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Die THTR-Rundbriefe aus 2009

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THTR Rundbrief Nr. 127, Juli 2009


Inhalt:

Der Werhahn knurrt

THTR-Einschluss: Sicher viel Geld

In the year 2025: Doch noch „Bonsei-THTR“ in Südafrika?

Medien unterm Hammer (ohne Sichel)

5. September 2009: Anti-Atom-Pauken-schlag vor der Wahl!


Der Werhahn knurrt

Der Wehrhan„Sandkornkleine Panzerkörner“, umgeben von einer „diamantharten Hülle“! – „Diese Körnchen kommen - ähnlich wie Rosinen ins Brötchen – in eine etwa handgroße Grafitkugel“, haltbar „mindestens eine Milliarde Jahre“ (1)!

Wer mit diesen Worten die THTR-Technik wie saures Brot anpreist, ist kein anderer als Hermann Josef Werhahn, Patriarch des Werhan-Klans. Seit 1871 eine der reichsten Unternehmerfamilien Deutschlands. Er ist nicht nur Besitzer zahlloser Getreidemühlen zur Herstellung von Diamant-Mehl, sondern Spezialist für alles, womit Geld zu verdienen ist. Maschinenbau, Einzelhandelsketten, Braunkohlebergbau und –kraftwerke, Kohlehandel und seit 1967 mit 10% größter privater Anteilseigner der RWE, Aufsichtsrat- und Vorstandsposten dortselbst inclusive (2).

Hermann Josef Werhahn ist zudem Schwiegersohn von Adenauer (3), womit wir bei einem ganz besonderen Eckpfeiler des vielzitierten „Rheinischen Kapitalismus“ angelangt sind. Heilig ist ihnen allerdings nicht nur der Unternehmensgewinn, sie alle sind es höchstselbst! Wikipedia gibt hierüber folgendermassen Auskunft: „Dr. Joseph Kardinal Frings, Kölner Erzbischof und befreundet mit dem Nachkriegskanzler, war über die Verwandtschaft zur Großmutter Vetter Wilhelm Werhahns. Der Bruder des Kardinals, Alfons Frings war Neusser Oberbürgermeister. Prälat und Kölner Domherr Franz Werhahn war Onkel Wilhelm Werhahns“ (1880 – 1964).

Letzterer brachte es auf die Rekordzahl von 23 heiligen Aufsichtsratsmandaten, wurde laut Wikipedia als „ungekrönter König von Neuß“ bezeichnet und war bestens befreundet mit der Kölner Privatbankiersfamilie Sal. Oppenheim, mit denen er ausserdem durch diverse Unternehmensbeteiligungen verbunden war.

Zurück zu seinem Sohn Hermann Josef und seiner nicht ganz uneigennützigen Bewunderung für den Hochtemperaturreaktor. Die Zertifikate-News schreiben in ihrem Newsletter 1/2009: „Hermann Josef Werhahn (der Schwiegersohn Adenauers) hat die Reaktortechnologie mit den kugelförmigen Brennelementen von Anfang an als Berater begleitet“. Schon im letzten Jahr war offensichtlich, dass es beim Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) in Südafrika nicht so recht vorankam und sich die Probleme häuften. Höchste Zeit also, die unternehmerfreundlichen medialen Hilfstruppen von der Leine zu lassen, um am 14. 11. 2008 sich in „Die Welt“ in einem Interview die Stichworte für seine Lobeshymnen geben zu lassen:
„Welt Online: Wie lange reichen denn die Weltvorräte an Thorium im Vergleich zum Uran?
Werhahn: Thorium findet sich in Monazit-Lagerstätten. Die Vorräte würden ausreichen, um alle Kernkraftwerke der Welt mehrer Hundert Jahre zu betreiben.
Welt Online: So lange dürften die Uranvorkommen nicht reichen.
Werhahn: Das ist richtig .......“

Hermann Josef weis dies alles so genau, weil er es wissen muss. Er war mit dem heiligen Schöpfer des THTR´s , dem 1996 verstorbenen Professor Rudolf Schulten (RWTH Aachen und Direktor am Institut für Nukleartechnologie an dem Forschungszentrum Jülich) befreundet und möchte offensichtlich dessen Lebenswerk nach den Rückschlägen in Hamm-Uentrop und Jülich doch noch vollenden: Die Wiederauferstehung des Hochtemperaturreaktors! – Das geschieht selbstverständlich nicht aus Nächstenliebe, sondern aus dem unternehmerischen Tatendrang heraus, Wert(ab)schöpfung zu betreiben. Ähnlich offensiv und draufgängerisch wie etwa die Musketiere der klaneigenen früheren Biermarke: „Männer wie wir - Wicküler Bier!“

Der Wirtschaftschronist Kurt Pritkoleit verglich einen echten Werhahn mit jenem „Mann, der im Haufen der Goldgräber mitzieht – nicht um Nuggets zu graben oder das Sieb zu schwingen, sondern um den Pionieren Hacke und Schaufel, Holz für den Bau ihrer Hütten oder auch nur für das Feuer im Zelt, Mehl, Bohnen, Salz und Schnaps zu verkaufen und damit auf die Dauer lohnenderes, auf jeden Fall ein völlig sicheres Geschäft zu machen.“ (4) Nur leider, leider ist beim THTR gar nichts sicher. Diese Erfahrung musste auch ein Hermann Josef Werhahn machen, als er in sprachlicher Anlehnung an seine Diamant-Mehlmarke die Firma „Siamant GmbH“ gründete. In dieser Firma wurde versucht, eine Siliciumcarbidschicht auf die THTR-Brennelementekugeln aufzubringen, um sie unbrennbar zu machen. Hat aber nicht funktioniert.

Entmutigt wurde Hermann Josef Werhahn durch diesen Rückschlag nicht und lässt stattdessen seine guten Verbindungen zur Politik spielen. Man sieht und trifft sich ohnehin andauernd. Zum Beispiel beim „Gnadentaler Unternehmertisch (GUT)“ sitzt er zusammen mit NRW-Wirtschaftsministerin Thoben auf dem Podium, wo sich beide die Bälle gegenseitig zuspielen. Thoben kritisiert den Atomausstieg und anschliessend: „Applaus gab es dafür – unter anderem auch von Hermann-Josef Werhahn, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung. Er dankte Thoben dafür, dass sie die Technologie des in NRW entwickelten Hochtemperaturreaktors und damit die Nutzung einer ‚entmilitarisierten Wasserstoffindustrie‘ wieder ins Gespräch gebracht habe.“ (5)

Anschliessend kommt Thoben dem urchristlichen Nächstenliebe-Unternehmer bei einem seiner weiteren sozialen Anliegen deutlich entgegen: „‘Was wirkungslos ist und mehr behindert als nützt, muss weg‘, sagt Christa Thoben – und meint damit zum Beispiel das Tariftreue-Gesetz. ‚Ein bürokratisches Monstrum‘“.

In der Funktion als Kammerpräsident der IHK Mittlerer Niederrhein gewährt mit Wilhelm Werhahn ein weiteres Familienmitglied Schützenhilfe und spricht sich in einem Interview mit der Westdeutschen Zeitung für „eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken“ (6) aus.

Wo immer er kann, versucht Hermann Josef Werhahn den THTR ins Gespräch zu bringen. So bedankt sich der Unternehmensberater Jochen Michels (Konrad-Adenauer-Ring, Neuss) sicherlich nicht grundlos besonders überschwänglich bei seinem „Inspirator“ in seinem Hausaufgabenheft mit dem Thema „Sprit aus Kernwärme und Biomasse“ für vielfältige Anregungen und Informationen. Besonders hervorgehoben wurde in seinem Text eine Lobeshymne auf den konservativen Übervater und Werhahnverwandten Adenauer, dem innigen Freund der Friedensbewegung: „Damit ist eine wesentliche Voraussetzung gegeben, um die atomare Neutralität unseres Vaterlandes weiterhin zu erhalten, die in den 50-er Jahren von Konrad Adenauer initiiert wurde“.

Dafür bekommt er sicherlich eine eins in Folgsamkeit und Loyalität vom Clan; in einer seriösen Geschichtsstunde bekäme er sicherlich eine sechs: Die BRD hat sich gerade unter Adenauer sehr heftig gegen die Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrages gewehrt (7). In seinen Ausführungen über die angeblich geringe Radioaktivität des THTR-Atommülls behauptet er frech wahrheitswidrig: „Der beste Beweiss ist, dass sowohl Jülich als auch Uentrop bis zum Jahre 2025 wieder die „grüne Wiese“ hergestellt haben werden.“ Richtig hingegen ist, dass die NRW-Landesregierung im letzten Jahr eine Studie veröffentlicht hat, in der angedacht (!) wurde, den THTR bis zum Jahre 2044 zurückzubauen.

Auch folgende seiner Angaben sind falsch: „Die jetzt im Bau und in Betrieb befindlichen Kugelbett-Anlagen in Südafrika, China, Japan und anderen Ländern zeigen, dass wir nicht allein stehen.“ In Südafrika gibt es gar keinen Reaktor. Darüber schweigt er lieber, weil es nicht in seine fingierte Erfolgsstory passt. Mit dem Bau des chinesischen HTR wurde bisher nicht begonnen und der Mini-THTR mit lächerlichen 10 MW wird fast nur noch dann angefahren, wenn eine Delegation von wundergläubigen Verehrern oder zu beeindruckende Staatsgäste im Anmarsch sind. Eigene Probleme hängt die chinesische Regierung bekanntlich nicht so gerne an die grosse Glocke. Der HTTR (!) in Japan ist überhaupt kein Kugelbettreaktor. Und welche anderen Staaten den THTR noch bauen oder gar in Betrieb haben, das soll uns Herr Michels einmal genauer erklären – darüber weiss er offensichtlich mehr als der Rest der Welt. Oder existieren diese Reaktoren nur in seiner Phantasie, die mit ihm durchgegangen ist?

In der Zwischenzeit wurde Herrmann Josef Werhahns denkwürdiges Welt-Interview ins Französische übersetzt (8). Denn lukrative Geschäfte sind nicht nur im Rheinland und Ruhrgebiet zu machen, sondern auch ein paar hundert Kilometer weiter im atomfreundlichen Frankreich. – Jedoch wenn nicht nur in NRW, sondern auch nach der nächsten Bundestagswahl CDU und FDP eine gemeinsame Bundesregierung bilden, dann werden schon die richtigen Entscheidungsträger zum Abendmahl der heiligen Familie geladen. Beim Sekt wird man gemeinsam darüber plaudern, wie schon sehr bald die alten Visionen vom Hochtemperaturreaktor in Deutschland wiederauferstehen können. Ausgewiesene potentielle Kraftwerksstandorte gibt es ja aus vergangenen Zeiten noch genug...

Anmerkungen:
1. Die Welt, 14. 11. 2008
2. Siehe auch Bernd Engelmann „Wie wir wurden, was wir sind. Von der bedingungslosen Kapitulation bis zur unbedingten Wiederbewaffnung“, Goldmann 1982, Seite 134 bis 139
3. Siehe auch Badstübner, Thomas: „Entstehung und Entwicklung der BRD. Restauration und Spaltung 1945-1955“, Pahl-Rugenstein 1975, Seite 389
4. Wikipedia unter „Peter Werhahn“, 2009
5. Neuss-Grevenboicher Zeitung 12. 1. 2006
6. Westdeutsche Zeitung, 11. 3. 2009
7. Siehe THTR-Rundbrief Nr. 95
8. Siehe: http://terresacree.org/hautetemperature.html

THTR-Einschluss: Sicher viel Geld

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Vor mehr als vier Jahren schrieb uns das NRW-Finanzministerium, dass es sich rechtzeitig wegen einer Neuverhandlung der Übernahme der THTR-Stilllegungskosten von jährlich 5,6 Millionen Euro mit den THTR-Gesellschaftern „ins Benehmen setzen“ wolle. „Rechtzeitig“ haben die Herren Ministerialbeamten höchstselbst dick unterstrichen. Gut fünf Monate vor Ablauf der Frist sind wir allerdings trotz neuer Nachfrage immer noch nicht schlauer. Benimmt man sich so?? – Wir sind gespannt, ob das Ministerium auf den allerletzten Drücker noch soviel Druck aufbauen kann, dass die Konzernherren dem Steuerzahler noch ein paar gnädige Groschen zukommen lassen.

In the year 2025:
Doch noch „Bonsei-THTR“ in Südafrika?

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Nach der gescheiterten Finanzierung des PBMR in Südafrika versucht die Atomindustrie zu retten, was zu retten ist. Denn im März 2010 ist das südafrikanische Haushaltsjahr mit den Zuwendungen für die PBMR-Entwicklung zuende.

Um noch ein paar Steuerzahler-Milliönchen abzustauben, produziert die PR-Abteilung jede Menge heisse Luft. Mal soll ausgerechnet dem Erdölland Kuwait der Reaktor aufgeschwatzt werden. Ein anderes Mal werden Kooperationen mit China als Meilenstein der Weiterentwicklung des PBMR aufgebauscht. Bei dem „Memorandum of Understanding“ mit China soll bei der Forschung lediglich Doppelarbeit vermieden werden. Das „Neue Deutschland“ ist unkritisch auf diese „Erfolgs“-Meldung hereingefallen und druckte trotz weiterer Nachfrage noch nicht einmal einen Leserbrief dazu ab! Der Mini-THTR in Peking mit lächerlichen 10 MW wird fast nur noch dann angefahren, wenn Journalisten oder ausländische Wissenschaftler im Anmarsch sind. Es waren 2008 ganze 10 Tage!

Nach der Wahl in Südafrika versucht es die PBMR-Gesellschaft mit einem neuen Konzept einschliesslich thermischer Nutzung und backt angesichts der Wirtschaftskrise ganz kleine Brötchen. Nicht mehr bescheidene 165 MW Leistung wie bisher vorgesehen, sondern kümmerliche 80 MW Strom soll der Kleine leisten. Damit könnte man den Strombedarf des Landes nicht ansatzweise decken, sondern nur wie in Jülich etwas herumexperimentieren. Und weil ein neues Konzept erstellt werden muss, würde es ab jetzt noch 9 Jahre bis zur Fertigstellung dauern (plus Lügen- und Angeberfaktor sicher noch länger).

Damit wird ein langsames Ende auch dieses deutlich abgespeckten PBMR-Konzeptes wahrscheinlicher. Die neue Regierung in Südafrika muss sich erst noch in die Materie einarbeiten. Sie hat sich schon einmal die Finger am PBMR verbrannt. Die Suche nach externen Geldgebern kann dauern. Vorsichtshalber hat das südafrikanische Stromversorgungsunternehmen eine Strompreiserhöhung von 31,8 Prozent direkt nach Bekanntgabe der neuen möglichen Absichten angekündigt. Wir bleiben am Ball.

Medien unterm Hammer (ohne Sichel)

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„Hör mal Nuri, der Vornholt vom Westfälischen Anzeiger geht schon die ganze Zeit vor unserem Büro auf und ab. Hast du einen Termin mit dem?“ – „Nee, keine Ahnung, warum der hier so unauffällig herumschleicht. Vielleicht sollten wir ihn für ein Glas türkischen Tee hereinbitten?“ – „Dann könnten wir ihn ja mal fragen, warum er von unserer letzten Presseerklärung nichts gedruckt hat“ antwortet Alisan. - „Aber guck doch mal, da kommen Leute mit einer Styropormauer bis direkt vor unser Schaufenster – ‚Freiheit statt Neokommunismus‘ steht drauf!“

Die Linke hat 'ne Mauer im Kopf sagt Laurenz MeyerNuri und Alisan, als Kinder aus der Türkei nach Westdeutschland gekommen und beim DDR-Mauerfall gerade erwachsen geworden, wundern sich, dass sie jetzt als Mitglieder der Linkspartei ohne Umschweife von der seltsamen Vereinigung Ant-ex (benannt nach einem gleichnamigen Hirnabführmittel) für die politischen Zustände in der DDR verantwortlich gemacht werden. „Haben die noch alle Tassen im Schrank, sind das am Ende sogar ..... Faschisten?!“

Vornholt hört es und beobachtet mit verzücktem Paparazziblick die absurde Szene. – Welch hinreissende Story bietet sich hier an! - Endlich atmet auch einmal in Hamm der Weltgeist von vorgestern - und die Wiederkäuer des verstaubten Propagandamülls aus der Zeit des kalten Krieges bekommen wieder ihr Futter. WA-Eigentümer Ippen lässt gegen die Linkspartei tippen. Das ist nicht neu.

Einseitiger Eingriff in Wahlkampf

Die von Ippen vor einigen Jahren gekaufte Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) griff als Monopolblatt massiv und einseitig in den hessischen Landtagswahlkampf ein. Die Junge Welt (JW) vom 9. Januar 2009 schrieb:

„Da gibt es in Baunatal bei Kassel einen Ortsverband, der sich – wie bei Linken nicht ungewöhnlich – mehr mit sich selber als mit der realen Politik beschäftigt. Es fallen Signalwörter: »Stasimethoden«, »Bespitzelung«, »elitäre Kaderbildung«. Jedem seriösen Journalisten wäre dies vielleicht eine Meldung unter »Vermischtes« wert. Nicht so den Redakteuren der HNA. Das Blatt setzte ihren »Chef-Reporter« – so sein ehemaliger Titel – an und reproduzierte diesen Vorgang, der Ende November 2008 seinen Höhepunkt auf einem Landesparteitag hatte, mittlerweile zum fünften Mal. Zwei Wochen vor der neuerlichen Landtagswahl schaffte es die »Story« sogar auf die Titelseite: »Der Linkspartei laufen die Mitglieder weg«. Nur der aufmerksame Leser erinnerte sich vielleicht daran, daß die HNA als kleine Randmeldung wenige Tage zuvor mitteilen mußte, daß Die Linke in Hessen 2008 um über 730 Mitglieder gewachsen ist.
(...) Es wurden sogenannte Leserforen als Rubrik für kommunalpolitische Themen eingerichtet. Wer dies für mehr Bürgerpartizipation hielt, sah sich bald getäuscht. Es ging darum, verbesserten Handlungsspielraum für die örtliche CDU, deren organisatorische Aufstellung katastrophal ist, zu schaffen. Die Zeitung wurde zum aktivsten Lobbyisten für den Ausbau des Flughafens Kassel/Calden – einem Lieblingsprojekt der Koch-Regierung. Foren-»Spezialist« für Fragen von »Demokratie und Recht« wurde Jürgen Gehb, Mitglied des Bundestages und dort rechtspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, ein ausgesprochener Hardliner. Landespolitik wurde in der HNA zum Thema der CDU-Spitzenkandidatin Eva Kühne-Hörmann. Natürlich durften nach der Landtagswahl vom Februar 2008 auch Vertreter anderer Parteien mit Interviews zu Wort kommen. Aber bevor deren erstes Wort abgedruckt wurde, erfuhren die Leser der HNA zum Beispiel, daß Willi van Ooyen, frischgewählter Fraktionschef der Linkspartei im Landtag, »Einflußagent der DDR« gewesen sei.“

„Grundrauschen“ in Gefahr

In diesem Jahr macht das 230.000er-Auflage Blatt HNA erneut von sich reden. Der eigenwillige Ippen verordnete seiner Redaktion probehalber einen völligen Verzicht auf DPA-Meldungen. Die TAZ titelte „Grundrauschen in Gefahr“ (12. 4. 2009). Die Deutsche Presseagentur liefert mit Hilfe eines gut ausgebauten Korrespondentennetzes gegen Entgelt tendenziell gut recherchierte Meldungen aus allen Teilen der BRD für die Zeitungsredaktionen. Offensichtlich ist einem Mann wie Ippen eine einigermaßen verlässliche Medieninstitution, die sich noch an journalistische Mindeststandards hält, ein Dorn im Auge. Er möchte offensichtlich lieber seine eigenen Leute als Zuträger von Nachrichten und Herrscher über „Foren“ heranziehen.

Nur vordergründig schlägt die Medienpolitik auch mal groteske Kapriolen. Ines Pohl, Korrespondentin für die Mediengruppe Ippen in Berlin und zuvor Leiterin des politischen Ressorts der HNA wird jetzt Chefredakteurin der – nicht erschrecken – TAZ (TAZ vom 26.. 6. 2009)! Die neuerdings im wunderbaren Layout daherkommende liberale TAZ steht allem Sozialen im Grunde desinteressiert oder gar abweisend gegenüber. Es galt also im konkreten Fall nur noch die Kulturschranke vom biederen Rechtskonservatismus zur quirligen ökologisch angehauchten Kulturschickeria zu überwinden.

Desinformationssystem Tageszeitung

Die Besitzer der Produktionsmittel bestimmen, was mit ihnen gemacht wird. Da darf man sich nicht wundern, dass auch die Medien so sind, wie sie sind. Als am 16. Mai 2009 in Berlin etwa einhunderttausend Menschen gegen den Sozialraub demonstrierten, berichtete der Westfälische Anzeiger mit keinem einzigen Wort darüber. Es existieren aber auch Lücken und Besonderheiten im Desinformationssystem Tageszeitung. Besonders pikant ist beispielsweise, dass über viele Jahre hinweg in den beiden so gegensätzlichen Zeitungen „Neues Deutschland“ und Ippens WA nicht nur bundesweit am häufigsten über den THTR bzw. PBMR berichtet wurde, sondern auch der Inhalt fast immer gleich war. Hoffentlich bekommt Herr Ippen keinen Herzinfakt, wenn er das merkt ...

Nur einmal war alles anders. Die Meldung, dass der Bau des 165 MW-PBMR in Südafrika gescheitert ist, mochte das ND nicht abdrucken. Im WA erschien sie aber – im Hammer Lokalteil unter „Leo Hammer“. Das ist eine spezielle Rubrik, in der beispielsweise erzählt wird, wie zumeist ältere Mitbürger einen verlorengegangenen Schlüsselbund auf wundersame Weise wiedererhalten haben. Ein Redakteur hatte die BI-Presseerklärung in ein nettes Geschichtchen verpackt und die Meldung erreichte ihre Leser auf Seite eins im Lokalteil. Womöglich wurde sie dort mehr gelesen, als an anderer Stelle.

Solange es noch zwei oder drei verschiedene Zeitungen mit personell gut besetzten Lokalredaktionen gibt, bestehen immer noch Möglichkeiten, eine Nachricht unterzubringen. Denn Journalisten haben durchaus manchmal eine andere Meinung oder ein anderes journalistisches Berufsverständnis als der Herr Verleger.

Lokalredaktionen sind in NRW allerdings vom Aussterben bedroht. Die WAZ-Gruppe mit ihrem SPD-Mitglied und Geschäftsführer Bodo Hombach will in NRW etwa 300 Stellen streichen (TAZ vom 19. 2. 2009). Lokalredaktionen werden mit der Westfalenpost oder Westfälischen Rundschau zusammengelegt. 32 Millionen Euro sollen eingespart und der Gewinn gesteigert werden. Es wäre der größte Eingriff in die lokale Medienvielfalt in NRW. Bei der Suche nach einem aufgeschlossenen Redakteur steht man in Zukunft immer öfter vor einer verschlossenen Tür. Die Versuche von der Süddeutschen Zeitung und der TAZ, jeweils eigene NRW-Ausgaben zu etablieren, sind in den letzten Jahren gescheitert. Jetzt, wo die NRW-Presse so richtig auf den Hund gekommen ist, kann der CDU-Politiker Rüttgers in NRW beruhigt allen neunten Klassen in den Schulen für ein Jahr eine Tageszeitung spendieren (TAZ vom 23. 6. 2009) und dabei sicher sein, das diese in der Regel nur noch die Stimme ihres Herren hinauskläffen.

Willy Brandt: „Sozialdemokraten können keine Zeitung machen.“

Gibt es in diesem Jammertal Alternativen? - Ist es vielleicht die „neue hammer zeit“, die von der Hammer SPD fast flächendeckend vor der Europawahl an alle Haushalte verteilt wurde? Ich traue meinen Augen kaum, wenn ich lese: „Armut bekämpfen – Teilhabe aller sichern“. Die ganze Zeitung quillt geradezu mit Forderungen über, mit denen den sozial Benachteiligten geholfen werden soll. Dabei hat doch gerade die SPD die Hartz-Gesetze zu verantworten und ist Hauptverursacher dessen, was sie jetzt heuchlerisch beklagt. Wer darauf als Betroffener hereinfällt, muss schon reichlich dumm sein – oder aber Masochist. In diesem Fall schlage ich vor, zu dieser Zeitung noch drei Peitschenhiebe hinzuzugeben, damit das Geheul und Gejammer der zu wahlkreuze Kriechenden in den Ohren der Unternehmer gar süßlich klingen möge; sie in Erwartung weiterer Unterwerfungsgesten wieder stärker investieren und in ihren Kassen die Euros wieder richtig laut klimpern. Das wäre dann echte sozialdemokratische Hausmusik zur Zeitungslektüre!

Die Alternative zu Kommerz und Verdummung von oben sind Bewegungszeitungen von unten. Wie zum Beispiel die libertär-pazifistische Monatszeitung „Graswurzelrevolution“, die jedes Jahr im Verfassungsschutzbericht gewürdigt wird. Ihr Internetauftritt, der für Kriegsdienstverweigerung und gewaltfreie Konfliktlösungen wirbt, wurde von dem Internet-Schulfilter, auf dem unzählige Schulkomputer installiert sind, unter der Kategorie „politisch Extrem/Hass/Diskriminierung“ eingeordnet und gesperrt! So sieht die Medienlandschaft in der BRD aus. Es kostete einige Mühe, die Sperre wieder aufzuheben. Inzwischen liegt der „Graswurzelrevolution“ die selbstständige Jugendzeitung „Utopia“ bei. Die Auflage beträgt beachtliche 25.000 Exemplare und die agilen Jungredakteure flitzen nicht nur bei unzähligen Demos und Aktionen herum, sondern schreiben nebenbei auch noch fleißig Artikel über den THTR in allerlei anderen Tageszeitungen. Alternativen sind also möglich. www.graswurzel.net ; www.jugendzeitung.net

5. September 2009: Anti-Atom-Pauken-schlag vor der Wahl!

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Wenn sich die Bauern und Bäuerinnen aus Gorleben 30 Jahre nach dem legendären Treck nach Hannover im Wahljahr 2009 wieder zu einem Treck rüsten, dann hat das nichts mit Nostalgie zu tun, sondern einer bitteren Notwendigkeit. Diesmal geht es ums Ganze. Für Gorleben und in Sachen Atomenergie. ASSE oder Ausstieg, Laufzeitverlängerungen oder Erneuerbare Energien.
„Es wird entscheidend von uns abhängen, wie sich die Parteien nach der Bundestagswahl zur Atomenergie verhalten“, heißt es im Aufruf für den Treck und eine bundesweite Demonstration am 5. September in Berlin. Mehrere hundert Trecker und viele tausend Demonstranten werden erwartet.

abschalten-jetzt

Am 29. August werden die Trecker an den Gorlebener Atomanlagen verabschiedet und fahren dann nach Berlin. Am 5. September ist um 13 Uhr vor dem Hauptbahnhof die Auftaktkundgebung und anschließend die Demo zum Brandenburger Tor. Von Münster aus fährt am 5. 9. um 6 Uhr ein Bus (Karten: 30 Euro).

Infos: www.sofa-ms.de

Am Sonntag, den 26. Juli macht der Gorleben-Bus auf seiner Mobilisierungs-Tour mit Ausstellung und Kulturprogramm in Hamm Station!!

Infos: www.anti-atom-treck.de (nicht mehr aktiv)

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