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Aktuelles - Neues vom Atom

AKW-Symbol 64x64 px (Grafik: Hendrik Tammen Lizenz: cc-by)

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20.08.2014

Zwei belgische Atommeiler vor der definitiven Abschaltung?

Ralf Streck in Telepolis

Notfallpläne werden geschmiedet, die gefährlichen Risse können in Reaktorbehältern auch in der Schweiz, den Niederlanden, Schweden, Spanien, den USA und Argentinien auftreten

Der flämische Rundfunk VRT berichtet, dass die beiden Atommeiler Doel 3 und Tihange 2 vermutlich wohl nicht mehr ans Netz gehen können. Schon 2012 waren sie abgeschaltet worden, weil 8.000 Risse bei einer Ultraschallprüfung am Reaktorbehälter in Doel 3 entdeckt wurden, weshalb der baugleiche Meiler in Tihange zur Sicherheit ebenfalls vom Netz genommen worden war (Risse an Reaktorbehältern). Allerdings wurde später berichtet, dass die Probleme mit dem verwendeten Stahl schon seit 1979 bekannt waren.

Nach einem Jahr wurden die Reaktoren erneut angefahren, aber im vergangenen März wieder abgeschaltet. Tests am verwendeten Stahl im Forschungsreaktor Mol hatten gezeigt, dass die mechanische Resistenz der Behälter stärker als erwartet durch Bestrahlung beeinträchtigt wird, schrieb die Atomaufsichtsbehörde AFNC im Frühjahr. Die Risse sollen sogar bis an den Rand des Behälters gehen, wurde inzwischen bekannt.

Obwohl das Land zu gut 50% vom Atomstrom abhängt, will die Atomaufsicht AFCN nun offenbar auf Nummer sicher gehen. Man scheint angesichts der Ergebnisse zur Überzeugung zu gelangen, dass die Sicherheit nicht gewährleistet ist und will offenbar die beiden Reaktoren nicht wieder anfahren. VRT hatte mit Bezug auf "verschiedene verlässliche Quellen" berichtet, dass die "Zwischenergebnisse" erkennen ließen, dass der Stahl der Reaktorwände von tausenden Rissen durchzogen und geschwächt ist. Wenn sich die Ergebnisse bestätigen, dann dürften die Meiler wohl definitiv abgeschaltet werden. Denn es ist praktisch unmöglich, den Reaktorbehälter auszutauschen.

Doch bis zum Frühjahr 2015 fallen die beiden Blöcke ohnehin aus. Dazu kommt, dass auch Doel 4 gerade wegen vermutlicher Sabotage abgeschaltet werden musste, der ebenfalls im Winter ausfallen dürfte (Belgiens und Frankreichs Atomstromversorgung in Gefahr). Damit fallen insgesamt 3000 Megawatt, also etwa ein Viertel der gesamten Stromproduktion im Land, aus. Notfallpläne werden schon ausgearbeitet und der Energieminister will den Blackout im Winter über Stromimporte und Notstromaggregate verhindern.

Allerdings wies der flämische Rundfunk in seinem Bericht auch darauf hin, dass bei den Reaktorbehältern von insgesamt 22 Reaktoren ebenfalls der Stahl verwendet wurde, der die angesprochenen Schwächen zeigt. So richten sich die Blicke aus Deutschland, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz, Spanien, den USA und Argentinien auf Belgien. Es ist wahrscheinlich, dass die Haarrisse auch in den Reaktorbehältern von AKWs dieser Länder auftreten.

Schon 2012 hatte der frühere AFCN-Direktor Willy De Roovere erklärt, es würde ihn nicht überraschen, wenn auch dort die Probleme gefunden würden. Wenn sich die Probleme in der Stahlstruktur bestätigen, wie es nun der Fall ist, dann habe man es mit einem "weltweiten" Problem zu tun. De Roovere hat alle betroffenen Länder aufgefordert, entsprechende Prüfungen durchzuführen.

Betroffen ist auch der Reaktor im Schweizer Leibstadt, der direkt an der Grenze zu Deutschland am Hochrhein steht. Das Atomkraftwerk hatte sich durch Brandschutzmaßnahmen gerade lächerlich gemacht, bei denen sogar der Sicherheitsbehälter angebohrt wurde (Löcher im Schweizer AKW). Insgesamt zehn der Reaktorbehälter, die einst vom niederländischen Hersteller "Rotterdamsche Droogdok Maatschappij" stammen, der nicht mehr existiert, seien in Europa zu finden. In Deutschland ist aber dank des Atomausstiegs keines der Atomkraftwerke mehr in Betrieb, die einst mit Behältern dieses Herstellers ausgerüstet wurden.

Neben Leibstadt und im Schweizer Mühleberg finden sich die gefährlichen Behälter im spanischen Pannenreaktor Cofrentes (Rekordstrafe für verheimlichten Störfall in spanischem Atomkraftwerk), auch der älteste Meiler des Landes in Santa Maria de Garoña ist damit bestückt. Die konservative spanische Regierung setzt aber derzeit Himmel und Hölle in Bewegung, um den Meiler, der schon stillgelegt wurde, wieder ans Netz zu bekommen. Dabei ist der schon über 40 Jahre alt und zudem praktisch baugleich mit den Unglücksreaktoren in Fukushima (Spanische Fukushima-Schwestern). Sogar die Betreiber hatten die Frist verstreichen lassen, mit der die Regierung ihnen eine Laufzeitverlängerung angeboten hatte. Nun soll die Laufzeit sogar auf 60 Jahre angehoben werden, obwohl der Strom aus dem Reaktor nicht gebraucht wird. Die Regierung will die Betreiber für die Abschaltung sogar mit einer Strafzahlung in Höhe von 18,4 Millionen Euro belegen.

 


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