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Bereits im THTR-Rundbrief Nr. 132 (Juli 2010) habe ich darüber berichtet, dass Polen plant, neue Atomkraftwerke zu bauen und sich am 2. bis 6. Mai 2010 polnische Wissenschaftler bei ihren deutschen Kollegen in der Bergakademie Freiberg über die angeblichen Vorzüge der HTR-Linie informiert haben. Von Polen nach Dresden-Rossendorf, wo der ursprünglich in Jülich ausgebildete Professor Hurtado emsig die Werbetrommel für Kugelhaufenreaktoren rührt, ist es nur ein Katzensprung. Die Katastrophe in Fukushima hat die Regierung in Polen nicht von ihrem Vorhaben abgebracht. Sie will im Jahre 2016 mit dem Bau eines Atomkraftwerks beginnen, das 2020 Strom liefern soll. Bisher hat Polen lediglich Erfahrungen mit zwei Forschungsreaktoren gemacht. 1958 ging 30 Kilometer südlich von Warschau "Ewa" in Betrieb. 1974 der Schwimmbadreaktor "Maria". Das geplante Atomkraftwerk "Zarnowiec" in Pommern, 50 km nordwestlich von Danzig, wurde nach heftigem Widerstand der Bevölkerung 1990 aufgegeben. In dem 143 Seiten umfassenden "Programm für die polnische Kernenergie" (1) vom Januar 2011 wurden detaillierte Pläne mit den entsprechenden Zwischenschritten von der polnischen Regierung vorgelegt. In den nächsten Jahren müssen demnach die rechtlichen, institutionellen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Hinzu kommt noch die Definition von Sicherheitsanforderungen und die Ausbildung von Fachkräften. - Ein sehr hoher Aufwand für die angeblich so preiswerte Atomkraft! Da Polen bei der Entwicklung dieser Voraussetzungen noch ziemlich am Anfang steht, kann man sich an fünf Fingern abzählen, dass es länger dauern wird, als geplant. Und natürlich viel teurer. Aus 27 bisher vorgeschlagenen möglichen Standorten wurden bisher drei favorisiert: AKW-Standort soll Ende 2011 feststehen"An erster Stelle der so erstellten Rangliste steht der Standort Zarnowiec an der Ostseeküste, wo bereits in den 1980er-Jahren ein Kernkraftwerk im Bau war. Auf Platz 2 befindet sich Klempicz bei Posen in Grosspolen, gefolgt von Kopan' in Westpommern an der Ostsee. Im Auftrag des Wirtschaftsministeriums wird die PGE an vier bis sechs Standorten detailliertere Untersuchungen durchführen, darunter Analysen zu Landverfügbarkeit, Eigentumsverhältnissen und Netzanbindung. Bis Ende 2011 soll der geeignete Standort für den Bau des ersten Kernkraftwerks des Landes ermittelt werden" (2). - Es ist ebenfalls geplant (S. 95), das in Polen vorhandene Uran selbst zu fördern, um langfristig die Abhängigkeit vom Weltmarkt zu verringern. "Seit Anfang Oktober können auch interessierte Bundesbürger in den grenznahen Behörden Sachsens und Brandenburgs die polnischen Pläne einsehen und Stellungnahmen an das Umweltressort des polnischen Wirtschaftsministeriums schicken" (3). Um die Akzeptanz von Atomkraftwerken zu erhöhen, sind breitangelegte und aufwendige "Informations"-kampagnen geplant, da die Bevölkerung angeblich kein "seriöses Wissen" (S. 109) über Nuklearanlagen habe. Schon die Kinder in den ersten Klassen der Schulen sollen indoktriniert werden (S. 109). Während die staatlichen und unternehmerischen "Informationskampagnen" mit sieben Seiten auffällig ausführlich dargestellt werden, kommt die zukünfige "Bewirtschaftung von radioaktiven Abfällen" (S. 103) -- so nennen sie die jahrhundertelange Sicherung des Atommülls -- mit nur einer Seite reichlich kurz weg. - Bezeichnend! Hochtemperaturreaktoren für PolenIn dem "Programm für Polnische Kernenergie" wird mittel- bis langfristig auch auf Hochtemperaturreaktoren gesetzt: Der Einsatz von Thoriumreaktoren wird in dem Programm positiv gesehen: Wahrscheinlich wird Polen den HTR nicht gerade als ersten Atomreaktor bauen. Denn die ersten kooperationswilligen Konzerne haben etwas Anderes im Angebot: " Areva und Westinghaus schicken hierbei Druckwasserreaktoren mit einer Leistung von 1100 bis 1650 MW ins Rennen, während GE Hitachi einen Siedewasserreaktor von 1600 MW errichten will" (4). 2013 soll die Entscheidung fallen. "Wir haben in Dresden auch sehr viele Studierende aus Russland, aus der Ukraine, aus Polen. Die kommen extra zu uns zum Studium, weil es sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass an der TU Dresden eine sehr gute kerntechnische Ausbildung angeboten wird" (5). - Es wird höchste Zeit, dass wir diesen schamlosen Saboteuren des Atomausstieges genauer auf die Finger sehen und sie mit einigen zeitraubenden Diskussionen und hinterfragenden Aktivitäten von ihrem schändlichen Tun abhalten. Das Blaue vom Himmel ...Das neue Atomprogramm in Polen geizt nicht mit vollmundigen Versprechungen und haarstäubenden Verharmlosungen: Die Verfasser dieses Atomprogramms sehen in der polnischen Bevölkerung eine beliebig zu manipulierende und zu gängelnde Masse, die nach der Pfeife der Nuklearindustrie zu tanzen hat. Keine Lüge ist dreist genug, um aufgetischt zu werden! Diese 143 Seiten offenbaren direkt und ungeschminkt das menschenverachtende Weltbild gewissenloser Handlanger der Atomindustrie. In Berlin fanden in den letzten Jahren mit die größten Anti-Atomkraft-Demonstrationen der Welt statt. Nur 300 Kilometer weiter östlich sollen bald neue Nuklearanlagen in Polen gebaut werden. Dagegen sollte etwas getan werden. Sorgen wir dafür, dass die Atomlobby nicht auch noch Unterstützung aus der BRD erhält! Anmerkungen:
Nachdem in Südafrika der Bau des Pebble Bed Modular Reactors (PBMR) grandios und mit 1,5 Milliarden verprassten Euro gescheitert ist, sollte man meinen, dass die dortigen politischen Verantwortlichen aus dieser Pleite lernen würden. -- Weit gefehlt! Ausgerechnet sechs Tage nach der Katastrophe in Fukushima verkündete die südafrikanische Regierung im März 2011, dass sie beabsichtigt, insgesamt sechs Atomkraftwerke mit zusammen 9.600 MW Leistung errichten will. Anfang 2012 will der Minister für Energie Dipuo Peters einen entsprechenden Vorschlag in das Kabinett einbringen (1). Beraten lies sich die südafrikanische Regierung hierfür durch Electric Power Research (EPRI), eine US-Forschungsorganisation, die von den US-Energieversorgern finanziert wird und sicherlich ihre ganz eigenen Interessen hat. EPRI rechnete vor, was die Regierung angesichts der Probleme, Kredite für Atomkraftwerke zu erhalten, gerne hören wollte: Angeblich würde der Bau der anvisierten Atomkraftwerke nur noch 70 bis 80 Prozent des vor zwei Jahren schon mal durchgerechneten Preises kosten. Für die angenommene "Preissenkung" gibt es keine stichhaltigen Beweise. Aus den verheerenden Erfahrungen mit dem PBMR wird die südafrikanische Regierung nicht klug. Sie geht unbeirrt davon aus, dass das erste AKW 2022 und das Zweite 2027 in Betrieb gehen wird. Als Begründung für den Pro-Atom-Kurs muss die angestrebte CO2- Minimierung herhalten. Alternativenergie wird nur marginal gefördert. Dass Befreiungsbewegungen, wenn sie die Regierungsgewalt erlangen, sich in der Energiepolitik kein Deut umsichtiger verhalten als die fortschrittsgläubigen alten Industrienationen, zeigt ebenfalls das Nachbarland Namibia, eine ehemals deutsche Kolonie. Mit russischer oder chinesischer Hilfe will dieses Land bereits im Jahre 2018 seinen ersten Atomreaktor am Netz haben (2). Eine sehr unrealistische Annahme, weil Namibia weder die notwendige Infrastruktur noch ausgebildete Nuklearwissenschaftler hat. Die riesigen Uranvorkommen allein helfen nicht. Trotz der aktuellen Katastrophe in Fukoshima setzen die meisten Staaten in Afrika auf Atomkraft. Wie realitätstauglich dieses Wunschdenken ist, muss hier nicht mehr erörtert werden. Sicherlich wollen einige Regierungen mit dem Bau von AKW?s auch die Möglichkeit haben, Atombomben zu bauen. Ob die Länder Nordafrikas, Tansania, Nigeria, Ghana, Kongo, Cap Verde oder Kenia (dass schon Geld für diese Nuklearprojekte zurücklegt) -- sie alle klammern sich an die Versprechungen der Atomlobby und werden in der Realität noch ihr Blaues Wunder erleben (3). Lediglich Senegal ist die große Ausnahme und hat in diesem Jahr seine AKW-Baupläne rückgängig gemacht. Die Atomlobby hat nach den jüngsten Fukushima-Turbulenzen weltweit Probleme, ihre Anlagen zu verkaufen. Afrika ist für sie der einzige Lichtblick. Anmerkungen: 1. Nuclear Monitor Nr. 733, 23. 9. 2011 2. Freitag, 14. 7. 2011 3. Neues Deutschland, 4. 7. 2011
Zwei Tage nach dem Beginn der Katastrophe in Fukushima haben am 14. März 2011 mit dem ersten Spatenstich die Bauvorbereitungen für das erste Atomkraftwerk in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) begonnen. Der THTR-Rundbrief berichtete in den Ausgaben 130 und 131 ausführlich über die Hintergründe. Und darüber, dass zeitgleich mit dem Start mehrerer nuklearer Großprojekte Dubai den Zuschlag für die prestigeträchtige Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) erhalten hat. Diese auf internationaler Ebene getroffene Entscheidung wurde durch die Zusage für die noch zu bauende "emissionsfreie" und 22 Milliarden Dollar teure Stadt Masdar im Wüstensand wundersam "beflügelt". Angesichts der Wirtschaftskrise endet das mit viel Rummel angekündigte Megaprojekt jetzt als Flop: Lediglich einige wenige Universitätsgebäude sind bisher gebaut worden. In einem aktualisierten Plan wurde die Fertigstellung auf 2020 bis 2025 verschoben und die versprochenen Alternativenergieanlagen werden nicht gebaut. Lediglich der Wasser- und Stromverbrauch soll um die Hälfte gesenkt werden. Der "Freitag" merkte am 30. 6. 2011 kritisch an: "Solche Werte erreicht aber heute jede neue Touristenanlage am Mittelmeer, denn als Vergleichsmaßstab dienen die Städte Dubai und Abu Dhabi. Die Metropolen der VAE haben den höchsten Energie- und Ressourcenverbrauch weltweit". Für den Bau mehrerer AKW?s ist allerdings in diesem Despotenstaat genug Geld vorhanden.
Die Bewegung gegen die BRD-Hermes-Bürgschaft für das brasilianische AKW "Angra 3" kommt in Schwung. Das muss sie auch, denn im Januar 2012 wird eine Entscheidung erwartet. Online-Petitionen mit über 125.000 Unterzeichnern, Postkartenaktionen der Organisation Urgewald (siehe Bild) und Protestaktionen in 40 Städten dokumentieren den Widerstand eindrucksvoll. Am 12. November 2011 hingen Aktivisten von Robin Wood, Attac und Urgewald über dem Eingang des FDP-Sonderparteitages und begrüßten die Delegierten mit Schildern "Atomtod exportiert man nicht" und "Angra 3 stoppen". Der Protestort war genau richtig gewählt: Die beiden FDP-Außenminister Genscher und Westerwelle waren bzw. sind seit Jahrzehnten nicht nur die Strippenzieher des Nukleardeals, sondern arbeiteten mit der brasilianischen Militärdiktatur und ihren Nachfolgern zusammen. #Über die Hilfe von deutschen Nazi-Wissenschaftlern beim Aufbau des brasilianischen Atomprogramms hat der THTR-RB in seiner Ausgabe Nr. 132 bereits im Mai 2010 ausführlich berichtet. In der Wirtschaftszeitschrift "Lunapark21" (Nr. 14) hat Horst Blume das Thema erneut in dem vierseitigen Artikel aufgegriffen: "Historische Kontinuitäten aus faschistischer Zeit". Aktuelle Kampagneninfos findet mensch unter: www.urgewald.org
Im Frühjahr 2012 sollen die 152 THTR/AVR-Castoren des Forschungsreaktors Jülich mit LKW-Transporten von Jülich nach Ahaus gebracht werden. Bis zu 76 Einzeltransporte sind geplant. Die Transporte bringen keinen Sicherheitsgewinn: Die Leichtbauhallen in Jülich und Ahaus unterscheiden sich kaum. Sie sind beide nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert. Eine Verschiebung täuscht also nur vor, dass der Atommüll entsorgt wird. In Wahrheit ist jeder Transport quer durchs Land ein weiteres Risiko. Die rotgrüne NRW-Landesregierung schaut -- entgegen ihren Ankündigungen -- tatenlos zu. Gegen diese Transporte wird es Widerstand und Aktionen geben. Im August 2011 ereigneten sich laut Strahlenschutzbericht der Radiologischen Fernüberwachung NRW zwei meldepflichtige Ereignisse, bei denen es zu einer Funktionsstörung im Behälterüberwachungssystem gekommen ist. "STOP Westcastor" fordert Aufklärung über die Hintergründe dieser Ereignisse. Termine:18. Dezember 2011, 14 Uhr: Großer Advents-Sonntagsspaziergang am Atommülllager Ahaus zum Jahresabschluss und Castortransport-Auftakt aus Jülich.
Würden Sie einen völlig rückwärtsgewandten ewiggestrigen, höchst dubiosen "Würden"träger, der sogar mit Antisemiten und Holocaustleugnern wie der Pius-Bruderschaft gerne zusammenarbeiten will, freudig in Deutschland begrüßen? -- Wahrscheinlich wohl nicht. Aber der sozialdemokratische Hammer MDL Marc Herter macht es. Und lässt es sich richtig was kosten. Am 22. 9. 2011 schaltete er zusammen mit einigen anderen Gesinnungsgenossen im Westfälischen Anzeiger eine ganzseitige (!), teure Farbanzeige mit der Titelzeile: "Willkommen zuhause Pabst Benedikt". Hiermit dokumentiert Herter mehr als deutlich, dass er für den politischen und beruflichen Erfolg bereit ist, jede aber auch wirklich jede Anpassungsleistung zu erbringen, die ihm weiterhelfen könnte. Hauptsache es geht auf der Karriereleiter nach oben. - Möge er dafür in der Hölle schmoren! Dieser nicht mehr ganz so junge Sozialdemokrat hat das Format, die bisherige THTR-RB-Serie "Laurenz Meyer, Teil ..." (bisher 21 Folgen) abzulösen. Also auf zu neuen Taten, Marc! - Junge, du hast echt Potenzial! Nach den Artikeln in RB Nr. 132 und 136 ist dies also "Marc Herter, Teil 3"! Geschichtenschreibung 20 Jahre nach der Kühlturmsprengung:"Damals hat eine grüne, radikale Truppe den Kühlturm vier Wochen lang besetzt gehalten. Die hatten einen Wächter betäubt und sind hoch. Ich konnte immer die Fahne wehen sehen." Am 25. 9. 2011 druckte der Hammer "Stadtanzeiger" diese Äußerung des ehemaligen FDP-Ratsherren Willi Walther, an der so ziemlich gar nichts stimmt, unkommentiert so ab. Liebe Leserinnen und Leser!In der Juniausgabe 2011 der atw, der bekanntesten Fachzeitschrift der Atomlobby, hat der Ingenieur Urban Cleve einen zehnseitigen (!) Artikel über die angeblichen Vorzüge des Hochtemperaturreaktors geschrieben. Er umfasst ein Viertel der gesamten Zeitschrift. Die Atomindustrie gibt so schnell nicht auf und versucht es immer wieder neu, weil satte Gewinne und staatliche Subventionen winken. Wenn zur Zeit kein THTR in der BRD gebaut werden kann, dann vielleicht ein paar Kilometer hinter der Grenze in Polen oder Tschechien; darauf spekulieren sie. Für die BRD-Konzerne würde dann so mancher Auftrag abfallen. Damit dies in Zukunft weiterhin geschehen kann, bitten wir die AbonnentInnen, alle ein- oder zwei Jahre zehn oder zwanzig Euro auf das im Impressum stehende Konto der BI zu überweisen. Vielen Dank!
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