Finnland, EPR Olkiluoto 3, 15 Jahre Bauzeit und 7 Milliarden Euro Verlust, bis jetzt ...

13.03.2018

Fiasko-Reaktor noch teurer

Dieser Artikel von Reinhard Wolff erschien in www.klimaretter.info

Für die Konstrukteure des finnischen AKW Olkiluoto 3, Areva und Siemens, wird es noch einmal um mehrere hundert Millionen Euro teurer. Die Konzerne einigten sich außergerichtlich über die Verteilung der explodierenden Kosten des AWK-Neubaus. Die Gesamtverluste belaufen sich vermutlich auf mehr als sieben Milliarden.

Der Streit um die Kostenüberschreitungen beim finnischen AKW-Neubau Olkiluoto ist beigelegt. Die französische Areva und der deutsche Siemens-Konzern, die zusammen seit 2005 an dem ersten Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) bauen, haben sich jetzt außergerichtlich mit dem Bauherrn, dem finnischen Energieunternehmen TVO, geeinigt. Das Ergebnis: Für Siemens und Areva wird das Milliardengrab um nochmals knapp eine halbe Milliarde Euro teurer.

Die Geschichte von Olkiluoto 3 hatte im Jahr 2000 mit einem Bauantrag von TVO für einen Reaktorneubau am Standort Olkiluoto an der finnischen Westküste begonnen. Hier sind seit Ende der 1970er Jahre bereits zwei Reaktoren in Betrieb. 2002 hatten Parlament und Regierung in Helsinki den Antrag genehmigt.

Den Zuschlag bekam Framatome, ein Konsortium aus Siemens und Areva. Das schloss 2003 mit TVO einen sogenannten Turnkey-Vertrag: Lieferung eines schlüsselfertigen EPR mit einer Leistung von 1.600 Megawatt zum Festpreis von drei Milliarden Euro.

Kosten haben sich verdreifacht

Ein vermutlich von Anfang an illusorischer Preis. Aber Olkiluoto 3 war der erste europäische Reaktorneubau seit der Tschernobyl-Katastrophe und das deutsch-französische Konsortium hoffte, mit diesem Prototyp viele weitere profitable Aufträge generieren zu können.

Doch man bekam weder die Kosten noch den Zeitplan in den Griff. Der Reaktor, der eigentlich seit 2009 in Betrieb sein sollte, soll nach ständig neuen Verschiebungen nun im Mai 2019 fertig werden. Vielleicht. Die Baukosten waren schon 2012 von Areva auf nahezu das Dreifache, nämlich 8,5 Milliarden Euro geschätzt worden und dürften seither weiter angestiegen sein.

Für den seit 2007 in Bau befindlichen nahezu baugleichen EPR am französischen Standort Flammanville nannte der dortige Bauherr, der Energiekonzern EDF, im vergangenen Herbst Kosten von 10,5 Milliarden Euro.

In einem Versuch, die wachsenden Verluste in Grenzen zu halten, hatte Framatome Anfang 2009 vor einem Schiedsgericht in Paris Klage mit dem Ziel erhoben, einen Teil der Mehrkosten auf TVO und damit die finnischen Stromkunden überwälzen zu können. Begründung: Für die Kostensteigerungen seien angeblich "übertriebene" Sicherheitsauflagen der finnischen Strahlenschutzbehörde und ein zu pingeliger Bauherr TVO verantwortlich.

TVO antwortete mit einem Vertragsverletzungsverfahren wegen der Kosten, die dem Energieunternehmen durch den Wegfall des ab 2009 eingeplanten neuen Atomstroms entstanden.

Weitere Strafzahlungen bei erneuter Verschiebung

Nach neun Jahren einigte man sich nun. Areva und Siemens lassen ihre vor dem Schiedsgericht erhobene Forderung von 3,6 Milliarden Euro fallen und tragen endgültig alle Baukosten selbst, die über den vereinbarten Festpreis von drei Milliarden Euro hinausgehen. Außerdem zahlen sie TVO wegen der verspäteten Inbetriebnahme 450 Millionen Euro.

Das sind zwar 2,15 Milliarden Euro weniger als von TVO gefordert, doch TVO-Chef Jarmo Tanhua zeigte sich zufrieden: Das Wichtigste sei nun, dass der Bau überhaupt fertig werde.

Im vergangenen Jahr hatte man in Finnland nämlich Befürchtungen, man werde infolge der Umstrukturierungen im Areva-Konzern und der Übernahme des AKW-Sektors durch EDF womöglich auf einer Reaktorbauruine sitzen bleiben. Nun hat TVO zusätzlich eine Vertragsstrafe von bis zu 400 Millionen Euro ausgehandelt, die fällig wird, falls sich die Fertigstellung erneut und über das Jahresende 2019 hinaus verzögern sollte.

Bei Baubeginn galt Olkikuoto 3 der Atomlobby einmal als große Hoffnung. "AKW von Siemens: Die Renaissance der Kernkraft" titelte damals das Manager Magazin und begeisterte sich: "Im Land der Fichtenwälder und Seen", dem "Technologie-Wunderland" Finnland spiele sich nun etwas ab, durch das auch andere Länder "ihr Interesse an der Kernenergie wiederentdecken" könnten, "beispielsweise Deutschland".

Dass Bauprojekte wie dieser "größte und modernste Atomreaktor der Welt nach dem Ende der rot-grünen Bundesregierung auch in Deutschland wieder möglich werden" könnten, glaubte 2005 auch Die Welt und zitierte einen Nuklearmanager: "Ich halte es für denkbar, dass vielleicht um 2015 ein neues Kernkraftwerk in Deutschland gebaut wird."

Es kam anders.

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