Aktuelles Zeitungsartikel 2017

Aktuelles

***


  2017 2016 2015
2014 2013 2012 2011

***

16.08.2017

URENCO Atommüll

»Sicherste Lösung wäre die Stillegung der Anlage«

Dieser Artikel von Ben Mendelson erschien in jungewelt.de

In Gronau werden 20.000 Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid gelagert. Gespräch mit Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis »Münsterland gegen Atomanlagen«

Das Aktionsbündnis »Münsterland gegen Atomanlagen« setzt sich für die Schließung der Urananreicherungsanlage Gronau ein. Auch eine Lagerhalle für Uranmüll wollen Sie dichtmachen. Was genau wird dort aufbewahrt?

Über 20.000 Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid werden dort unter freiem Himmel in ­Containern gelagert. Das sind unvorstellbare Mengen. Dazu kommt Uran, das noch angereichert werden soll – denn die Anlage ist weiterhin in Betrieb und produziert jährlich rund 6.000 Tonnen Uranmüll. Neben dem Freilager steht eine leere Lagerhalle. Eigentlich sollte diese schon 2014 in den Betrieb gehen. Doch vom Betreiber Urenco hieß es vor zwei Wochen, das werde »nicht prioritär angegangen«.

Dabei gehörte diese Halle zum Lagerungskonzept der letzten 15 Jahre. Dort sollte eigentlich abgereichertes Uran – Uranoxid – gelagert werden. Jetzt hat Urenco für uns überraschend, aber mit Zustimmung der Bundesregierung das bestehende Lagerungskonzept aufgekündigt. Das Uranoxid, das bislang aus Gronau nach Frankreich ausgelagert wurde, wurde nun an das Urenco-Schwesterunternehmen in Großbritannien weitergegeben.

Wie läuft das ab?

Nach den Informationen, die Urenco herausgegeben hat, handelt es sich um ein Tauschgeschäft zwischen Urenco Deutschland und Urenco Großbritannien. Die Briten haben die 10.000 Tonnen Uranoxid aus Gronau übernommen, die schon in Frankreich sind. Aber langfristige Lagerungskosten sind auch dort enorm hoch. Wir befürchten deshalb, dass hinter verschlossenen Türen ein Deal herausgekommen ist, der nur Urenco von den Kosten entlasten soll, aber nicht zu mehr Sicherheit führt.

Also wird der Uranmüll weiter über Landesgrenzen hinweg verschoben.

Er ist ständig auf Achse. Das an sich ist schon ein Unding, weil Atomtransporte extrem gefährlich sind. Außerdem gibt es überhaupt kein Lagerungskonzept. Deshalb wurde von 1995 bis 2009 der gesamte Uranmüll aus Gronau und den anderen Urenco-Anlagen nach Russland exportiert. Dort lagert er jetzt unter freiem Himmel. Wir befürchten, dass hinter dem aktuellen Tausch­deal innerhalb der Urenco-Gruppe wieder ein Exportplan steckt, weil man in Deutschland nicht weiß, wohin mit dem Atommüll. Deshalb ist es vorstellbar, dass man jetzt wieder dorthin exportieren wird, wo es billig ist und man die behördliche Aufsicht für nicht so kritisch hält.

Es bleiben viele offene Fragen in bezug auf den Urenco-Deal. Öffentlich bekannt ist davon aber kaum etwas.

Eigentlich müsste Urenco als Produzent des Atommülls hier Antworten geben, das gilt natürlich auch für die NRW-Landesregierung als Atomaufsicht. Die Bundesregierung führt staats- und völkerrechtlich die Aufsicht über Urenco. Urenco wurde 1970 mit dem Vertrag von Almelo zwischen Großbritannien, den Niederlanden und der BRD gegründet. Die Bundesregierung bestimmt den Aufsichtsrat von Urenco mit. Das heißt: Was in Gronau mit dem Uranmüll passiert, kann nur mit Billigung der Regierung stattfinden. Die Firma gibt es in Gronau seit 1985. Sie betreibt die einzige Urananreicherungsanlage in Deutschland. Seit mehr als 30 Jahren gibt es nicht die geringste Idee, was man mit dem Uranmüll machen soll – während weiter Uran angereichert wird. Die Lagerung unter freiem Himmel ist nicht akzeptabel, der Export nach Russland ebensowenig wie internationale Tauschgeschäfte hinter verschlossenen Türen. Die sicherste Lösung wäre, die Anlage stillzulegen. Man kann ja nicht jedes Jahr Tausende Tonnen Uranmüll produzieren, ohne zu wissen, was man damit anfängt.

Für die Schließung der Anlage haben Sie am 6. August, dem 72. Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima, demonstriert. Gibt es eine Verbindung zwischen dem Ereignis und Ihrem Kampf in Gronau?

Bei der Urananreicherung lässt sich auch atomwaffenfähiges Material herstellen. Im Gründungsdokument der Urenco wurde festgehalten, dass Uran nicht für militärische Zwecke angereichert werden soll, sondern »nur« für zivile. Die Bundesregierung hat diese ursprüngliche Vorgabe aufgeweicht: Urenco soll sich als Zulieferer am Atomwaffenprogramm der USA beteiligen. Das ist absolut unverantwortlich, gerade angesichts der weltweiten Krisen.

*

Urenco Deutschland GmbH Gronau

*

Durchsuchen aller Inhalte der 'reaktorpleite'

Suchwort: urenco

*

Weiter zu: Zeitungsartikel 2017

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm e. V.' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

Spendenkonto:

BI Umweltschutz Hamm
Verwendungszweck: THTR Rundbrief
IBAN: DE31 4105 0095 0000 0394 79
BIC: WELADED1HAM

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

Wer da?

Aktuell sind 156 Gäste online

GTranslate

Afrikaans Arabic Belarusian Bulgarian Chinese (Simplified) English Finnish French Georgian Hebrew Hindi Indonesian Japanese Lithuanian Malay Polish Portuguese Russian Spanish Swedish Thai Turkish

Bilder

koodankulam-seeblockade.jpg