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THTR Rundbrief Nr. 92 August 04


THTR-Fässer in Ahaus undicht?

Nachdem im Jahre 1999 bei den 305 THTR-Behältern im Brennelemente-Zwischenlager (BEZ) in Ahaus Korrosionsschäden aufgetreten sind, gibt es jetzt offensichtlich neue Probleme. Wir zitieren die "Münsterländer Zeitung" vom 17.07.2004, der 'Westfälische Anzeiger' berichtete nicht.

"Das Behälterüberwachungssystem im Brennelement-Zwischenlager Ahaus hat am Donnerstag gegen 17.35 Uhr die Fehlfunktion eines Druckschalters bei einem der 305 Castor THTR Behälter signalisiert. Das teilte gestern der BZA-Sprecher Michael Ziegler mit. Er betonte: "Die Dichtheit des Doppeldeckelsystems an dem Behälter ist hiervon nicht betroffen. Der Behälter ist weiterhin uneingeschränkt dicht. Wir haben unsere Aufsichtsbehörde, das MVEL (Ministerium für Verkehr, Energie und Landesplanung), umgehend informiert." Die Castoren sind mit zwei Deckeln verschlossen, wobei die Dichtheit der Behälter bereits durch einen Deckel gewährleistet werden soll. Ein im zweiten Deckel eingebauter Druckschalter dient der Überwachung dieser Dichtheit. Seine Funktionsfähigkeit selbst wird durch eine Eigenüberwachung kontrolliert, die jetzt ein Signal ausgelöst hat. "Die Ursachenermittlung und Behebung der Störung findet in Abstimmung mit unserer Aufsichtsbehörde statt", so Ziegler."

Ahaus: Brutale Polizeiattacke!

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Der ursprünglich aus Hamm stammende BI-Aktivist, Pressesprecher der WIGA und ständige Berichterstatter in der "Graswurzelrevolution", Matthias Eickhoff, ist bei dem letzten Sonntagsspaziergang in Ahaus von der Polizei verhaftet und brutal attackiert worden, als er auf einer Autobahnbrücke eine Spontandemonstration gegen die geplanten Castortransporte von Rossendorf nach Ahaus anmelden wollte.

Die Ahauser Polizei setzt beim Umgang mit Atomkraftgegnern auf Härte: Ohne jeden Grund seien zwei Demonstranten am späten Sonntagnachmittag festgenommen worden, so Anti-Atom-Initiativen aus dem Münsterland. "Bei den Beamten vor Ort wollte ich eine Demonstration anmelden", sagt Matthias Eickhoff, Sprecher der Gruppe Widerstand gegen Atomanlagen (WIGA) aus Münster. "daraufhin wurde ich von drei Polizisten auf den Boden geworfen." Auf der Wache hätte ihm ein Beamter außerdem geraten, doch aus dem Fenster zu springen - am besten aus dem zweiten Stock, da sei die Wahrscheinlichkeit eines Genickbruchs größer. "Wenn das ein Scherz sein sollte, ist der ziemlich misslungen", meint nicht nur Eickhoff: "Offensichtlich sollen so Proteste verhindert werden."

Dabei scheint das Vorgehen Methode zu haben: Die Ahauser Polizei habe intern sogar beschlossen, gar keine Anmeldungen von so genannten Spontandemonstrationen entgegenzunehmen - ein "Skandal", finden die Initiativen: "Die Ahauser Polizei kann sich nicht aussuchen, von wem sie Demonstrationen annimmt." Gefordert sei nun das Landesinnenministerium."

In einer Presseerklärung der Bürgerinitiativen heißt es:

"Nach den schwersten Polizeiattacken seit 1998 fordern die Bürgerinitiativen nun eine Entschuldigung der Polizei für die Missachtung des Demonstrationsrechtes und das brutale Vorgehen einzelner Polizeibeamter. Derartige Vorfälle hat es seit dem letzten Castor-Transport 1998 in Ahaus nicht mehr gegeben. Wir sind sehr besorgt, mit welcher Härte die Polizei auf völlig friedliche Demonstrationen reagiert und grundgesetzlich geschützte Rechte einfach außer Kraft zu setzen versucht. Die Ahauser Polizei scheint mit den Demonstrationen gegen die geplanten Castor-Transporte von Dresden nach Ahaus inzwischen stark überfordert zu sein. Wir fordern die Polizei auf, wieder zu einer kooperativen Haltung zurückzukehren und sich für ihr Verhalten am 18. Juli zu entschuldigen. Wir fordern zudem eine sofortige Einstellung der eingeleiteten Strafverfahren.

Wir werden auch in Zukunft nicht hinnehmen, dass sogar Autobahnbrücken zu einer generell demonstrationsfreien Zone erklärt werden sollen. Wir verweisen darauf, dass im Rahmen des Autobahn-Aktionstages am 29. Februar sowohl auf Autobahnbrücken wie auf der Autobahn selbst problemlos Demonstrationen genehmigt wurden. Der jetzige Sinneswandel ist völlig willkürlich. Wir bereiten sowohl politische wie juristische Schritte vor, um das uneingeschränkte Demonstrationsrecht in Ahaus zu sichern. Von der NRW-Landesregierung erwarten wir eine klare Stellungnahme zu diesen Vorfällen. Wir erwarten auch eine klare Stellungnahme, dass die Landesregierung keine Castor-Transporte nach Ahaus für den Zeitraum Ende September bis Mitte Oktober vorbereitet. Wir werden am 19. September einen großen Sonntagsspaziergang veranstalten, um gegen mögliche Atomtransporte zu protestieren. Im Bedarfsfall werden wir auch am 26. September (Kommunalwahl-Sonntag) in Ahaus demonstrieren, um die heiße Phase gegen die Dresden-Castoren einzuläuten. Die Planungen für einen heißen Herbst sind bei den Anti-Atomkraft-Initiativen bereits voll angelaufen."

Kernkompetenz bleibt in Jülich!

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Die umfangreichen wissenschaftlichen Arbeiten zur HTR-Forschung ab 1998 unter der rotgrünen Koalition sind garantiert nicht auf der aktuellen Top Ten-Liste der populärwissenschaftlichen Buchreihe des Forschungszentrums Jülich (FZJ) zu finden.

Sie müssen vielmehr mühsam aus den unübersichtlichen Publikationslisten herausgesucht werden, die Tausende von Titeln umfassen. Diesen zum Teil englischsprachigen Arbeiten und Sammelbänden sieht man es auf den ersten Blick manchmal gar nicht an, dass sie etwas mit HTR-Forschung zu tun haben könnten, weil man nicht erkennen kann, was sich hinter bestimmten Titeln wirklich verbirgt. Deswegen ist die untenstehende Aufstellung mit Sicherheit unvollständig, weil nur in wenigen Fällen Inhaltsangaben gemacht werden. Aber dort, wo sie zu finden sind, geben sie interessante Einblicke.

Ganz aktuell wurde vor wenigen Wochen eine 160-Seiten-Studie zum HTTR in Japan fertiggestellt. In den Jahren 2002 und 1999 dokumentiert das FZJ eigene Arbeiten zur Weiterentwicklung des PBMR in Südafrika.

Aus den Inhaltsangaben der Publikationen ist zu entnehmen, dass mit verschiedenen, seit Beginn der 90er Jahre errichteten spezialisierten Versuchseinrichtungen bis heute noch zur HTR-Linie geforscht wird. Und noch etwas wird deutlich. Die Verfasser werden nicht müde, gebetsmühlenartig in jeder Arbeit von "großen Potentialen" und einem "hochentwickelten Reaktorsystem" zu sprechen, "bei dem die Sicherheit gegenüber Störfällen allein durch physikalische Gesetzmäßigkeiten gewährleistet ist" (Zucker, 2003).

Auch Kuhlmann preist 2003 seinen Forschungsgegenstand in den höchsten Tönen und behauptet: "Eine ‚katastrophenfreie Kerntechnik‘, bei der selbst schwerste Unfälle auf das Anlageninnere beschränkt bleiben und somit keine signifikanten Auswirkungen auf die Umgebung des Kraftwerks haben, ist mit Hochtemperatur-Reaktoren realisierbar."

An folgenden Versuchseinrichtungen wird oder wurde im FZJ an der HTR-Linie geforscht:

NACOK (Nutzung im Core mit Korrosion)

In der Versuchsanlage wurden seit mindestens acht Jahren Experimente zum Gastransport und zur Graphitkorrosion im HTR durchgeführt. Das FZJ schreibt dazu: "NACOK soll Daten zur chemischen Stabilität eines Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktors liefern. Chemische Stabilität bedeutet, dass der selbsttätige Erhalt der Brennelementestabilität beim Einbruch korrosiver Medien in den Primärkreis garantiert wird". Nachdem der Wissenschaftler Kuhlmann im Jahre 2003 eine 148 Seiten lange Arbeit hierzu veröffentlichte, hat das FZJ noch große Pläne: "Die Versuchseinrichtung NACOK soll in Zukunft für weitere Experimente mit internationaler Kooperation genutzt werden."

SEAT (Selbsttätige Abscheidung von Wassertropfen)

Auch diese aus einem Strömungskreislauf bestehende Windkanal-Anlage wurde vor mindestens acht Jahren im Institut für Sicherheitsforschung und Reaktortechnik (ISK) des FZJ konstruiert, aufgebaut und mit ausgewählter Meßtechnik in Betrieb genommen. Ein laseroptisches Partikelanalysegerät wurde angeschafft. Esser schreibt, dass bei natürlich völlig "hypothetischen Störfallszenarien ein Eindringen auch von flüssigem Wasser in den Primärkreis nicht ausgeschlossen werden" kann. Ziel der mindestens bis 2003 durchgeführten Versuche war es nachzuweisen, dass aufgrund selbsttätiger Mechanismen die Wassermasse auf "reaktivitätsmäßig unterkritische Mengen beschränkt werden kann."

SANA (Selbsttätige Abfuhr der Nachwärme bei einem HTR-Modul-Reaktor)

Die Versuchsanlage besteht aus einem zylindrischen Ausschnitt der Kugelschüttung eines HTR-Reaktorkerns und hat einen Durchmesser von 1,5 m sowie eine Höhe von 1 m. In dem Volumen von 1,77 m3 befinden sich 9.500 Graphitkugeln mit 6 cm Durchmesser. Ziel der über 100 stationären und interstationären Experimente war die Analyse der Wärmetransportphänomene innerhalb einer losen Kugelschüttung. Die Berechnungen wurden unter Anderem mit dem Programmsystem TINTE durchgeführt. Dieses wurde schon in den 80er Jahren in der Jülicher AVR-Anlage benutzt. Ob ab dem Jahre 2000 in diesem Bereich noch Versuche durchgeführt wurden, ist unklar.

Weiterhin fallen in der Liste der FZJ-Materialien 1998 und 1999 die Arbeiten von Khorochev und Neuhaus/Philippen auf, die sich mit dem Einsatz von Waffenplutonium bei Hochtemperaturreaktoren befassen.

Auch im Jahre 2003 weist eine lange Liste der Patentanmeldungen des FZJ eine gewisse Anzahl auf die HTR-Forschung auf. Am deutlichsten bei dem Patent von M. Piontek "Entnahmevorrichtung für Brennelementekugeln sowie Verfahren zur Entnahme von Brennelementekugeln aus Kernreaktoren" vom 7. 3. 2003.

In dem Sicherheitsbericht des FZJ wird für den Bereich "Sicherheitsforschung für Kernreaktoren" als Ergebnis für das Jahr 2003 festgehalten: "Zur Sicherung der Kompetenzerhaltung für effektive Drittmitteleinwerbung durch Verträge und Lizenzabkommen mit internationalen Partnern auf dem Gebiet der Sicherheitsforschung für kerntechnische Einrichtungen wurden die theoretischen Modelle und Computerprogramme VSOP-99 und TINTE an neuere internationale Standards angepasst und umfassenden Validierungstests (Gültigkeitstests) unterzogen. Für VSO-99 konnte eine weitere Lizenz vergeben werden."

Die rechnerische Simulation des PBMR`s für Südafrika wurde ebenfalls mit dem Programmzyklus VSOP durchgeführt, wie der umfangreichen Arbeit vom E. J. Mulder aus dem Jahr 1999 zu entnehmen ist.

Wahrscheinlich unvollständige Liste der FZJ-Forschungsarbeiten zur HTR-Linie:

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2004

Verfondern, Nishihara: "Valuation of the Safety Concept of the Combined Nuclear/Chemical Complex for Hydrogen Production with HTTR". 160 Seiten, erscheint in Kürze.

2003

Kuhlmann: "Experimente zu Gastransport und Graphitkorrosion bei Lufteinbruchstörfällen im Hochtemperaturreaktor". 148 Seiten.

Leber: "Transport und Abscheidung von Tropfen im Primärkreis des Hochtemperaturreaktors bei Wassereinbruchstörfällen". 161 Seiten.

Zucker: "Neutronenphysikalische Eigenschaften eines schwerwassergekühlten Kugelhaufenreaktors mit nichtschmelzendem Kern". 120 Seiten.

Raepsaet, Ohlig, Haas, Wallerbos: "Analysis of the European results on the HTTR´s core physics benchmarks". In: Nuclear engineering and design 222. S. 173 – 187

2002

Schröder: "Operatingrecuperator data für PBMR: work package; recuperator HTR-E (components and systems) European Commission. Aufsatz in einem Buch.

Fröhling, Unger, Dong: "Comparison of plant efficiencies of various power conversion systems for HTR modules ENS, HTR-TN"

2001

Hittner, von Lensa: "Assessment of safety and innovative technology for HTR generating plant (INNOHTR) EU co-sponsored research on evolutionary reactor safety concepts. Aufsatz in einem Buch, 28 Seiten.

2000

Niephaus: "Referenzkonzept zur direkten Endlagerung von abgebrannten HTR-Brennelementen in CASTOR THTR/AVR-Transport- und Lagerbehältern. 91 Seiten.

Rütten, Haas: "Research on the incineration of plutonium in a modular HTR using thorium-based fuel. In: Nuclear engineering and design195.

1999

Schaaf: "Experimente zum Wärme- und Stoffübergang infolge Naturkonvektion beim Lufteinbruchstörfall am Hochtemperaturreaktor". 144 Seiten.

Neuhaus, Philippen: "Comparison of uranium- and thorium-based plutonium-recycling in a pressurized water reactor". 57 Seiten.

Mulder: "Pebble bed reaktor with equalisedcore powe distribution – inherently safe and simple. 150 Seiten.

Moormann, Hinssen, Latge: "Oxidation of carbon based materials for innovative energy systems (HTR, fusion reactor): status and further needs". Aufsatz in einem Buch. 11 Seiten.

Moormann, Schenk, Verfordern: "Source term estimation for small sized HTRs; a German approach Proceedings of the 1st Meeting Survey on Basic Studies in the Field of High Temperature Engineering (including Safety Studies)". Aufsatz in einem Buch. 9 Seiten.

1998

Stöcker: "Untersuchungen zur selbsttätigen Nachwärmeabfuhr bei Hochtemperaturreaktoren unter besonderer Berücksichtigung der Naturkonvektion". 134 Seiten.

Esser: "Experimentielle Untersuchungen zu Tropfentransport und –abscheidung in der Gasführung von Hochtemperaturreaktoren bei Wassereinbruchstörfällen". 159 Seiten.

Rainer, Fachinger: "Studies on the Long-Term Behaviour of HTR-Fuel Elements in Higly Concentrated Repository – Relevant Brines". In: Radiochimica Acta 80.

Khorochev: "Nutzung von Plutonium im Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktor". 107 Seiten.

Kugeler, Alkan, Briem: "Erzeugung von elektrischer Energie in Kernkraftwerken mit hohem Wirungsgrad". 85 Seiten.

NRW-Landesregierung freut sich über HTR-Nuklearexport

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"Wertvoller Beitrag"

Hier lesen Sie unsere Stellungnahme zur Antwort des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen vom 12. Juli 2004 auf unsere Fragen zur Förderung der HTR-Linie. 

Selbst 15 Jahre nach der Stilllegung des Thorium Hochtemperatur-Reaktors (THTR) in Hamm sieht sich das NRW-Forschungsministerium nicht in der Lage, diese Reaktorlinie eindeutig für gescheitert zu erklären. Zu den bisherigen Erfahrungen mit diesem Pleitereaktor äußert sich das Ministerium ebenfalls nicht. Und zu den Zukunftsaussichten der HTR-Linie erst recht nicht, obwohl angesichts der neu aufgeflammten Diskussion über den HTR (unter anderem im Spiegel und Stern, Süddeutsche Zeitung und Die Zeit) eine Klarstellung längst überfällig wäre.

Die Landesregierung bezeichnet in Ihrem Schreiben vom 12. Juli 2004 an die Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm e. V. auch weiterhin die Forschung zur HTR-Technologie als "wertvollen Beitrag zur internationalen Sicherheit von HTR-Reaktoren".

Bei ihrer Begründung vertauscht sie offensichtlich Ursache und Wirkung der HTR-Forschung in Deutschland: Gerade weil hier seit Jahrzehnten – auch unter rotgrünen Regierungen! – die Forschung gezielt vorangetrieben und finanziert wurde, können Firmen und Institute die hier erarbeiteten Ergebnisse in der ganzen Welt nutzen und sind erst durch diese deutsche Forschung in die Lage versetzt worden, neue Atomkraftwerke zu bauen!

Die Behauptung der Landesregierung, dass das Forschungszentrum Jülich (FZJ) nur Sicherheitsanalysen zu dieser Reaktortechnologie durchgeführt habe, gehört in das Reich der Legenden. Die Atomindustrie selbst brüstet sich damit, dass für den Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) in Südafrika "die grundlegende Entwicklungsarbeit im Forschungszentrum Jülich geleistet wurde" (in: atw, im Bericht über die Veranstaltung "Internationale Kooperation aus Sicht der IAEO" vom 24. 10. 2000 in Bonn). Diese grundlegende Entwicklungsarbeit ist in den 20 teilweise sehr umfangreichen Publikationen des FZJ nachzulesen.

Da die Landes- und Bundesregierung die HTR-Forschung ausdrücklich befürwortet, ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie sich auch auf EU-Ebene für ihre finanzielle Förderung einsetzt und damit den Atomkonzernen auch international Handlangerdienste leistet. Das international agierende HTR-Technology Network (HTR-TN) kann sich wirklich glücklich schätzen, soviel Unterstützung von einer Bundes- und Landesregierung zu erhalten, die angeblich aus der Atomkraft aussteigen will.

Lothar Hahn, früher Wissenschaftler beim Öko-Institut und ehemaliger Vorsitzender der deutschen Reaktorsicherheitskommission, hat nicht nur 1986, sondern auch in diesem Fall 1988 und 1990 in seinen Gutachten die HTR-Konzepte einer grundlegenden Kritik unterzogen, die heute noch gültig ist. Wenn er in "jüngerer Zeit" als Mitglied einer wissenschaftlichen Kommission nach Angaben der Landesregierung die nuklearen Bestrebungen des FZJ durch sein Votum unterstützt haben sollte, wäre dies bedauerlich, da wir ihn als kritischen Wissenschaftler sehr schätzen. Wir werden ihn zu gegebener Zeit bitten, uns zu den näheren Umständen und zu den tatsächlichen inhaltlichen Aussagen dieser Kommission einige Erläuterungen zu geben. (...)

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Zur Antwort des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

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vom 20.07.2004 auf unsere Fragen vom 03.03.2004 zur HTR-Förderung:

Für die Beantwortung unserer Fragen (Wortlaut auf unserer Homepage) hat das Bundesforschungsministerium auch diesmal wieder fast 5 Monate benötigt und siehe da, für das 5. EU-Rahmenprogramm mit seiner HTR-Förderung war "im Wesentlichen" noch die alte Kohl-Regierung vor 6 Jahren zuständig, da kann Rotgrün nun wirklich nichts dafür. Und in 2 Jahren ist wieder eine CDU-Regierung im Amt und auch dann wird man leider, leider nicht mehr viel machen können, wie schnell doch die Zeit vergeht.

Innerhalb von acht Jahren darauf hinzuwirken, die Forschung an der umstrittenen HTR-Linie aufzugeben – da ist Rotgrün irgendwie überfordert. Denn die Förderentscheidung wird "auf Basis einer internationalen Evaluierung" vom Bund und Land getroffen und das Forschungszentrum Jülich (FZJ) gehört nur zu 100% dem Bund und NRW. Da hat man natürlich nicht all zu viel Spielraum, um etwas durchzusetzen. Aber immerhin verkündet das Bundesforschungsministerium die frohe Botschaft, dass das FZJ keine "Intensivierung dieser Forschungslinie auf EU-Ebene" verfolgt. Da sind wir aber beruhigt, hat dieses Forschungszentrum doch seit 1998 unter Rotgrün über 20 umfangreiche Forschungsarbeiten zur HTR-Linie publiziert – vielmehr ist in Zukunft ohnehin nicht zu schaffen. Die Forschungen zum Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) für Südafrika waren "Auftragsarbeiten auf rein kommerzieller Basis", da kann man nichts machen. Aus Wettbewerbsgründen darf das Forschungsministerium keinerlei nähere Angaben veröffentlichen und geht vorsichtshalber auf alle unsere anderen Fragen zur HTR-Förderung gar nicht erst ein, dafür ist gottlob jetzt Brüssel zuständig.

Rotgrün 2004: Sie dachten, sie wären an der Macht, dabei sind sie nur an der Regierung. Und wollen es auch nicht anders.

Neue (alte) Regierung in Südafrika auf Atomkurs!

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Nach der Aufkündigung des geplanten zivilgesellschaftlichen Dialogs in Form einer großen Konferenz über die Atomenergie im Januar 2004 (siehe auch Rundbrief Nr. 89) setzen sich in Südafrika immer mehr die Atomenergiebefürworter durch. Erwartungsgemäß erhielt der African National Congress (ANC) bei der Parlamentswahl am 14. April 2004 die Mehrheit. Mit 69,68 % der Stimmen und 279 Abgeordneten war es ein haushoher Sieg, sodass niemand mehr um die Partei der ehemaligen Befreiungsbewegung herumkommt.

Das hat auch die New National Party (NNP), die Partei des ehemaligen Apartheidregimes erkannt. Nachdem sie bei den ersten freien Wahlen 1994 noch 20 % erhielt, sackte sie jetzt auf 1,65 % ab und stellt nur noch 7 Abgeordnete. Vor zwei Monaten beschloss diese Partei nun unter seinem Vorsitzenden Marthinus van Schalkwyk ihre Auflösung und Eingliederung in den ANC, um bei der Verteilung von Pfründen und Einflußsphären noch ein bisschen abzubekommen. Schalkwyk war bis zu den Wahlen Ministerpräsident eben jener Kap-Provinz, in der das Atomkraftwerk Koeberg liegt und wo der geplante Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) gebaut werden soll. Der ANC dieser Provinz West-Kap konnte sich wegen gewisser Rücksichtnahmen auf den konservativen Koalitionspartner nicht eindeutig gegen den PBMR aussprechen – so hieß es jedenfalls. Und jetzt wird Schalkwyk für seinen Eintritt in den ANC belohnt und wird – wir ahnen es schon – Minister für Umwelt- und Touristik in der neuen Bundesregierung!

Seine Kollegin, die Energieministerin Phumzile Mlambo-Ngcuka setzte sich am 22. Juni 2004 vehement für den Bau des PBMR ein: "‘Wir dürfen keiner Energiequelle abschwören, sonst können wir mit unserer Industrialisierung einpacken‘, sagte sie und kritisierte die Industriestaaten, die ihrem Land Energielösungen vorschreiben wollen. Letzteren wirft sie vor, aus Eigeninteresse die Verwendung von Hochtechnologie auf dem Kontinent zu verhindern, um weiter die Ressourcen Afrikas ausbeuten zu können" (Neues Deutschland, 30. 6. 2004). Lediglich 1,5 Prozent der Energie werden in Südafrika aus Sonne und Wind erzeugt. Bis 2013 sollen es nur 5 % werden. Eine eigenständige Forschung für Alternativenergie läuft im Gegensatz zur Atomkraft erst jetzt an.

Da in dem Artikel des ND die südafrikanische Journalistin einen geheimen Wissenstransfer vom Forschungszentrum Jülich (FZJ) nach Südafrika in Sachen HTR und militärischer Nutzung vermutete, rief dies berechtigterweise die "Grüne Liga Brandenburg" mit einem korrigierenden Leserbrief auf den Plan, der zusätzliche interessante Aspekte des Problems offenbarte: "Niemand kann voraussagen, wie die Entwicklung in Südafrika abläuft, sollte der ANC die Hoffnungen der schwarzen Massen auf ein menschenwürdiges Leben enttäuschen. Die Entwicklung im benachbarten Simbabwe zeigt, dass solche Misserfolge zu irrationellen Politikansätzen führen können. Eine Atombombe in der Hand solcher Politiker wie Mugabe wäre eine Gefahr für den Weltfrieden. Aber auch der ‚friedliche‘ Reaktor in Koeberg ist eine Gefahr. Militante Islamisten sind auch in Südafrika schon aktiv geworden" (ND, 5. 7. 2004).

So weit, so richtig. Die Leserbriefanmerkung, dass Umweltminister Trittin die HTR-Linie in internen Gesprächen am Rande eines grünen Kongresses abgelehnt haben soll und selbst die CDU nicht mehr an sie glauben würde, hat mich allerdings zu einer Antwort bewegt, in der ich auf die Verantwortung von zwei verschiedenen rotgrünen Regierungen und die Befürwortung dieser Linie durch die zukünftige Regierungspartei CDU/CSU hinwies (ND, 9. 7. 2004). Alles in allem also eine erfreulich vielfältige Debatte in einer vielbeachteten Zeitung. Nur schade, dass davon die engagiert arbeitenden Umweltschützer in Südafrika herzlich wenig haben werden....

Auch in Großbritannien denkt die Regierung laut über die Renaissance der Atomkraft und über eine forcierte eigenständige nukleare Forschung nach. Das "Handelsblatt" vom 28. 7. 2004 hob die Befürchtung Blairs hervor, in Zukunft Atommeiler "von jungen Industrien wie Indien oder Südafrika" kaufen zu müssen.

Medien, Presseschau:

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Als am 20. Mai Außenminister Fischer auf Europa-Wahlkampftour Station in Münster machte, um vor über 500 Zuhörern zu reden, verteilten Thomas Rabe – Gründungsmitglied unserer BI im Jahr 1975 und seit über 20 Jahren münsteraner Öko-Aktivist in BUND und Grünen - und ich dreihundert Extrablätter des THTR-Rundbriefes, das die Beteiligung Fischers an dem HTR-Export nach Südafrika zum Thema machte. Vor und während der Veranstaltung gelang es uns, sehr vielen Anwesenden ein Extrablatt zu überreichen und sie höflich auf unser Anliegen anzusprechen. Da Thomas jeden Dritten kannte, ergaben sich viele verständnisvolle Gespräche, was an diesem Tag ja nicht selbstverständlich war, wie sich jeder denken kann.

Am 9. Juni 2004 wurde auch der "Stern" von der Renaissancitis heimgesucht, jener tückischen Geistesvernebelung, von der vorwiegend Journalisten heimgesucht werden, die ohne fundierte Kenntnisse der Materie mal eben einen reisserischen Artikel über die Wiederkehr der Atomkraft schreiben sollen. Der mittlerweile übliche Quatsch über die inhärente Sicherheit von kleinen HTRs wurde in der Titelstory verbraten. Immerhin wurden – durchaus von mir einkalkuliert - von insgesamt fünf Sätzen noch die zwei Wichtigsten als Leserbrief am 23. Juni im "Stern" veröffentlicht: "Wie sicher die HTR´s sind, sieht man schon an dem HTR in Hamm-Uentrop. Während seiner dreijährigen Laufzeit in den 80er Jahren konnte er gerade 423 Tage Strom liefern, weil fast jede Woche neue Störfälle und meldepflichtige Ereignisse seinen Betrieb unterbrachen."

Am 22. Juli hat auch "Die Zeit" das wiedergekäut, was die Atomindustrie ihr vorsagte und lobte in ihrer Titelstory "Die Kernkraft kehrt wieder" auch die HTR-Linie. In der nächsten Ausgabe des Rundbriefes (und etwas eher auf unserer Homepage) werden die Hintergründe des DZ-Artikels genauer analysiert.


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