|
Seite 4 von 9
10 Jahre Fuge Zeitung 1998 - 2008
Energie(unver)standort Hamm
von Horst Blume

Mit der Grundsteinlegung für die zwei Kohlekraftwerke ist Hamm erneut in den Blickpunkt der energiepolitischen Diskussion geraten. Die beiden neuen Kohlekraftwerksblöcke der RWE in Uentrop werden nicht nur 8,9 Mio Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen, sondern liegen mit einem Wirkungsgrad von 46 Prozent weit hinter modernen Gas- und Dampfkraftwerken zurück. Diese neuen Großkraftwerke werden etwa 40 Jahre lang in Betrieb sein und behindern dafür den Ausbau der erneuerbaren Energien für diesen Zeitraum in dieser Region höchst effektiv. Klimaschutz wird damit unmöglich gemacht. Das ist von der RWE genau so gewollt, denn dieser Konzern will auf möglichst einfache Weise viel Geld verdienen und nichts mit kleineren und mittleren Betrieben im Alternativsektor teilen.
Diese Haltung hat in Hamm Tradition. Denn in Uentrop steht mit dem Thorium Hochtemperaturreaktor (THTR) ein nukleares Großkraftwerk, dass alle anderen Optionen ausser den klimaschädlichen Kohlekraftwerken seit seinem Baubeginn im Jahre 1971 unmöglich gemacht hat. Allein die Forschung an diesem neuen Reaktortyp verschlang seit 1956 nach Angaben der Atomindustrie 2,39 Milliarden Euro.
Das Uran für den THTR, der in den 80er Jahren wegen vieler Störfälle nur an 423 Volllasttagen Strom produzierte, wurde in der Rössingmine in Namibia gewonnen. Unter Apartheidbedingungen. Die Folgen der damals noch billigen Uranproduktion hatte die Bevölkerung zu ertragen. Radioaktiver Staub und Gase verursachten den Tod von vielen Arbeitern und Anwohnern. Verseuchtes Sickerwasser und riesige kontaminierte Abraumhalden machten die Abbaugebiete zu ökologischen Katastrophenregionen.
Für den THTR Hamm wurde in dem kleinen AVR-Jülich geforscht. Allein bis 1978 wurden etwa 100.000 hochradioaktive THTR-Kugelbrennelemente im Bergwerk Asse versenkt. Der Asse-Skandal ist also auch ein THTR-Skandal. Ein Endlager für die 675.000 Brennelementekugeln des THTR Hamm ist nicht in Sicht. Diese liegen zur Zeit in Ahaus in einer Lagerhalle und beginnen zu rosten.
Der THTR ist bekanntlich 1989 stillgelegt worden. Baukosten etwa 2,1 Milliarden Euro. Jetzt lagern noch 1,5 kg Kernbrennstoff mit Plutonium im Reaktor. Der "Stilllegungsbetrieb" kostet jährlich 5,6 Millionen Euro. Die Abbaukosten des zwanzig mal kleineren AVR Jülich liegen zur Zeit bei etwa einer halben Milliarde Euro. Und beim THTR wären das wieviel Milliarden?? -- Das zahlt natürlich fast alles der Steuerzahler; die RWE hält sich da fast ganz heraus. Der Reaktor war ja schliesslich von öffentlichem Interesse. Letzteres kam allerdings nicht zur Geltung, als es um die KiKK-Krebstudie im ganzen Bundesgebiet ging. Da wurde der Standort Hamm vorsichthalber lieber nicht nach Krebsfällen untersucht. Bei der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm melden sich immer mehr Menschen, die von Krebsfällen in der Nähe des Reaktors berichten.
Von der CDU und FDP wird der THTR als großes Vorbild für ihre Renaissance der Atomkraft gesehen. Für die Forschung an Generation IV-Reaktoren, zu denen der THTR gehört, werden im Land NRW und im Bund wieder neue Professorenstellen eingerichtet und viele Millionen Euro ausgegeben. Der Atom-Wiedereinstieg hat schon längst begonnen. Alternativen werden erfolgreich verhindert. Schaut nach Hamm um zu sehen, wie es gemacht wird!
Horst Blume
Der Westfälische Anzeiger vom 30.08.2008
Bundeskanzlerin erzählt Märchen zur Grundsteinlegung.

Der Tagesspiegel vom 23.08.2008
Radioaktiver Abfall im Bergwerk Asse?

Süddeutsche Zeitung vom 23.08.2008
Rätseln um Andlager Asse

Seitenanfang
-------------------------------------- -------------------------------------- -------------------------------------- -------------------------------------- --------------------------------------
|