom 12.07.2004)

 

Inzwischen hat sich in NRW ein Kompetenz-Netzwerk unter Beteiligung der NRW-Ministerien für Energie und Wissenschaft gebildet. 48 Millionen Euro NRW-Landesmittel für 47 Projekte fließen bereits. Kein Wunder, dass China als interessiertes Land mit einem HTR-Reaktor in diesem Jahr bei NRW-Minister Horstmann seine Aufwartung machte und seinen Minister Wag Chuzheng vorbeischickte, um die aktuelle Entwicklung zu sondieren.

 

Doch all dies stimmt Gero von Randow immer noch nicht optimistisch, vielmehr sieht er den Untergang zwar nicht des Abendlandes, sondern der deutschen Nuklearindustrie heraufziehen, wenn er schreibt: "Aber deutsche Nukleartechniker sind überwiegend ältere Herren, die ihre Mühe haben, im Reaktorgebäude umherzukriechen(!). Der Nachwuchs bleibt aus. Im Innovationsnetzwerk Generation IV sind die Deutschen schon gar nicht mehr vertreten".

 

Letzteres stimmt definitiv nicht. Im Juni 2004 schrieb die "atw" (Atomwirtschaft) auf Seite 403: "Inzwischen ist auch eine deutsche Mitwirkung an Generation IV über die Mitgliedschaft an GIF (Generation IV International Forum) und über eine Drittmittelfinanzierung der deutschen Beiträge zu Generation IV durch die EU und die Industrie ermöglicht worden. So sind Führungskräfte aus dem Forschungszentrum Karlsruhe (FZK) und FZJ in den Lenkungsausschüssen für das Supercritical-Water-Cooled Reactor System (SCWR) und das Very-High-Temperature Reactor System (VHTR) mit einer EU-Finanzierung vertreten und bereiten mit industrieller Unterstützung im Rahmen des 6. Forschungsrahmenprogramms der EU anspruchsvolle Beiträge zu den Projekten vor."

HTR-Forschung:

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"Wir machen seit zwanzig Jahren nichts anderes als uns Gedanken über mögliche Unfälle"

Dies sagte Kurt Kugler, Leiter des Instituts für Sicherheitsforschung und Reaktortechnik am Forschungszentrum Jülich zur HTR-Forschung seines Instituts zur "FAZ Sonntagszeitung" am 05.09.2004.

Für eine Reaktorlinie, die von Landes- und Bundesregierung angeblich schon längst aufgegeben worden ist, ein bisschen viel der wissenschaftlichen und finanziellen Zuwendung. Aber gut, das dies so unmissverständlich von den HTR-Anhängern gesagt wird. Nun hat auch die FAZ ihren Renaissance-der-Atomkraft-Artikel, wie andere Zeitungen auch. Auf zwei Seiten wurden die unterschiedlichen Reaktortypen vorgestellt und da durfte selbstverständlich der HTR nicht fehlen.

Aber bei aller inhärenten Sicherheit, die auch hier wieder beschworen wurde, listete der Redakteur Jens Uehlecke eine nicht unerhebliche Anzahl von Störfällen sowie technische und finanzielle Probleme auf. Er kommt immerhin zu folgendem Schluss: "Hamm-Uentrop hat allerdings gezeigt, dass ‚inhärent sicher‘ nicht dasselbe ist wie ‚absolut sicher‘". Und zitiert Kritiker Gerhard Schmidt vom Öko-Institut:" "Im Moment stellt niemand mehr die nötigen Graphitkugeln her.‘ Zudem geht eine besondere Gefahr von einem möglichen Lufteinbruch in den Helium-Kreislauf aus – der die Graphitkugeln bei hohen Temperaturen wie Grillkohle abbrennen könnte." Der Redakteur verweist außerdem auf Bestrebungen in den USA, den HTR als "Very High Temperature Reactor" verstärkt zu fördern, um zusätzlich noch "Wasserstoff zu produzieren und so den Einstieg in die umweltschonende Wasserstoffwirtschaft zu ermöglichen."

Das Sein bestimmt das Bewusstsein

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Die FDP ist nicht mehr die ‚Partei der Besserverdienenden". Sie muß den einst selbstgewählten Titel nach Erkenntnissen des Wahlforschers Jürgen Falter an die Grünen abtreten. Den Wählern der Grünen gehe es finanziell längst weitaus besser. (...) Demnach lag 2002 das mittlere Einkommen bei den Grünen zwischen monatlich 1750 und 2000 Euro, bei den Freidemokraten lediglich zwischen 1500 und 1750 Euro. Auch unter den Spitzenverdienern haben die Grünen die FDP laut Falter überholt: Jeder vierte Wähler verfüge monatlich über ein Netto-Haushaltseinkommen in Höhe von mindestens 3000 Euro" (FAZ-Sonntag, 15.08.2004) In diesem Jahr ist es den Grünen erstmals gelungen, mehr als eine halbe Million Euro Spenden von der Commerzbank, DaimlerCrysler, BMW, dem Arbeitgeberverband Südwestmetall und Allianz zu erhalten. Die SZ zitierte die stolzen Grünen: "Die Firmen finden unser Programm interessant".

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