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Aktuelles - Neues vom Atom

AKW-Symbol 64x64 px (Grafik: Hendrik Tammen Lizenz: cc-by)

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09.09.2014

.... und sie versuchen es immer wieder: THTR in Indonesien?

Das „Nuklearforum“, die Homepage der Schweizer Atomindustrie, meldete am 21. August 2014, dass Japan und Indonesien ein Abkommen für den zukünftigen Bau von Hochtemperaturreaktoren (HTR´s) unterzeichnet haben (1.).
Ausgerechnet das durch die Fukushimakatastrophe gebeutelte Japan belebt auf diese Weise in Indonesien eine seit Jahrzehnten verfolgte Bestrebung des Forschungszentrums Jülich (FZJ) und der Atomindustrie.

Horst Blume

Nicht erwähnt wurde in dem Artikel, dass es eine jahrzehntelange (!) Zusammenarbeit zwischen der indonesischen National Atomic Energy Agency (BATAN) einerseits und dem Forschungszentrum Jülich sowie der NRW-Landesregierung andererseits bestand – oder sogar noch besteht! Denn auf der Liste der Kooperationspartner des FZ Jülich werden auch heute immer noch das indonesische BATAN und das japanische Atomic Energy Agency (JAEA) aufgeführt (2.). – Und dies, obwohl das FZJ seit einigen Monaten allen THTR-Forschungsambitionen zumindest offiziell abgeschworen hat.

Bau von HTR-Testreaktor und Leistungsreaktor sind geplant

BATAN und JAEA wollen zuerst eine gasgekühlte Hochtemperatur-Reaktor (HTGR) – Demonstrationsanlage mit einer elektronischen Leistung von 3 – 10 MW bauen, die angeblich schon im Jahr 2020 in Betrieb gehen könnte. Neben konventionellen Leichtwasserreaktoren, deren Inbetriebnahme ab 2024 anvisiert ist, sollen auch kleine 100 MW HTGR-Leistungsreaktoren „passend“ für jede der vielen indonesischen Inseln gebaut werden.

Das Schweizer „Nuklearforum“ verkündet stolz noch weitere Pläne: „Die JAEA lässt nun die Batan mit dem kürzlich erweiterten Abkommen an ihren Erkenntnissen aus dem Betrieb ihres Hochtemperatur-Testreaktor HTTR (High Temperatur Engineering Test Reactor) teilhaben. Gemäss der JAEA besteht zudem die Möglichkeit, dass die beiden Länder bei der Entwicklung der Wasserstoffproduktion mit HTGR zusammenarbeiten. Die Japaner planen nach eigenen Angaben, ihren HTTR mit einer Wasserstoffproduktionsanlage zu ergänzen“.

Da die Wasserstofftechnologie in Zusammenhang mit Atomkraft keineswegs ausgereift und höchst umstritten ist (3.), hören wir hier lediglich Zukunftsmusik. Und auch in diesem Bereich haben das Bundesland NRW und die BRD durch ihre Forschungsförderung im FZJ und Forschungszentrum Karlsruhe viele Millionen Euro einem mehr als fragwürdigen Experiment geopfert.

Die Vergangenheit lebt wieder auf!

Wie sehr die jahrzehntelange Nuklearforschung und -förderung für den THTR in NRW bis heute immer noch „nachwirkt“ zeigt das Beispiel Indonesien recht deutlich:
Bereits seit den frühen 70er Jahren bestand in dem von der Atomindustrie umworbenen Schwellenland das Interesse an dem Bau von Atomkraftwerken. 1987 wurde in Zusammenarbeit mit Deutschland ein nuklearer Forschungsreaktor (MPR-30) in Betrieb genommen. Als wenige Monate nach der Katastrophe in Tschernobyl und dem Störfall im THTR-Hamm im Jahre 1986 der sozialdemokratische NRW-Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen diesen Reaktor in Indonesien besichtigte, empfahl er der dortigen Militärdiktatur unter Suharto den Bau der deutschen HTR-Technologie (4.).

Die Siemens-Tochtergesellschaft Interatom, die den THTR mitentwickelt hatte, machte sich Hoffnungen auf das Atomgeschäft mit Indonesien. Am 9. 7. 1987 besuchte Indonesiens Staatsminister für Forschung und Technologie, Professor Habibie, den THTR in Hamm-Uentrop und ließ sich von Klaus Knizia (VEW) persönlich seine angeblichen Vorzüge erklären. ABB und Siemens betonten in der folgenden Zeit immer wieder ihre Hoffnung auf einen HTR-Export nach Indonesien (5.). Auf der Tagung der Internationalen Atomenergie-Organisation im Jahre 1991 in Wien formulierte ein indonesischer Energieexperte deutliches Interesse seines Landes. Selbstverständlich wurde auch im FZJ 1992 eine spezielle Arbeit über den Einsatz von AKWs in Indonesien veröffentlicht.

1997 bezeichnete die mit deutscher Unterstützung geschriebene Energieprognose ("Markal-Studie") den Einsatz von Atomenergie in Indonesien als "unerlässlich". Das internationale Büro des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) nannte noch 2004 die indonesische Behörde für Nuklearforschung (BATAN) als wichtigen Partner für die bilaterale Zusammenarbeit und verwies auf ein bereits ausgebautes Netzwerk von deutschen und indonesischen Forschungseinrichtungen. Mittlerweile seien im Rahmen der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit mehr als 20.000 indonesische StudentInnen in Deutschland ausgebildet worden.

In den Jahren 2002 und 2003 führte das durch nukleare Störfälle und eine hohe Leukämierate in der Umgebung ins Gerede gekommene Forschungszentrum Geesthacht (GKSS) ein wissenschaftliches Projekt in Jakarta (Indonesien) durch. Günter Lohnert, damals Leiter der Abteilung "HTR-Sicherheitsanalysen" bei Siemens/Interatom und später Lehrstuhlinhaber an der Uni Stuttgart ("Kompetenzzentrum Kernenergie"), hielt zahlreiche Gastvorlesungen in Indonesien.

Im Jahr 2000 wurde Dr. Hans-Joachim Klar von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, die intensiv mit dem FZJ kooperiert, von der Nationalen Atomenergiebehörde Indonesiens (BATAN) zum Mitglied des Wissenschaftlichen Berater-Kommitees (SAC) ernannt. Klar hat bereits verschiedene Seminare und Workshops in Indonesien durchgeführt. "Die Ernennung würdigt seine Verdienste in verschiedenen wissenschaftlichen Kooperationen mit Indonesien" und "erfolgt aufgrund eines Dekrets der Indonesischen Regierung, das die Aktivitäten der nuklearen Energieversorgung regelt (...)", schrieb die RWTH Aachen März/April 2000 in einer Presseerklärung.

Ob Vulkane, Erdbeben oder der weltweit vielbeachtete verheerende islamistische Terroranschlag am 12. 10. 2002 auf Bali - in Indonesien lauern über den „Normalbetrieb“ hinaus für die Atomenergienutzung viele zusätzliche Gefahren.

Ob das FZ Jülich immer noch mit den Nuklearinstituten in Indonesien und Japan kooperiert und wie diese Kooperation gegebenenfalls aussieht, ist angesichts der neueren Entwicklung durchaus eine Nachfrage wert.

Anmerkungen:

1. Siehe: http://www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin/htgr-forschung-abkommen-zwischen-japan-und-indonesien

2. Siehe: http://www.fz-juelich.de/iek/iek-6/DE/ueberuns/kooperationen/Forschungsinstitute.html

3. Siehe „Wasserstoff für nukleare Träume“ in: http://www.machtvonunten.de/atomkraft-und-oekologie/215-wasserstoff-fuer-nukleare-traeume.html

4. Siehe: „Ruhrnachrichten“ vom 20. 2. 1987

5. Siehe: „Der Spiegel, Nr. 2/1989

 


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