HauptmenuTHTR Rundbriefe 2009
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Vor mehr als vier Jahren schrieb uns das NRW-Finanzministerium, dass es sich rechtzeitig wegen einer Neuverhandlung der Übernahme der THTR-Stilllegungskosten von jährlich 5,6 Millionen Euro mit den THTR-Gesellschaftern „ins Benehmen setzen“ wolle. „Rechtzeitig“ haben die Herren Ministerialbeamten höchstselbst dick unterstrichen. Gut fünf Monate vor Ablauf der Frist sind wir allerdings trotz neuer Nachfrage immer noch nicht schlauer. Benimmt man sich so?? – Wir sind gespannt, ob das Ministerium auf den allerletzten Drücker noch soviel Druck aufbauen kann, dass die Konzernherren dem Steuerzahler noch ein paar gnädige Groschen zukommen lassen.
Nach der gescheiterten Finanzierung des PBMR in Südafrika versucht die Atomindustrie zu retten, was zu retten ist. Denn im März 2010 ist das südafrikanische Haushaltsjahr mit den Zuwendungen für die PBMR-Entwicklung zuende. Um noch ein paar Steuerzahler-Milliönchen abzustauben, produziert die PR-Abteilung jede Menge heisse Luft. Mal soll ausgerechnet dem Erdölland Kuwait der Reaktor aufgeschwatzt werden. Ein anderes Mal werden Kooperationen mit China als Meilenstein der Weiterentwicklung des PBMR aufgebauscht. Bei dem „Memorandum of Understanding“ mit China soll bei der Forschung lediglich Doppelarbeit vermieden werden. Das „Neue Deutschland“ ist unkritisch auf diese „Erfolgs“-Meldung hereingefallen und druckte trotz weiterer Nachfrage noch nicht einmal einen Leserbrief dazu ab! Der Mini-THTR in Peking mit lächerlichen 10 MW wird fast nur noch dann angefahren, wenn Journalisten oder ausländische Wissenschaftler im Anmarsch sind. Es waren 2008 ganze 10 Tage! Nach der Wahl in Südafrika versucht es die PBMR-Gesellschaft mit einem neuen Konzept einschliesslich thermischer Nutzung und backt angesichts der Wirtschaftskrise ganz kleine Brötchen. Nicht mehr bescheidene 165 MW Leistung wie bisher vorgesehen, sondern kümmerliche 80 MW Strom soll der Kleine leisten. Damit könnte man den Strombedarf des Landes nicht ansatzweise decken, sondern nur wie in Jülich etwas herumexperimentieren. Und weil ein neues Konzept erstellt werden muss, würde es ab jetzt noch 9 Jahre bis zur Fertigstellung dauern (plus Lügen- und Angeberfaktor sicher noch länger). Damit wird ein langsames Ende auch dieses deutlich abgespeckten PBMR-Konzeptes wahrscheinlicher. Die neue Regierung in Südafrika muss sich erst noch in die Materie einarbeiten. Sie hat sich schon einmal die Finger am PBMR verbrannt. Die Suche nach externen Geldgebern kann dauern. Vorsichtshalber hat das südafrikanische Stromversorgungsunternehmen eine Strompreiserhöhung von 31,8 Prozent direkt nach Bekanntgabe der neuen möglichen Absichten angekündigt. Wir bleiben am Ball.
„Hör mal Nuri, der Vornholt vom Westfälischen Anzeiger geht schon die ganze Zeit vor unserem Büro auf und ab. Hast du einen Termin mit dem?“ – „Nee, keine Ahnung, warum der hier so unauffällig herumschleicht. Vielleicht sollten wir ihn für ein Glas türkischen Tee hereinbitten?“ – „Dann könnten wir ihn ja mal fragen, warum er von unserer letzten Presseerklärung nichts gedruckt hat“ antwortet Alisan. - „Aber guck doch mal, da kommen Leute mit einer Styropormauer bis direkt vor unser Schaufenster – ‚Freiheit statt Neokommunismus‘ steht drauf!“
Vornholt hört es und beobachtet mit verzücktem Paparazziblick die absurde Szene. – Welch hinreissende Story bietet sich hier an! - Endlich atmet auch einmal in Hamm der Weltgeist von vorgestern - und die Wiederkäuer des verstaubten Propagandamülls aus der Zeit des kalten Krieges bekommen wieder ihr Futter. WA-Eigentümer Ippen lässt gegen die Linkspartei tippen. Das ist nicht neu. Einseitiger Eingriff in WahlkampfDie von Ippen vor einigen Jahren gekaufte Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) griff als Monopolblatt massiv und einseitig in den hessischen Landtagswahlkampf ein. Die Junge Welt (JW) vom 9. Januar 2009 schrieb: „Da gibt es in Baunatal bei Kassel einen Ortsverband, der sich – wie bei Linken nicht ungewöhnlich – mehr mit sich selber als mit der realen Politik beschäftigt. Es fallen Signalwörter: »Stasimethoden«, »Bespitzelung«, »elitäre Kaderbildung«. Jedem seriösen Journalisten wäre dies vielleicht eine Meldung unter »Vermischtes« wert. Nicht so den Redakteuren der HNA. Das Blatt setzte ihren »Chef-Reporter« – so sein ehemaliger Titel – an und reproduzierte diesen Vorgang, der Ende November 2008 seinen Höhepunkt auf einem Landesparteitag hatte, mittlerweile zum fünften Mal. Zwei Wochen vor der neuerlichen Landtagswahl schaffte es die »Story« sogar auf die Titelseite: »Der Linkspartei laufen die Mitglieder weg«. Nur der aufmerksame Leser erinnerte sich vielleicht daran, daß die HNA als kleine Randmeldung wenige Tage zuvor mitteilen mußte, daß Die Linke in Hessen 2008 um über 730 Mitglieder gewachsen ist. „Grundrauschen“ in GefahrIn diesem Jahr macht das 230.000er-Auflage Blatt HNA erneut von sich reden. Der eigenwillige Ippen verordnete seiner Redaktion probehalber einen völligen Verzicht auf DPA-Meldungen. Die TAZ titelte „Grundrauschen in Gefahr“ (12. 4. 2009). Die Deutsche Presseagentur liefert mit Hilfe eines gut ausgebauten Korrespondentennetzes gegen Entgelt tendenziell gut recherchierte Meldungen aus allen Teilen der BRD für die Zeitungsredaktionen. Offensichtlich ist einem Mann wie Ippen eine einigermaßen verlässliche Medieninstitution, die sich noch an journalistische Mindeststandards hält, ein Dorn im Auge. Er möchte offensichtlich lieber seine eigenen Leute als Zuträger von Nachrichten und Herrscher über „Foren“ heranziehen. Nur vordergründig schlägt die Medienpolitik auch mal groteske Kapriolen. Ines Pohl, Korrespondentin für die Mediengruppe Ippen in Berlin und zuvor Leiterin des politischen Ressorts der HNA wird jetzt Chefredakteurin der – nicht erschrecken – TAZ (TAZ vom 26.. 6. 2009)! Die neuerdings im wunderbaren Layout daherkommende liberale TAZ steht allem Sozialen im Grunde desinteressiert oder gar abweisend gegenüber. Es galt also im konkreten Fall nur noch die Kulturschranke vom biederen Rechtskonservatismus zur quirligen ökologisch angehauchten Kulturschickeria zu überwinden. Desinformationssystem TageszeitungDie Besitzer der Produktionsmittel bestimmen, was mit ihnen gemacht wird. Da darf man sich nicht wundern, dass auch die Medien so sind, wie sie sind. Als am 16. Mai 2009 in Berlin etwa einhunderttausend Menschen gegen den Sozialraub demonstrierten, berichtete der Westfälische Anzeiger mit keinem einzigen Wort darüber. Es existieren aber auch Lücken und Besonderheiten im Desinformationssystem Tageszeitung. Besonders pikant ist beispielsweise, dass über viele Jahre hinweg in den beiden so gegensätzlichen Zeitungen „Neues Deutschland“ und Ippens WA nicht nur bundesweit am häufigsten über den THTR bzw. PBMR berichtet wurde, sondern auch der Inhalt fast immer gleich war. Hoffentlich bekommt Herr Ippen keinen Herzinfakt, wenn er das merkt ... Nur einmal war alles anders. Die Meldung, dass der Bau des 165 MW-PBMR in Südafrika gescheitert ist, mochte das ND nicht abdrucken. Im WA erschien sie aber – im Hammer Lokalteil unter „Leo Hammer“. Das ist eine spezielle Rubrik, in der beispielsweise erzählt wird, wie zumeist ältere Mitbürger einen verlorengegangenen Schlüsselbund auf wundersame Weise wiedererhalten haben. Ein Redakteur hatte die BI-Presseerklärung in ein nettes Geschichtchen verpackt und die Meldung erreichte ihre Leser auf Seite eins im Lokalteil. Womöglich wurde sie dort mehr gelesen, als an anderer Stelle. Solange es noch zwei oder drei verschiedene Zeitungen mit personell gut besetzten Lokalredaktionen gibt, bestehen immer noch Möglichkeiten, eine Nachricht unterzubringen. Denn Journalisten haben durchaus manchmal eine andere Meinung oder ein anderes journalistisches Berufsverständnis als der Herr Verleger. Lokalredaktionen sind in NRW allerdings vom Aussterben bedroht. Die WAZ-Gruppe mit ihrem SPD-Mitglied und Geschäftsführer Bodo Hombach will in NRW etwa 300 Stellen streichen (TAZ vom 19. 2. 2009). Lokalredaktionen werden mit der Westfalenpost oder Westfälischen Rundschau zusammengelegt. 32 Millionen Euro sollen eingespart und der Gewinn gesteigert werden. Es wäre der größte Eingriff in die lokale Medienvielfalt in NRW. Bei der Suche nach einem aufgeschlossenen Redakteur steht man in Zukunft immer öfter vor einer verschlossenen Tür. Die Versuche von der Süddeutschen Zeitung und der TAZ, jeweils eigene NRW-Ausgaben zu etablieren, sind in den letzten Jahren gescheitert. Jetzt, wo die NRW-Presse so richtig auf den Hund gekommen ist, kann der CDU-Politiker Rüttgers in NRW beruhigt allen neunten Klassen in den Schulen für ein Jahr eine Tageszeitung spendieren (TAZ vom 23. 6. 2009) und dabei sicher sein, das diese in der Regel nur noch die Stimme ihres Herren hinauskläffen. Willy Brandt: „Sozialdemokraten können keine Zeitung machen.“Gibt es in diesem Jammertal Alternativen? - Ist es vielleicht die „neue hammer zeit“, die von der Hammer SPD fast flächendeckend vor der Europawahl an alle Haushalte verteilt wurde? Ich traue meinen Augen kaum, wenn ich lese: „Armut bekämpfen – Teilhabe aller sichern“. Die ganze Zeitung quillt geradezu mit Forderungen über, mit denen den sozial Benachteiligten geholfen werden soll. Dabei hat doch gerade die SPD die Hartz-Gesetze zu verantworten und ist Hauptverursacher dessen, was sie jetzt heuchlerisch beklagt. Wer darauf als Betroffener hereinfällt, muss schon reichlich dumm sein – oder aber Masochist. In diesem Fall schlage ich vor, zu dieser Zeitung noch drei Peitschenhiebe hinzuzugeben, damit das Geheul und Gejammer der zu wahlkreuze Kriechenden in den Ohren der Unternehmer gar süßlich klingen möge; sie in Erwartung weiterer Unterwerfungsgesten wieder stärker investieren und in ihren Kassen die Euros wieder richtig laut klimpern. Das wäre dann echte sozialdemokratische Hausmusik zur Zeitungslektüre! Die Alternative zu Kommerz und Verdummung von oben sind Bewegungszeitungen von unten. Wie zum Beispiel die libertär-pazifistische Monatszeitung „Graswurzelrevolution“, die jedes Jahr im Verfassungsschutzbericht gewürdigt wird. Ihr Internetauftritt, der für Kriegsdienstverweigerung und gewaltfreie Konfliktlösungen wirbt, wurde von dem Internet-Schulfilter, auf dem unzählige Schulkomputer installiert sind, unter der Kategorie „politisch Extrem/Hass/Diskriminierung“ eingeordnet und gesperrt! So sieht die Medienlandschaft in der BRD aus. Es kostete einige Mühe, die Sperre wieder aufzuheben. Inzwischen liegt der „Graswurzelrevolution“ die selbstständige Jugendzeitung „Utopia“ bei. Die Auflage beträgt beachtliche 25.000 Exemplare und die agilen Jungredakteure flitzen nicht nur bei unzähligen Demos und Aktionen herum, sondern schreiben nebenbei auch noch fleißig Artikel über den THTR in allerlei anderen Tageszeitungen. Alternativen sind also möglich. www.graswurzel.net ; www.jugendzeitung.net
Wenn sich die Bauern und Bäuerinnen aus Gorleben 30 Jahre nach dem legendären Treck nach Hannover im Wahljahr 2009 wieder zu einem Treck rüsten, dann hat das nichts mit Nostalgie zu tun, sondern einer bitteren Notwendigkeit. Diesmal geht es ums Ganze. Für Gorleben und in Sachen Atomenergie. ASSE oder Ausstieg, Laufzeitverlängerungen oder Erneuerbare Energien.
Am 29. August werden die Trecker an den Gorlebener Atomanlagen verabschiedet und fahren dann nach Berlin. Am 5. September ist um 13 Uhr vor dem Hauptbahnhof die Auftaktkundgebung und anschließend die Demo zum Brandenburger Tor. Von Münster aus fährt am 5. 9. um 6 Uhr ein Bus (Karten: 30 Euro). Infos: www.sofa-ms.de Am Sonntag, den 26. Juli macht der Gorleben-Bus auf seiner Mobilisierungs-Tour mit Ausstellung und Kulturprogramm in Hamm Station!! Infos: www.anti-atom-treck.de Spendenaufruf Das Jahr 2009 mit seinen Wahlkämpfen und den sich anbahnenden atompolitischen Grundsatzentscheidungen wird sehr wichtig für die Zukunft sein. Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!
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