28.10.2011

Tanz auf dem Vulkan

Arturo Romero, Teneriffa, junge Welt

Eruptionen vor Kanarischen Inseln. Wenige Kilometer entfernt lagert Atommüll. Spanische Behörden mauern

Der neu entstandene Vulkan vor der Küste der Kanareninsel El Hierro ist erneut ausgebrochen. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press am Donnerstag meldete, bestätigte Joan Martí vom wissenschaftlichen Forschungsinstitut CSIC, daß ein Schiff des Spanischen Instituts für Ozeanographie (IEO) am Mittwoch in einer Tiefe von 200 Metern unter dem Meeresspiegel eine Eruption festgestellt hat, bei der 40 Millionen Kubikmeter »oder sogar etwas mehr« Magma ausgetreten sein dürften.

Seit Mitte Juli verzeichnen die Behörden südlich der Insel eine zunehmende Bebentätigkeit, nachdem der Vulkan mit einem Durchmesser von 700 Metern und einer Höhe von 100 Metern entstanden war. Der Durchmesser des Kraters wird mit 120 Metern angegeben, ist allerdings bislang nicht sichtbar, da sich dieses Naturschauspiel vor der Küste El Hierros unterhalb der Meeresoberfläche vollzieht. Zahlreiche Wissenschaftler beobachten das Geschehen, mehrfach wurden Anwohner vorsorglich evakuiert und der Hafen der Insel zeitweilig geschlossen.

Nun jedoch rückt eine von Menschen gemachte Gefahr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Etwa 20 Kilometer von der Küste und nur wenige Kilometer von dem neuen Vulkan entfernt wurde bis 1982 radioaktiver Müll versenkt, wie sich Anwohner bis heute erinnern. Umweltaktivisten hatten damals heftig dagegen protestiert und Aktionen organisiert. Eine solche Versenkung radioaktiven Mülls in die Tiefen des Meeres gehörte damals noch zu den zugelassenen Entsorgungsmethoden und wurde erst 1994 verboten. Riesige Atommüllager unter Wasser aus dieser Zeit befinden sich beispielsweise an der Pazifikküste der USA und auch etwa 700 Kilometer nordwestlich der spanischen Küste, wo auch die OECD-Staaten über Jahre hinweg ihren Müll unter anderem mit Hilfe des holländischen Frachters »Scheldeborg« entsorgten. Weltweit gibt es solche Entsorgungspunkte in den Tiefen des Meeres, zumeist vergessen und ohne Kontrolle.

Gegenüber der auf den Kanarischen Inseln erscheinenden deutschsprachigen Zeitung Kanaren Express wollten sich lediglich die damals beteiligten Umweltaktivisten an das genaue Geschehen vor El Hierro erinnern. Das spanische Büro für nukleare Sicherheit teilte auf Anfrage mit, daß es keine Kenntnisse über eine solche Entsorgung habe, und auch das Deutsche Amt für Strahlenschutz wollte nichts von solchen Fässern wissen. Eine Sprecherin des 1984 gegründeten spanischen Staatsunternehmens ENRESA, das für die Verwaltung radioaktiver Abfälle zuständig ist, wies gegenüber junge Welt jede Verantwortung zurück: »Für die alten Praktiken ist unser Unternehmen nicht zuständig.« Auch eine Pressesprecherin der OECD in Paris ließ verlauten, daß sie nichts von einer radioaktiven Entsorgung im Atlantik in den 70er und 80er Jahren wisse. Die Regierung der zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln verweigerte jede Stellungnahme.

Doch die Lagerstätten sind den Umweltaktivisten durchaus bekannt, und sie wehren sich gegen das Vergessen, wie Julian Cruz, ein Experte der Umweltschutzorganisation Ben Magec auf Teneriffa, bestätigt. Das unkontrollierte Verrotten der Fässer mit dem tödlichen Inhalt stelle eine permanente Gefahr für das Leben in diesen Gebieten dar und könne über die Nahrungskette auch Menschen in anderen Regionen der Welt erreichen. Welche Folgen die vorzeitige Zerstörung der Behälter durch Naturgewalten nach sich zieht, könne sicherlich nur am Einzelfall geklärt werden. Aber dafür müßten solche Lagerstätten, wenn man sie schon nicht mehr beseitigen kann, unter entsprechender Kontrolle stehen. Das aber muß bezweifelt werden, wenn die dafür zuständigen Organisationen und Behörden sogar deren Existenz bestreiten.

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