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Aktuelles - Neues vom Atom

AKW-Symbol 64x64 px (Grafik: Hendrik Tammen Lizenz: cc-by)

In diesem Bereich sammeln wir Artikel und Informationen rund um das Thema 'Atom' aus den verschiedensten Quellen.

Artikel die sich nicht mehr hier in 'Aktuelles' befinden, sind inzwischen wahrscheinlich im 'THTR Rundbrief' oder in dem Bereich 'Zeitungsarchiv - Wichtige Artikel' zu finden.

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09.09.2014

.... und sie versuchen es immer wieder: THTR in Indonesien?

Das „Nuklearforum“, die Homepage der Schweizer Atomindustrie, meldete am 21. August 2014, dass Japan und Indonesien ein Abkommen für den zukünftigen Bau von Hochtemperaturreaktoren (HTR´s) unterzeichnet haben (1.).
Ausgerechnet das durch die Fukushimakatastrophe gebeutelte Japan belebt auf diese Weise in Indonesien eine seit Jahrzehnten verfolgte Bestrebung des Forschungszentrums Jülich (FZJ) und der Atomindustrie.

Horst Blume

Nicht erwähnt wurde in dem Artikel, dass es eine jahrzehntelange (!) Zusammenarbeit zwischen der indonesischen National Atomic Energy Agency (BATAN) einerseits und dem Forschungszentrum Jülich sowie der NRW-Landesregierung andererseits bestand – oder sogar noch besteht! Denn auf der Liste der Kooperationspartner des FZ Jülich werden auch heute immer noch das indonesische BATAN und das japanische Atomic Energy Agency (JAEA) aufgeführt (2.). – Und dies, obwohl das FZJ seit einigen Monaten allen THTR-Forschungsambitionen zumindest offiziell abgeschworen hat.

Bau von HTR-Testreaktor und Leistungsreaktor sind geplant

BATAN und JAEA wollen zuerst eine gasgekühlte Hochtemperatur-Reaktor (HTGR) – Demonstrationsanlage mit einer elektronischen Leistung von 3 – 10 MW bauen, die angeblich schon im Jahr 2020 in Betrieb gehen könnte. Neben konventionellen Leichtwasserreaktoren, deren Inbetriebnahme ab 2024 anvisiert ist, sollen auch kleine 100 MW HTGR-Leistungsreaktoren „passend“ für jede der vielen indonesischen Inseln gebaut werden.

Das Schweizer „Nuklearforum“ verkündet stolz noch weitere Pläne: „Die JAEA lässt nun die Batan mit dem kürzlich erweiterten Abkommen an ihren Erkenntnissen aus dem Betrieb ihres Hochtemperatur-Testreaktor HTTR (High Temperatur Engineering Test Reactor) teilhaben. Gemäss der JAEA besteht zudem die Möglichkeit, dass die beiden Länder bei der Entwicklung der Wasserstoffproduktion mit HTGR zusammenarbeiten. Die Japaner planen nach eigenen Angaben, ihren HTTR mit einer Wasserstoffproduktionsanlage zu ergänzen“.

Da die Wasserstofftechnologie in Zusammenhang mit Atomkraft keineswegs ausgereift und höchst umstritten ist (3.), hören wir hier lediglich Zukunftsmusik. Und auch in diesem Bereich haben das Bundesland NRW und die BRD durch ihre Forschungsförderung im FZJ und Forschungszentrum Karlsruhe viele Millionen Euro einem mehr als fragwürdigen Experiment geopfert.

Die Vergangenheit lebt wieder auf!

Wie sehr die jahrzehntelange Nuklearforschung und -förderung für den THTR in NRW bis heute immer noch „nachwirkt“ zeigt das Beispiel Indonesien recht deutlich:
Bereits seit den frühen 70er Jahren bestand in dem von der Atomindustrie umworbenen Schwellenland das Interesse an dem Bau von Atomkraftwerken. 1987 wurde in Zusammenarbeit mit Deutschland ein nuklearer Forschungsreaktor (MPR-30) in Betrieb genommen. Als wenige Monate nach der Katastrophe in Tschernobyl und dem Störfall im THTR-Hamm im Jahre 1986 der sozialdemokratische NRW-Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen diesen Reaktor in Indonesien besichtigte, empfahl er der dortigen Militärdiktatur unter Suharto den Bau der deutschen HTR-Technologie (4.).

Die Siemens-Tochtergesellschaft Interatom, die den THTR mitentwickelt hatte, machte sich Hoffnungen auf das Atomgeschäft mit Indonesien. Am 9. 7. 1987 besuchte Indonesiens Staatsminister für Forschung und Technologie, Professor Habibie, den THTR in Hamm-Uentrop und ließ sich von Klaus Knizia (VEW) persönlich seine angeblichen Vorzüge erklären. ABB und Siemens betonten in der folgenden Zeit immer wieder ihre Hoffnung auf einen HTR-Export nach Indonesien (5.). Auf der Tagung der Internationalen Atomenergie-Organisation im Jahre 1991 in Wien formulierte ein indonesischer Energieexperte deutliches Interesse seines Landes. Selbstverständlich wurde auch im FZJ 1992 eine spezielle Arbeit über den Einsatz von AKWs in Indonesien veröffentlicht.

1997 bezeichnete die mit deutscher Unterstützung geschriebene Energieprognose ("Markal-Studie") den Einsatz von Atomenergie in Indonesien als "unerlässlich". Das internationale Büro des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) nannte noch 2004 die indonesische Behörde für Nuklearforschung (BATAN) als wichtigen Partner für die bilaterale Zusammenarbeit und verwies auf ein bereits ausgebautes Netzwerk von deutschen und indonesischen Forschungseinrichtungen. Mittlerweile seien im Rahmen der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit mehr als 20.000 indonesische StudentInnen in Deutschland ausgebildet worden.

In den Jahren 2002 und 2003 führte das durch nukleare Störfälle und eine hohe Leukämierate in der Umgebung ins Gerede gekommene Forschungszentrum Geesthacht (GKSS) ein wissenschaftliches Projekt in Jakarta (Indonesien) durch. Günter Lohnert, damals Leiter der Abteilung "HTR-Sicherheitsanalysen" bei Siemens/Interatom und später Lehrstuhlinhaber an der Uni Stuttgart ("Kompetenzzentrum Kernenergie"), hielt zahlreiche Gastvorlesungen in Indonesien.

Im Jahr 2000 wurde Dr. Hans-Joachim Klar von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, die intensiv mit dem FZJ kooperiert, von der Nationalen Atomenergiebehörde Indonesiens (BATAN) zum Mitglied des Wissenschaftlichen Berater-Kommitees (SAC) ernannt. Klar hat bereits verschiedene Seminare und Workshops in Indonesien durchgeführt. "Die Ernennung würdigt seine Verdienste in verschiedenen wissenschaftlichen Kooperationen mit Indonesien" und "erfolgt aufgrund eines Dekrets der Indonesischen Regierung, das die Aktivitäten der nuklearen Energieversorgung regelt (...)", schrieb die RWTH Aachen März/April 2000 in einer Presseerklärung.

Ob Vulkane, Erdbeben oder der weltweit vielbeachtete verheerende islamistische Terroranschlag am 12. 10. 2002 auf Bali - in Indonesien lauern über den „Normalbetrieb“ hinaus für die Atomenergienutzung viele zusätzliche Gefahren.

Ob das FZ Jülich immer noch mit den Nuklearinstituten in Indonesien und Japan kooperiert und wie diese Kooperation gegebenenfalls aussieht, ist angesichts der neueren Entwicklung durchaus eine Nachfrage wert.

Anmerkungen:

1. Siehe: http://www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin/htgr-forschung-abkommen-zwischen-japan-und-indonesien

2. Siehe: http://www.fz-juelich.de/iek/iek-6/DE/ueberuns/kooperationen/Forschungsinstitute.html

3. Siehe „Wasserstoff für nukleare Träume“ in: http://www.machtvonunten.de/atomkraft-und-oekologie/215-wasserstoff-fuer-nukleare-traeume.html

4. Siehe: „Ruhrnachrichten“ vom 20. 2. 1987

5. Siehe: „Der Spiegel, Nr. 2/1989

 


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29.08.2014

Die Angst vor einem zweiten Tschernobyl

15 AKW, nukleare Forschungsreaktoren, hochgiftiger Müll: Noch nie hat es in einem Land mit einer solchen Dichte von Nuklearanlagen einen Krieg gegeben wie jetzt in der Ukraine. Experten warnen vor der Gefahr eines zweiten Tschernobyl.

Jürgen Döschner, WDR, in tagesschau.de

Betonklötze blockieren die Zufahrtstraße nach Energodar. Schwer bewaffnete Soldaten kontrollieren jedes Auto. Knapp 200 Kilometer sind es von hier bis Donezk, bis zum Kampfgebiet. 200 Kilometer zwischen Bomben, Granaten, Raketen und dem Atomkraftwerk Saporoschje.

Doch Pressesprecher Sergej Tschimtschew ist überzeugt: Sein AKW mit den sechs Reaktoren ist nicht nur das größte, sondern auch das sicherste Europas. "Das Reaktorgebäude ist sogar gegen Flugzeugabsturz gesichert. Selbst wenn die Kämpfe näher kommen sollten und Minen, Granaten oder gar Raketen auf das Reaktorgelände treffen, müssten wir schlimmstenfalls das Kraftwerk herunterfahren", sagt Tschimtschew.

Dem widersprechen nicht nur Umweltschützer. Nicht einmal gegen den Absturz größerer Flugzeuge seien die ukrainischen Atomkraftwerke geschützt, sagt Sergej Boschko, Chef der ukrainischen Atomaufsicht: "Unsere modernen AKW der Baureihe WWR 320 sind gegen den Absturz kleiner Flugzeuge bis etwa zehn Tonnen gesichert. Aber schon für eine Boeing 737 mit ihren rund 60 Tonnen ist das natürlich nicht ausreichend."

"AKW sind nicht für den Krieg ausgelegt"

Schweren Waffen, wie sie jetzt im Osten der Ukraine eingesetzt werden, sind die Atomkraftwerke nahezu schutzlos ausgeliefert. "Kein AKW auf der Welt ist gegen militärische Angriffe gesichert. Diese Atomkraftwerke sind nicht für Krieg ausgelegt, sondern für Frieden", sagt Boschko.

Das gilt erst recht für die mehr als 100 Spezialbehälter mit abgebrannten Brennelementen, die in Saporoschje ungeschützt im Freien stehen. Hinzu kommt, dass die meisten ukrainischen Atomkraftwerke völlig überaltert sind und manche schon gar nicht mehr am Netz sein dürften.

Boschkos Kollege Nikolai Steinberg, Vorstandsmitglied in der ukrainischen Atomaufsicht, formuliert es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem WDR noch drastischer: "Atomkraftwerke und Krieg sind nicht miteinander vereinbar. Ein Krieg mit konventionellen Waffen in einem Gebiet mit Atomkraftwerken wird früher oder später unweigerlich zu einem 'nuklearen' Krieg."

Heißt im Klartext: Wenn der Krieg in der Ukraine nicht gestoppt wird, ist ein zweites Tschernobyl unausweichlich. Krieg sei eine neue Bedrohung für Atomkraftwerke, die bislang niemand beachtet hat, sagt Boschko. Und die Ukraine ist das erste Land, mit mehr als einem AKW in dem seit Wochen mit schweren und modernsten Waffen Krieg geführt wird.

Bomben mit bis zu 1500 Kilogramm auf beiden Seiten

"Da gibt es Panzerabwehrwaffen wie die 'Kornett', die bis zu fünf Meter Beton durchdringen. Das ist das Modernste auf dem Markt; Ukrainer und Separatisten haben diese Waffen in großer Zahl. Außerdem haben sie 'Grad'-Raketen unter anderem mit Bomblets, Bunkerknacker, thermobarische Munition und Bomben bis zu 1500 Kilogramm", sagt Friedrich Meyer. Der Rüstungsexperte weiß, wovon er spricht. Er hat diese Waffen zum Teil selbst entwickelt. Er will anonym bleiben. Seine Stimme und sein Namen wurden deshalb geändert.

Aus seiner Erfahrung hält er viele Szenarien für möglich, durch die der Krieg in der Ukraine eine nukleare Katastrophe auslösen kann. "Wenn ein Kampfflugzeug unter Beschuss kommt und fliehen muss, dann kann es sein, dass der Pilot alles Überflüssige abwirft, zum Beispiel den Zusatztank oder Munition. Treffen die ein AKW, kann es zur Katastrophe kommen," sagt Meyer.

Gefahren nicht nur in der Kampfzone

Zwar ist das AKW Saporoschje im Moment 200 Kilometer von der Kampfzone entfernt. Aber: Kriege sind unberechenbar, Fronten ändern sich, Kampfzonen weiten sich aus. Und es gibt die Gefahr von Anschlägen. Das muss sogar Oleg Makarenko, der Sicherheitschef des AKW-Betreibers Energoatom, eingestehen: "Sabotageakte halten sich nicht an Himmelsrichtungen. Man könnte denken, dass sie vor allem in der Nähe der Kampfgebiete vorkommen, aber das muss nicht sein. Sie können überall passieren. Die Möglichkeit schließen wir nicht aus."

Das scheinen auch die NATO-Experten so zu sehen. Im Mai waren sie in der Ukraine, um die Kiewer Regierung bei der Sicherung der Nuklearanlagen zu beraten. Sie haben mehr als ein Dutzend Empfehlungen formuliert.

NATO-Fachleute fordern zusätzliche Sicherheitstest

Im Gespräch mit dem WDR zitiert Atomaufseher Boschko aus dem geheimen Papier: "Sie empfehlen unter anderem zusätzliche Sicherheitstests, um alle aktuell drohenden Szenarien zu erfassen, allen voran die Eroberung eines Atomkraftwerks oder aber Kampfhandlungen in unmittelbarer Umgebung der Reaktoren. Viel Aufmerksamkeit haben sie auch der Frage gewidmet, wie die zentralen und lokalen Behörden zusammenarbeiten, wenn die Kämpfe plötzlich in die Nähe eines Atomkraftwerks rücken."

Umweltschützer in der Ukraine und im Ausland schlagen deshalb Alarm. Zumal die Erfahrung in Fukushima zeige, dass nicht einmal der Reaktor selbst getroffen werden muss, um eine Katastrophe auszulösen, sagt Olexi Passiyuk vom "Internationalen Ökologischen Zentrum der Ukraine": "Da gibt's die ganze Infrastruktur mit frischen und abgebrannten Brennelementen, die permanent gekühlt werden müssen. Und wenn die Kühlung zerstört wird, erhitzen sich die Brennelemente, sie schmelzen und Radioaktivität tritt aus. Also: Niemand kann garantieren, dass nichts passiert."

Aber selbst der Umweltschützer muss passen, wenn es um die Frage geht, wie man die Risiken eines Krieges in einem Land mit so vielen Atomkraftwerken einschränken kann. Den Krieg sofort zu beenden, wird kaum gelingen. Zumindest aber sollte man offen darüber diskutieren, dass neben technischem und menschlichem Versagen, Terror und Naturkatastrophen auch Krieg ein reales und wahrscheinliches Bedrohungsszenario für Atomkraftwerke ist.

Atomkraftwerk Saporoschje / GoogleMaps

 


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25.08.2014

Schauprozess gegen Ecodefense

Bernhard Clasen in der taz

Russlands bekannteste AKW-Gegner sollen bestraft werden. Der Anlass ist vermutlich eine Aktion gegen das in Kaliningrad geplante Atomkraftwerk.

BERLIN taz | Russlands bekannteste Anti-AKW-Gruppe steht ab Montag in Kaliningrad vor Gericht. Der Gruppe Ecodefense wird vom russischen Justizministerium vorgeworfen, sich wider besseres Wissen nicht in die Liste der „ausländischen Agenten“ eingetragen zu haben. Bei einer Verurteilung droht den Umweltschützern „nur“ eine Geldbuße in Höhe von 16.000 Euro.

Doch der Schaden könnte viel größer sein, glaubt Wladimir Sliwjak, der Sprecher der Gruppe. Er fürchtet eine Art Prangerwirkung. Laut einem 2012 verabschiedeten Gesetz über Nichtregierungsorganisationen müssen sich Vereinigungen, die für ihre politische Arbeit Geld aus dem Ausland erhalten, in eine Liste mit „ausländischen Agenten“ eintragen.

Ende Juli hatte das Justizministerium fünf NGOs benannt, darunter so bekannte Vereinigungen wie das Menschenrechtszentrum Memorial, das sich um die Aufarbeitung der stalinistischen Vergangenheit bemüht.

Keine der NGOs hat sich bislang bereit erklärt, sich selbst zum „ausländischen Agenten“ zu erklären. „Wie sollen wir überhaupt noch mit Bürgern und Behörden arbeiten, wenn auf jedem unserer Briefköpfe, Broschüren und Materialien die Bezeichnung ’ausländischer Agent‘ zu finden ist?“, begründet die Menschenrechtlerin Swetlana Gannuschkina die Weigerung.

„Wir arbeiten überhaupt nicht politisch. Wer sich mit den Folgen von Tschernobyl und Fukushima beschäftigt, wer gegen neue Atomkraftwerke kämpft, der macht nicht politische, sondern ökologische Arbeit“, sagt Sliwjak von Ecodefense. Die Umweltschützer wundern sich, wie schnell das Justizministerium das Verfahren in Kaliningrad angestrengt hat.

Offensichtlich wolle man die AKW-Gegner für ihre Aktionen gegen das in Kaliningrad geplante Atomkraftwerk abstrafen. Druck aus der Bevölkerung und Aktionen von Umweltschützern wie Ecodefense hatten dazu geführt, dass der Bau des baltischen Atomkraftwerks im Juni vergangenen Jahres gestoppt wurde. Bei einer Überprüfung hätten Behördenvertreter gezielt nach Unterlagen zu den Aktivitäten rund um das AKW gefragt.

Ecodefense hat runde Tische, Mahnwachen, eine Umfrage organisiert. Dabei kam auch heraus, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Kaliningrad gegen das AKW ist.

Plötzlich eilt es nicht mehr

Nachdem das russische Justizministerium Ecodefense schriftlich mitgeteilt hatte, dass man die Organisation in die Liste „ausländischer Agenten“ eingetragen habe, klagte die Gruppe vor Gericht gegen diese Entscheidung. Doch bei der Klage war von dem Gericht offenbar nur noch wenig Eile zu spüren. Noch immer habe man keine Antwort auf die gegen das Justizministerium eingereichte Beschwerde erhalten, berichtet Sliwjak.

Die zahlenmäßig kleine Umweltgruppe Ecodefense hat sich in den letzten Jahren durch ihre Protestaktionen viele Freunde in der internationalen Anti-AKW-Bewegung gemacht – und gleichzeitig viele Feinde zu Hause. In enger Zusammenarbeit mit Anti-Atom-Gruppen aus dem Münsterland hatte man gegen Atomtransporte aus der Urananreicherungsanlage in Gronau nach Russland gekämpft. Dieser deutsch-russischen Kooperation ist zu verdanken, dass die Transporte von abgereichertem Uran 2009 eingestellt wurden.

Zwischen 1996 und 2009 hatte der Betreiber der Urananreicherungsanlage im nordrheinwestfälischen Gronau, die Firma Urenco, etwa 27.000 Tonnen abgereicherten Urans nach Russland geliefert, wo es unter offenem Himmel gelagert wird. Immer noch findet ein reger Austausch von Ecodefense und deutschen Atomkraftgegnern statt. Regelmäßig treten Vertreter von Ecodefense auf Aktionen, Veranstaltungen und Kongressen bundesdeutscher Umweltorganisationen auf.

 


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24.08.2014

Abschwung der Atomkraft beschleunigt sich

Reimar Paul im Weser Kurier

In Großbritannien und Belgien wurden zahlreiche Meiler heruntergefahren / Probleme häufen sich

Antwerpen. Die Atomkraft hat international einen schweren Stand. So beschleunigte sich der Abschwung der Kernkraft im vergangenen Jahr weiter: 2013 kamen nur noch 10,8 Prozent des weltweit erzeugten Stroms aus Atomreaktoren, wie aus dem aktuellen World Nuclear Industry Status Report hervorgeht – der Spitzenwert hatte 1996 bei 17,6 Prozent gelegen. Teilweise ist der Rückgang zwar dem insgesamt steigenden Energieverbrauch geschuldet, aber auch in absoluten Zahlen geht die Atomstromproduktion zurück: 2359 Terawattstunden waren es 2013, der Höchstwert von 2660 Terawattstunden stammt aus dem Jahr 2006.

Zu schaffen macht der europäischen Atomwirtschaft zunehmend das hohe Alter der Meiler. In den vergangenen Wochen fielen deshalb gleich fünf britische und drei belgische AKW aus. Fraglich, ob und wann sie noch einmal ans Netz gehen können. Vielen Kraftwerken in Nachbarländern drohen ähnliche Schwierigkeiten.

Nach Angaben des Internationalen Wirtschaftsforums für Regenerative Energien sind in Großbritannien nur Reaktoren betroffen, die in den 1980er-Jahren oder noch früher den Betrieb aufnahmen. Das AKW Wylfa, auf der Insel Anglesey im Norden von Wales gelegen, ging 1971 ans Netz und ist somit das älteste der statistisch noch betriebenen Kernkraftwerke. Es fiel bereits im Januar wegen Wartungsarbeiten aus und musste Anfang Juli wegen eines Dampflecks erneut heruntergefahren werden. Ursprünglich für eine Laufzeit von 25 Jahren ausgelegt, wurde diese trotz Pannen von der britischen Atomaufsichtsbehörde bisher immer wieder verlängert.

Am Standort Heysham in North Lancashire stehen vier AKW-Blöcke, die zwischen 1983 und 1988 ans Netz gingen. Wegen eines Risses an einem Kessel wurde dem Betreiber zufolge Block 1 abgeschaltet und Block 2 als Vorsichtsmaßnahme heruntergefahren. Auch die beiden Blöcke des AKW Hartlepol im County Durham stehen wegen Problemen des baugleichen Kessels bis auf Weiteres nicht zur Verfügung. Die Reparaturen sollen Monate dauern.

Großbritannien hat insgesamt noch 16 AKW in Betrieb. Durch den Ausfall der fünf Reaktoren erreichte die Windstromproduktion einen neuen Höchstwert – die Anlagen erzeugten am 17. August im Mittel fast 6000 Megawatt elektrische Energie.

Belgien musste in der vergangenen Woche Block 4 im AKW Doel bei Antwerpen abschalten. Zuvor waren bereits die Blöcke Doel 3 und Tihange 2 abgeklemmt worden – die beiden Anlagen waren schon 2012 nach der Entdeckung von Haarrissen im Reaktorbehälter außer Betrieb, wurden aber zunächst wieder hochgefahren, weil die belgische Stromversorgung vor dem Kollaps stand. Im Frühjahr kam das vorläufige Aus. Laut Medienberichten können die beiden Atommeiler Doel 3 und Tihange 2 vermutlich nie mehr ans Netz gehen.

Die aktuelle Abschaltung in Doel soll dagegen nach Angaben der Behörden auf Sabotage zurückgehen, ein großer Teil des Schmieröls in einer Hochdruckturbine sei ausgelaufen. Das könne nur manuell geschehen, weshalb nun die Staatsanwaltschaft ermittelt. Insgesamt steht Belgien damit gegenwärtig rund ein Viertel der Stromerzeugung nicht mehr zur Verfügung. Vor allem im kommenden Winter könnte es Engpässe bei der Energieversorgung geben. Nach Medienberichten arbeiten die Behörden bereits an einem Notfallplan und wollen im Ernstfall ländlichen Kommunen zeitweise den Strom abschalten.

Nun könnten die Probleme auf Frankreich und die Schweiz übergreifen. Sollten die in britischen Dampferzeugern festgestellten Kesselrisse auch bei baugleichen französischen AKW gefunden werden, müsste dort eventuell mehr als ein Dutzend Reaktoren vom Netz. Die französische Atomaufsichtsbehörde rät bereits, für Ersatzkapazitäten zu sorgen.

 


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20.08.2014

Zwei belgische Atommeiler vor der definitiven Abschaltung?

Ralf Streck in Telepolis

Notfallpläne werden geschmiedet, die gefährlichen Risse können in Reaktorbehältern auch in der Schweiz, den Niederlanden, Schweden, Spanien, den USA und Argentinien auftreten

Der flämische Rundfunk VRT berichtet, dass die beiden Atommeiler Doel 3 und Tihange 2 vermutlich wohl nicht mehr ans Netz gehen können. Schon 2012 waren sie abgeschaltet worden, weil 8.000 Risse bei einer Ultraschallprüfung am Reaktorbehälter in Doel 3 entdeckt wurden, weshalb der baugleiche Meiler in Tihange zur Sicherheit ebenfalls vom Netz genommen worden war (Risse an Reaktorbehältern). Allerdings wurde später berichtet, dass die Probleme mit dem verwendeten Stahl schon seit 1979 bekannt waren.

Nach einem Jahr wurden die Reaktoren erneut angefahren, aber im vergangenen März wieder abgeschaltet. Tests am verwendeten Stahl im Forschungsreaktor Mol hatten gezeigt, dass die mechanische Resistenz der Behälter stärker als erwartet durch Bestrahlung beeinträchtigt wird, schrieb die Atomaufsichtsbehörde AFNC im Frühjahr. Die Risse sollen sogar bis an den Rand des Behälters gehen, wurde inzwischen bekannt.

Obwohl das Land zu gut 50% vom Atomstrom abhängt, will die Atomaufsicht AFCN nun offenbar auf Nummer sicher gehen. Man scheint angesichts der Ergebnisse zur Überzeugung zu gelangen, dass die Sicherheit nicht gewährleistet ist und will offenbar die beiden Reaktoren nicht wieder anfahren. VRT hatte mit Bezug auf "verschiedene verlässliche Quellen" berichtet, dass die "Zwischenergebnisse" erkennen ließen, dass der Stahl der Reaktorwände von tausenden Rissen durchzogen und geschwächt ist. Wenn sich die Ergebnisse bestätigen, dann dürften die Meiler wohl definitiv abgeschaltet werden. Denn es ist praktisch unmöglich, den Reaktorbehälter auszutauschen.

Doch bis zum Frühjahr 2015 fallen die beiden Blöcke ohnehin aus. Dazu kommt, dass auch Doel 4 gerade wegen vermutlicher Sabotage abgeschaltet werden musste, der ebenfalls im Winter ausfallen dürfte (Belgiens und Frankreichs Atomstromversorgung in Gefahr). Damit fallen insgesamt 3000 Megawatt, also etwa ein Viertel der gesamten Stromproduktion im Land, aus. Notfallpläne werden schon ausgearbeitet und der Energieminister will den Blackout im Winter über Stromimporte und Notstromaggregate verhindern.

Allerdings wies der flämische Rundfunk in seinem Bericht auch darauf hin, dass bei den Reaktorbehältern von insgesamt 22 Reaktoren ebenfalls der Stahl verwendet wurde, der die angesprochenen Schwächen zeigt. So richten sich die Blicke aus Deutschland, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz, Spanien, den USA und Argentinien auf Belgien. Es ist wahrscheinlich, dass die Haarrisse auch in den Reaktorbehältern von AKWs dieser Länder auftreten.

Schon 2012 hatte der frühere AFCN-Direktor Willy De Roovere erklärt, es würde ihn nicht überraschen, wenn auch dort die Probleme gefunden würden. Wenn sich die Probleme in der Stahlstruktur bestätigen, wie es nun der Fall ist, dann habe man es mit einem "weltweiten" Problem zu tun. De Roovere hat alle betroffenen Länder aufgefordert, entsprechende Prüfungen durchzuführen.

Betroffen ist auch der Reaktor im Schweizer Leibstadt, der direkt an der Grenze zu Deutschland am Hochrhein steht. Das Atomkraftwerk hatte sich durch Brandschutzmaßnahmen gerade lächerlich gemacht, bei denen sogar der Sicherheitsbehälter angebohrt wurde (Löcher im Schweizer AKW). Insgesamt zehn der Reaktorbehälter, die einst vom niederländischen Hersteller "Rotterdamsche Droogdok Maatschappij" stammen, der nicht mehr existiert, seien in Europa zu finden. In Deutschland ist aber dank des Atomausstiegs keines der Atomkraftwerke mehr in Betrieb, die einst mit Behältern dieses Herstellers ausgerüstet wurden.

Neben Leibstadt und im Schweizer Mühleberg finden sich die gefährlichen Behälter im spanischen Pannenreaktor Cofrentes (Rekordstrafe für verheimlichten Störfall in spanischem Atomkraftwerk), auch der älteste Meiler des Landes in Santa Maria de Garoña ist damit bestückt. Die konservative spanische Regierung setzt aber derzeit Himmel und Hölle in Bewegung, um den Meiler, der schon stillgelegt wurde, wieder ans Netz zu bekommen. Dabei ist der schon über 40 Jahre alt und zudem praktisch baugleich mit den Unglücksreaktoren in Fukushima (Spanische Fukushima-Schwestern). Sogar die Betreiber hatten die Frist verstreichen lassen, mit der die Regierung ihnen eine Laufzeitverlängerung angeboten hatte. Nun soll die Laufzeit sogar auf 60 Jahre angehoben werden, obwohl der Strom aus dem Reaktor nicht gebraucht wird. Die Regierung will die Betreiber für die Abschaltung sogar mit einer Strafzahlung in Höhe von 18,4 Millionen Euro belegen.

 


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12.08.2014

Pressemitteilung
55 Initiativen, Verbände und Parteien starten Tag-X-Kampagne:

„Keine Inbetriebnahme des Dauer-Uranmülllagers in Gronau - sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlage Gronau“

Rund 55 Anti-Atomkraft-Initiativen, Umweltverbände und Parteigliederungen fordern gemeinsam die NRW-Landesregierung sowie die Bundesregierung auf, das erste Atommüll-Zwischenlager Deutschlands für 60 000 Tonnen Uranoxid im westfälischen Gronau nicht in Betrieb zu nehmen und die Urananreicherungsanlage (UAA) Gronau sofort stillzulegen. Für den Fall, dass die NRW-Landesregierung die derzeit für 2015 geplante Inbetriebnahme der Uranmüllhalle genehmigt, kündigten die Anti-Atomkraft-Initiativen in einem Aufruf zum „Tag X“ Proteste in Gronau an (s. Anhang dieser PM).

Die Uranfabrik in Gronau ist vom Atomausstieg komplett ausgenommen und produziert ohne zeitliche Befristung jedes Jahr den Uranbrennstoff für jedes 10. AKW weltweit. Dabei fallen in Gronau jährlich bis zu 7000 Tonnen Uranmüll an. „Die Urananreicherungsanlage Gronau entwickelt sich immer mehr zum Testfall für die Zukunft der Atomenergie und der Atommüllentsorgung in Deutschland. Erstens will die Bundesregierung auf die Urananreicherung auch nach 2022 nicht verzichten und zweitens will die NRW-Landesregierung offenbar erstmals die Lagerung von Atommüll ohne jede zeitliche Befristung genehmigen. Von einem Zwischenlager kann man also bei der neuen Uranlagerhalle gar nicht sprechen – wir befürchten in Gronau die schleichende Entstehung eines oberirdischen Endlagers, das nicht einmal gegen Flugzeugabstürze gesichert ist,“ so Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und Mitglied des örtlichen Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau.

Die Urananreicherung und Uranmülllagerung in Gronau erfordern eine Unzahl an Urantransporten quer durch NRW, Europa und darüber hinaus. Natururan wird in Form von Uranhexafluorid aus Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA nach Gronau geliefert. Das als Atommüll anfallende abgereicherte Uranhexafluorid geht zur sogenannten „Dekonversion“ nach Südfrankreich und ab 2015 nach Großbritannien. Aus Frankreich und Großbritannien kommt es dann als Uranoxid zur zeitlich unbefristeten Dauerlagerung nach Gronau zurück. Allein in Südfrankreich warten schon 13 000 Tonnen Uranoxid auf den Transport nach Gronau, für die 12–15 Uranzüge nötig sein werden. Die Initiativen kündigten deshalb grenzüberschreitende Proteste gegen die zu erwartenden Uranmülltransporte nach Gronau an.

„Die Urananreicherung in Gronau ist unverantwortlich. Offiziell soll Deutschland aus der Atomenergie aussteigen, aber die Bundesregierung will den Uranbrennstoff made in Gronau weiter in alle Welt liefern. Und nun türmen sich in Gronau wachsende Uranmüllberge auf, deren Entsorgung völlig ungeklärt ist. Eine zeitlich unbefristete Lagerung in Gronau lässt Schlimmes befürchten. Die NRW-Landesregierung muss die Reißleine ziehen und die Urananreicherung in Gronau beenden,“ so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

AtomkraftgegnerInnen kündigen Proteste an:

Für die nächsten Monate sind im Rahmen der jetzt gestarteten Tag-X-Kampagne zahlreiche Protestaktionen geplant:
- 7. September, 14 Uhr: Traditioneller Sonntagsspaziergang an der UAA Gronau
- 5. Oktober, 13.30 Uhr: Kundgebung an der UAA Gronau
- November: Französisch-deutsche Urantransportekonferenz in Münster
- Tag X: Am Sonntag nach Bekanntwerden der Inbetriebnahme-Genehmigung durch die NRW-Landesregierung um 14 Uhr Kundgebung vor der UAA Gronau

Weitere Proteste entlang der Urantransportstrecken sind in Vorbereitung. Die Anti-Atomkraft-Initiativen bereiten sich auf eine lange, intensive Protestwelle gegen die zu erwartenden Uranmülltransporte vor. „Wir haben bekanntlich einen langen Atem“, so Udo Buchholz.

Weitere Infos: www.sofa-ms.de, www.urantransport.de, www.bbu-online.de

 


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29.07.2014

TV-Kritik: „AKW-Rückbau – Zu welchem Preis?“ (Arte): Strahlende Zukunft, Dienstag, 29. Juli um 20:15 Uhr

(Arte): Strahlende Zukunft, Dienstag, 29. Juli um 20:15 Uhr (68 Min.)

Von Tilmann P. Gangloff in www.fr-online.de

An der Arroganz der Atommacht hat sich in den letzten 25 Jahren nichts geändert, wie diese Arte-Dokumentation verdeutlicht: Der Abriss der Atomkraftwerke und die Lagerung des radioaktiven Mülls ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.

Die Katastrophe von Fukushima war eine späte Bestätigung für all jene, die schon vor Jahrzehnten gegen Atomkraft protestiert haben. Für grimmige Triumphgefühle aber gibt es keinen Anlass, denn im Grunde hat sich nicht viel geändert. Schon 1988/89 haben Bertram Verhaag und Claus Strigel mit „Restrisiko“, einem Film über den Protest gegen die oberpfälzische Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf, die Arroganz der Macht dokumentiert. Die Arte-Produktion „AKW-Rückbau – Zu welchem Preis?“ verdeutlicht, dass die Atomlobby heute noch genau so gut wie damals funktioniert. Der Franzose Bernard Nicolas vergleicht die Zustände in Deutschland, Amerika und Frankreich. Sein Fazit ist desillusionierend, aber auch nicht völlig überraschend: Die Energiekonzerne sind auf die enormen Kosten, die durch den Abriss der Kraftwerke auf sie zukommen, nicht mal annähernd vorbereitet; und es gibt nach wie vor keine schlüssigen Konzepte für die Endlagerung des radioaktiven Mülls, der noch mehrere hunderttausend Jahre lang tödlich vor sich hin strahlen wird.

Natürlich ist es ein nicht wieder gut zu machender Fehler, dass die Konzerne die Kraftwerke überhaupt ohne Entsorgungskonzept errichten durften, aber zumindest in diesem Punkt scheiden sich auch die Geister der Experten: Die einen wollen den Dreck möglichst tief in der Erde verscharren; die anderen hoffen, irgendwann werde ein Weg gefunden, das Zeug unschädlich zu machen, weshalb es bis dahin zugänglich sein müsse. Außerdem könne bei Lagerung an der Oberfläche im Fall einer (durchaus möglichen) Explosion eher eingegriffen werden als tief in einem Bergwerksschacht.

Fast zwangsläufig löst Nicolas mit seinem ruhigen, sachlichen Stil ganz andere Gefühle aus als die Dokumentarfilme Ende der Achtziger. Damals schürten die Bilder prügelnder Polizisten, die hemmungslos auf Demonstranten einschlagen, erst recht die Lust auf Widerstand. Am Zorn hat sich nichts geändert, zumal ja jeder mit im Boot sitzt, denn die Suppe müssen ja keineswegs bloß jene auslöffeln, die sie damals eingebrockt haben. Aber nun kommt eine gewisse Ohnmacht dazu, denn ähnlich wie die Autoren vergleichbarer Filme über die menschenverachtenden Machenschaften global agierender Konzerne (etwa „Bottled Life“ über Nestlé) stellt auch Nicolas fest: Wo sich Protest gegen eine Zwischenlagerung regt, pumpen die Unternehmen einfach so lange Geld in eine Region, bis Ruhe ist.

Davon abgesehen gelingt es dem Franzosen, die komplizierten Vorgänge und vor allem die Risiken des Kraftwerksrückbaus mit Hilfe diverser Experten ausgesprochen anschaulich zu erklären. Die Bebilderung wirkt zwar mitunter beliebig und hat nicht immer einen konkreten Bezug den Aussagen der Gesprächspartner, aber das ist ein grundsätzlicher Missstand dieser Art von Filmen. Umso bemerkenswerter, dass es Nicolas gelingt, das Thema in nur knapp siebzig Minuten umfassend zu behandeln. Davon abgesehen ist die Botschaft dank diverser haarsträubender Beispiele für den Zynismus vor allem der französischen Atomenergiebehörde deutlich: Man durfte diesen Leuten damals nicht trauen; und man darf es heute, wenn es um die Beseitigung der „strahlenden Zukunft“ geht, erst recht nicht.

AKW-Rückbau - Zu welchem Preis? Dienstag, 29. Juli um 20:15 Uhr (68 Min.), Arte

 


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Pressemitteilung 21.07.2014

Massive Proteste im Falle von Jülicher Castor-Transporten angekündigt!

Umwelt- und Anti-Atom-Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet kündigen für den Fall von Castortransporten vom AVR-Zwischenlager aus Jülich massive Proteste entlang der gesamten Strecke an.

In Jülich lagern 152 Castoren mit hochradioaktivem Müll aus Brennelementen. Offensichtlich ist das Forschungszentrum Jülich (FZJ) bisher weder in der Lage, eine rechtssichere Genehmigung für das Zwischenlager noch eine Transportgenehmigung für die Castoren zu erwirken. Ob dieser Zustand durch das FZJ bewusst herbeigeführt wurde oder auf Inkompetenz zurückzuführen ist, kann nur vermutet werden.

Aktuell versucht das FZJ in Zusammenarbeit mit dem Land und dem Bund, den Atommüll zur Wiederaufarbeitung in die USA zu verschieben. Juristisch ist ein Export von Atommüll aber nur für Forschungsreaktoren zulässig. Der AVR ist jedoch ein Versuchsreaktor zur kommerziellen Stromerzeugung (1967 – 1988). Somit ist der Export illegal. Um das geltende Atomgesetz zu umgehen, soll nun die dreiste Umdeklaration des AVR (Arbeitsgemeinschaft VersuchsReaktor) in einen Forschungsreaktor erfolgen. Gleiches gilt für die 305 Castoren aus dem stillgelegten Kugelhaufenreaktor Hamm-Uentrop, die derzeit in Ahaus lagern. Diese sollen laut öffentlicher Bekanntmachung des US-Energieministeriums gleich mit in die USA geschickt werden – auch dies ist illegal!

Scheitern die USA-Pläne, droht weiterhin eine Verschiebung der „Westcastoren“ in das Zwischenlager Ahaus. Schon 2013 mussten diese Pläne aufgrund von Protesten aufgegeben werden. Die Lagerhalle in Ahaus ist nicht wesentlich sicherer als die in Jülich, hat nur eine längere Genehmigung bis 2036. Der Müll muss zu einem späteren Zeitpunkt für eine Endlagerung konditioniert werden, dies ist in Ahaus nicht möglich, wohl aber in Jülich. Grundlage jeder Planung muss die Vermeidung von Atomtransporten sein und damit eine unnötige Gefährdung der Bevölkerung.

Das Motto „Nichts rein! Nichts raus!“ ist Konsens bei den Unterzeichnern. Jeglicher Atommüll-Transport wird grundsätzlich abgelehnt, solange kein bundesweites Atommülllager existiert. Stattdessen wird der Verbleib des Atommülls in einem erdbebensicheren und zugelassenen Zwischenlager am Standort Jülich gefordert.

Bei einem bundesweiten Treffen der Anti-Atom- und Umwelt-Organisationen wurde beschlossen, im Falle der Castortransporte den gesamten bundesdeutschen AKW-Widerstand auf die Transportstrecken zu verlagern. Schwerpunkte werden dabei Jülich und das Ziel Ahaus (bzw. Nordenham beim USA-Export) sein. Aber auch auf den möglichen Transportrouten werden lokale Initiativen die gesamte Bandbreite des Widerstandes auf die Straße bringen – nach dem Vorbild der erfolgreichen Aktionen in Gorleben.

Der gescheiterte hochkontaminierte AVR-Behälter soll in Kürze um 90 Grad gekippt und anschließend um ca. 200 Meter in ein eher behelfsmäßiges Zwischenlager verschoben werden. Alternativen zu diesem weltweit einmaligen und hochgefährlichen Vorhaben wurden nicht ausreichend untersucht! Auch auf Grund des neuen Erdbebengutachtens ist eine Verschiebung des Reaktors abzulehnen. Warum der verseuchte Reaktor in Jülich bleiben soll, die Castoren wegen angeblicher Erdbebengefahr aber unbedingt weg müssen, bleibt schleierhaft.

Unterzeichner (alphabetisch):

Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie - www.anti-akw-ac.de
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen - www.keincastornachahaus.de
Aktionsbündnis Stop Westcastor - www.westcastor.de
AntiAtomBonn - www.antiatombonn.de
Anti-Atom-Bündnis Niederrhein - www.antiatom-buendnis-niederrhein.de
Anti-Atom-Gruppe Osnabrück - www.antiatomgruppe-osnabrueck.de
Anti_Atom_Plenum Köln - www.antiatomkoeln.de
Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad - www.ag-schacht-konrad.de
Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau - www.aku-gronau.de
Atomfree Japan e.V. - www.atomfreejapan.org
Atomkraftfreie Welt-Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V. - www.sayonara-genpatsu.de
Attac Inde-Rur - www.attac-netzwerk.de/inde-rur/
Attac-Mönchengladbach - www.attac-netzwerk.de/Moenchengladbach
BUND für Umwelt und Naturschutz Landesverband NRW e.V. - www.bund-nrw.de
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) - www.bbu-online.de
Bündnis Strahlenzug Mönchengladbach - www.strahlenzug.de
Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ - www.bi-ahaus.de
Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm - www.reaktorpleite.de
Cattenom Non Merci e.V. - www.cattenom-non-merci.de
“freischaffende AtomkraftgegnerInnen Moers”
Länderübergreifendes Bündnis "Stop Tihange" - www.stop-tihange.org
Leute vom „widerStandsNest Metzingen“ - www.netzwerk-antiatom.de/l/widerstands-nest
Natur- und Umweltschutzverein Gronau (NUG) - http://de.indymedia.org/2013/10/349101.shtml
Redaktion der „anti atom aktuell“ - www.anti-atom-aktuell.de
SofA Münster (Sofortiger Atomausstieg) - www.sofa-ms.de
umweltFAIRaendern.de - www.umweltfairaendern.de
Wegberger Montagsspaziergänger gegen Atomkraft

Unterstützung aus den USA:

Savannah River Site Watch, Columbia, South Carolina (USA) - www.srswatch.org - Kontakt: Tom Clements - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Pressekontakt:

Siegfried Faust - Mobil: 0157-75075598 - (Stop Westcastor/Jülich)
Willi Hesters - Mobil: 0151-15715780 - (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen)


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14.07.2014

Atommüll Entsorgung: Atommüll soll in die USA exportiert werden

Von Joachim Wille in fr-online.de

Grüne Kernkraftgegner kritisieren Entsorgungspläne für radioaktive Abfälle.
Streit um Reaktor in Jülich. Es besteht die Möglichkeit, dass der Atommüll künftig in die USA gebracht wird.

Große Hoffnungen ruhten einstmals auf dem „Hochtemperatur-Reaktor“. Er sollte ein Technik-Schlager made in Germany werden – ohne Gefahr eines Super-GAU wie bei den herkömmlichen AKW-Typen und nicht nur Strom, sondern auch Wärme liefern. Doch die beiden Prototyp-Reaktoren, die in Jülich und Hamm (beide in NRW) gebaut wurden, floppten.

Übrig blieben große Mengen Brennelemente, und um deren Entsorgung gibt es Streit. Das Kernforschungszentrum Jülich (FZJ), dem der Atommüll eines der Reaktoren gehört, würde sie gerne in die USA loswerden. Umweltverbände und Grüne protestieren.

Der relativ kleine Versuchsreaktor (Kürzel AVR) in Jülich lief von 1966 bis 1988. Die 290.000 kugelförmigen Brennelemente liegen seither in einem Zwischenlager am Reaktor in 152 Castorbehältern. Die zuständige Atom-Aufsichtsbehörde, das NRW-Wirtschaftsministerium, verlangt nun vom Forschungszentrum die Räumung dieses Lagers. Hintergrund ist, dass für die Castor-Halle unter anderem die Erdbebensicherheit bisher nicht nachgewiesen worden ist. Das Ministerium forderte das Forschungszentrum mit einem Ultimatum auf, bis Ende September ein Entsorgungskonzept und die dafür nötigen Genehmigungen vorzulegen.

Die Atomgegner empören sich darüber, dass das Jülicher Zentrum mit Unterstützung der Forschungsministerien von NRW und Bund eine Entsorgung der Brennelemente nicht in Deutschland, sondern in den USA anstrebt. Das ergibt sich aus einer Absichtserklärung („Statement of Intent“), das die deutschen Stellen im Frühjahr mit dem US-Energieministerium unterzeichnet haben.

In dem Text heißt es: Es solle geprüft werden, ob der Atommüll zum militärischen US-Atomkomplex „Savannah River Site“ im Bundesstaat South Carolina gebracht und dort weiterverarbeitet werden kann.

Der Knackpunkt: Die abgebrannten Brennelemente dürfen nicht exportiert werden, wenn es sich um Abfall aus kommerziellen AKW handelt, die zur Stromproduktion eingesetzt werden. Deren Wiederaufarbeitung im Ausland ist laut Atomgesetz seit 2005 verboten. Außerdem schreibt auch das 2013 verabschiedete neue Endlagersuchgesetz vor, dass in Deutschland erzeugter Atommüll national entsorgt werden muss.

Trotzdem prüft das Jülicher Zentrum seit Mitte 2012 die Entsorgung in den USA. Offenbar war das eine Reaktion auf die Proteste, die sich damals gegen den geplanten Transport der Castor-Behälter in das zentrale Zwischenlager im westfälischen Ahaus erhoben. Die Atomgegner werfen FZJ und Ministerien vor, dazu einen Trick zu verwenden, indem sie den AVR-Reaktor zum „Forschungsreaktor“ umdefinieren, dessen Atommüll nicht unter das Ausfuhrverbot fällt. Tatsächlich heißt es in der Absichtserklärung, das ursprünglich aus den USA stammende Uran sei „in Deutschland zu Forschungs- und Entwicklungszwecken“ benutzt worden.

Klar ist: Weder der AVR noch der größere Reaktor in Hamm, der 1989 nach nur zwei Jahren Laufzeit wegen eines Störfalls stillgelegt wurde, waren klassische Forschungsreaktoren, wie sie in der Wissenschaft für physikalische und materialtechnische Untersuchungen oder zur Produktion von Radionukliden für Medizin und Technik eingesetzt werden. Eigner des Jülicher Reaktors waren 15 kommunale Stromversorger, darunter die Stadtwerke von Aachen, Wuppertal und München, die mit dem AVR die Machbarkeit des neuen Reaktorkonzepts zum Strom- und Wärmeproduktion zeigen wollten. Die Anlage wird denn auch in der Statistik der Internationalen Atombehörde (IAEA) als „Power Reactor“, also Reaktor für die Stromproduktion, gelistet, nicht als „Research Reactor“ (Forschungsreaktor).

Das Forschungszentrum liefert eine andere Interpretation: Der AVR habe „zwar auch Strom erzeugt, prägend für den Betrieb der Anlage war jedoch der Forschungs- und Entwicklungszweck“, sagte ein Sprecher auf FR-Anfrage. „Die derzeit geprüfte Option der Verbringung der Brennelemente in die USA wäre daher rechtlich zulässig.“ Das FZJ sieht sich darin auf einer Linie mit den Aufsichtsbehörden: Den Charakter des AVR als „nicht gewerblich betriebener Versuchsreaktor“ hätten sowohl das NRW- als auch das Bundesforschungsministerium bestätigt.

Diese Argumentation weist der früherer FZJ-Mitarbeiter Rainer Moormann zurück: „Der AVR war zwar ein Zuschussgeschäft, und die Betreiber haben viel Geld hineingepumpt. Doch es war eindeutig ein Prototyp, kein Forschungsreaktor“. Die Brennelemente, die dort eingesetzt wurden, seien identisch mit denen des Leistungsreaktors in Hamm. Der inzwischen pensionierte Chemiker Moormann war Sicherheitsexperte im Forschungszentrum. Die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, kritisierte den Export-Plan heftig: „Ein Transport der abgebrannten Brennelemente in die USA verstößt gegen alle Prinzipien, die wir uns nicht zuletzt auch mit dem Standortauswahlgesetz gegeben haben.“ Der AVR sein eindeutig ein Versuchsreaktor gewesen, es handele sich also nicht um Forschungsmüll. „Dieser Atommüll ist hier zu entsorgen“.

Kotting-Uhl verweist darauf, dass auch laut den in bisherigen Genehmigungen für die Zwischenlagerung der Jülicher Castoren eine „Ablieferung in ein Endlager“ vorgesehen war. Die Grüne hält es wie Greenpeace-Experte Heinz Smital für die beste Option, ein neues und erdbebensicheres Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums oder in unmittelbarer Nähe zu errichten.

Das Bundesforschungsministerium in Berlin hält sich in der Frage bedeckt. Entscheidungen seien noch nicht getroffen, der US-Export sei „eine der Optionen, die geprüft werden.“ Das Bundesumweltministerium wiederum, das einem Export in die USA zustimmen müsste, verwies auf die anderen Häuser: Über den Verbleib der Brennelemente hätten „zunächst die NRW-Landesregierung sowie das Bundesforschungsministerium zu entscheiden.“ Und: „Ein Genehmigungsantrag auf Verbringung der Behälter in die USA liegt nicht vor.“

Dass der, wenn er käme, mächtig Ärger bringen könnte, liegt jedoch auf der Hand. Als 2010 bekannt wurde, dass Atommüll aus dem Ex-DDR-Forschungsreaktor Rossendorf nach Russland transportiert werden sollte, stoppte der damalige Minister Norbert Röttgen (CDU) das Projekt. Zu der Parallele hieß es im Umweltministerium nur: „Wir spekulieren nicht über Anträge, die nicht vorliegen.“

Protest in den USA

Als Zielort für den Atommüll aus Jülich ist der US-Atomkomplex „Savannah River Site“ im Bundesstaat South Carolina im Gespräch. In der Anlage wurde in der Vergangenheit Material für Atombomen verarbeitet, es existieren dort fünf stillgelegte militärische Reaktoren, die zur Produktion von Plutonium und Tritium dienten.

Weiterhin gibt es dort zwei atomare Wiederaufarbeitungsanlagen, von denen noch eine in Betrieb ist. Große Probleme bereiten unter anderem rund 180 Millionen Liter flüssiger, hoch radioaktiver Abfälle, die in teils undichten Tanks aus den 1950er Jahren gelagert werden. Sie müssen umgepumpt und verglast werden.

US-Atomgegner haben gegen eine mögliche Aufnahme der Brennelemente protestiert, zu der das US-Energieministerium derzeit eine Umweltverträglichkeitsprüfung plant. Die Organisation „Savannah River Site Watch“ erklärte: „South Carolina will nicht Deutschlands Atommüllkippe werden.“ Man lehne den Plan ab, bei dem nur die Atomanlage und Deutschland profitierten, „die US-Bevölkerung aber draufzahlt“.

 


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12.07.2014

Fast 1000 heimliche Atomtransporte seit 2012

Von Birgit Marschall in rp-online.de

In Deutschland haben zwischen Anfang 2012 und Ende Mai 2014 insgesamt 988 Atomtransporte stattgefunden, von denen die Bevölkerung in der Regel nichts erfuhr. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

"Die jeweiligen Sicherungskategorien sowie die Routen können nicht veröffentlicht werden, da diese Angaben als Verschlusssache eingestuft sind", heißt es in der Antwort. Ein großer Anteil der Atomtransporte stand im Zusammenhang mit der Urananreicherungsanlage im nordrhein-westfälischen Gronau: Allein 186 Mal hätten auf deutschen Straßen und Schienen Atomtransporte von und zur Uranfabrik in Gronau stattgefunden, wie aus den Daten des Bundesamtes für Strahlenschutz und des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hervorgeht.

Die Uranfabrik in Gronau und eine weitere Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen sind vom Atomausstieg ausgenommen. Beide Anlagen produzieren Kernbrennstoffe für Kunden in aller Welt. Dafür benötigen sie Uran aus dem Ausland, das zumeist über den Hamburger Hafen nach Deutschland gelangt. Bei den Atomtransporten geht es nicht um hochradioaktives Material. Allerdings kann etwa das in Tanks importierte Uranhexafluorid, mit dem spaltbares Uran angereichert wird, schwere gesundheitliche Schäden verursachen, wenn es zu Unfällen kommt.

"Auf geheim gehaltenen Routen durchfahren teilweise hochgefährliche Atomtransporte über Tausende von Kilometern täglich die Bundesrepublik", kommentierte Linken-Politiker Hubertus Zdebel. "Ein Unfall vor allem mit den Transporten von Uranhexafluorid könnte verheerende Folgen bis zum Tod von Menschen haben", warnte er. In Gronau solle demnächst eine Lagerhalle für 60 000 Tonnen dieses radioaktiven Abfalls in Betrieb gehen. Er forderte die Bundesregierung auf, die Bürger über die Atomtransporte und ihre Gefahren zu informieren.

Siehe zu dem Thema auch 'Europas Atomtransporte'


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03.07.2014

Anti-Atomkraft-Initiativen empört über Castor-Fiasko in Jülich

extremnews.com

Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland und Jülich sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) reagieren mit Empörung auf die vom NRW-Wirtschaftsministerium angekündigte Räumung des Castor-Zwischenlagers im Forschungszentrum Jülich. Dort lagern 152 Castoren mit 300 000 hochradioaktiven Brennelementkugeln. Jahrzehntelang ignorierten die Bundesregierung und die NRW-Landesregierung als Eigentümer des Forschungszentrums die ungelösten Probleme der sicheren Atommüllentsorgung. Nun stehen beide Regierungen vor dem Scherbenhaufen ihres politischen Versagens. „Es gibt keinen Ort, an dem der hochradioaktive Atommüll sicher entsorgt werden könnte, weder in der Leichtbauhalle des Zwischenlagers Ahaus noch in den momentan bevorzugten US-Atomanlagen – gefährliche Castor-Transporte sind definitiv keine Lösung,“ erklärte Udo Buchholz vom BBU.

Völlig unklar ist, wie ausgerechnet jetzt die Erdbebensicherheit in Jülich zum zentralen Thema wurde. Warum wurde die Erdbebensicherheit nicht untersucht, als der AVR-Hochtemperaturreaktor in Jülich noch in Betrieb war? Warum spielte das Thema auch 25 Jahre lang nach der Stilllegung des Pannenreaktors keine zentrale Rolle? Hier gibt es sehr viele offene Fragen an die Atomaufsicht in der Düsseldorfer Landesregierung.

Vor dem Hintergrund des Castor-Fiaskos von Jülich fordern der BBU und die Anti-Atomkraft-Initiativen von der NRW-Landesregierung, die aktuell bevorstehende Inbetriebnahme des neuen riesigen Uranmülllagers für 60 000 Tonnen Uranoxid an der Urananreicherungsanlage Gronau zu verhindern. „Die NRW-Landesregierung darf jetzt nicht in Gronau sehenden Auges das nächste Atommülldesaster heraufbeschwören. Ein neues Atommüll-Zwischenlager in NRW ist unverantwortlich. Stattdessen muss die Urananreicherungsanlage Gronau stillgelegt werden, damit nicht noch mehr Atommüll produziert wird,“ so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Die zeitlich unbefristete Uranmülllagerung in Gronau wird am jetzigen Freitag, 4. Juli, um 15 Uhr auf Antrag der Piraten Thema im Düsseldorfer Landtag sein. Die Piraten fordern eine Aussetzung der Inbetriebnahme zumindest bis die Endlagersuchkommission Ergebnisse vorlegt.

Die Anti-Atomkraft-Initiativen kündigen Proteste sowohl gegen die drohenden Castor-Transporte durch NRW sowie gegen die geplante Inbetriebnahme des Uranmülllagers in Gronau an. „Die Anti-Atomkraft-Initiativen aus NRW haben schon 2012 gemeinsam die Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus verhindert, wir werden dies wieder tun, egal in welche Richtung die Castoren fahren. Und die zeitlich unbefristete Uranmülllagerung in Gronau ist eine Zumutung,“ so Heiner Möllers, Vorsitzender der BI „Kein Atommüll in Ahaus“.

Quelle: Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)


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02.07.2014

Brennelemente dürfen nicht mehr in Jülich bleiben

rp-online.de

Jülich - Die 152 Castor-Behälter mit hoch radioaktiven Brennelementen dürfen nicht länger im Lager am früheren Atomforschungszentrum Jülich bleiben. Die Atomaufsicht des Landes Nordrhein-Westfalen hat die Räumung angeordnet.

Das Forschungszentrum habe bis Ende September ein detailliertes Konzept zur Entfernung der Kernbrennstoffe aus dem Lager vorzulegen und für die dafür erforderlichen Genehmigungen zu sorgen, teilte das Düsseldorfer Wirtschaftsministeriums am Mittwoch mit.

Grund sei eine Information des Bundesamts für Strahlenschutz, wonach eine Prognose zum Abschluss des laufenden Verfahrens für eine reguläre Genehmigung nicht möglich sei. Die Untersuchungen zur Erdbebensicherheit seien nicht abgeschlossen. "Deswegen werden jetzt Konsequenzen gezogen", sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums Mirjam Grotjahn. Das Land hatte die Lagerung zwei Mal in Übergangsregelungen erlaubt.

Bund und Land hatten lange über die Lagerung gestritten. Die Brennelemente sollten jetzt vorerst in Jülich bleiben und später in das Herkunftsland USA gebracht werden. Das Forschungszentrum hatte beim Bundesamt für Strahlenschutz den Antrag für die weitere reguläre Lagerung bis Mitte 2016 gestellt. Vor einem Jahr hieß es schon, dass noch Unterlagen für das Verfahren fehlten.

Das Wirtschaftsministerium machte keine Angaben dazu, bis wann das Lager geräumt werden muss, wohin das strahlende Material gebracht wird und auf welchem Weg. Jetzt müsse das Forschungszentrum erst einmal ein detailliertes Konzept vorlegen. "Alles andere muss man dann sehen", sagte Grotjahn.

Das Forschungszentrum sei angewiesen, dem Ministerium monatlich in schriftlicher Form über den Fortgang der Vorbereitungen zur Entfernung der Kernbrennstoffe berichten.

Die CDU-Landtagsfraktion sah in der Anordnung einer Bestätigung ihrer Haltung. Die CDU habe seit 2008 einen Abtransport des radioaktiven Materials für nötig und sinnvoll gehalten. Ein Neubau des Zwischenlagers sei aus zeitlichen Gründen nicht möglich. "Übrig bleibt nur die Möglichkeit des Abtransports in eine moderne Aufbewahrungsstätte", hieß es in einer Mitteilung.


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04.06.2014

Deutscher Atommüll soll in die USA

Elke Brandes und Ralf Streck in telepolis

Getarnt als Material zur Wiederaufarbeitung soll Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich ins US-Atomwaffenzentrum in South Carolina verschifft werden

Atomkraftgegner in den USA haben herausgefunden, dass es seit drei Jahren konkrete Verhandlungen darüber gibt, Atommüll mit hoch angereichertem Uran aus dem havarierten AVR-Kugelhaufenreaktor im Forschungszentrum Jülich ins Atomwaffenzentrum Savannah River Site in South Carolina zu bringen. Tatsächlich drängt die Zeit, denn in Jülich musste die Betriebsgenehmigung für die Lagerung schon zwei Mal außerordentlich verlängert werden. Dass Atommüll in den USA sicher gelagert werden könnte, daran werden die Zweifel angesichts der Vorgänge in einem Lager für mittelradioaktiven Müll immer größer.

Immer mal wieder fallen negative Schlaglichter auf den 1988 havarierten und stillgelegten AVR-Kugelhaufenreaktors im Forschungszentrum Jülich (FJZ). Eine Expertenstudie kam 2008 zu dem Ergebnis, dass der Reaktor einst nur knapp an einer Katastrophe "vorbeigeschlittert" sei. Erst kürzlich wurde ein Bericht erstellt, der die wesentliche Kritikpunkte aus der Zeit bestätigte. "Der AVR hätte nie betrieben werden dürfen, weil er hochgradig unsicher war", bekräftigt der FZJ-Sicherheitsforscher Rainer Moormann, der einst auf die gravierenden Probleme hingewiesen hatte.

Damit nicht genug, wurde auch bekannt, dass strahlender Müll aus dem Reaktor ebenfalls im einstürzenden und absaufenden "Versuchsendlager" Asse versenkt wurde. Mehr als 100 Fässer mit verstrahlten AVR-Graphitkugeln wurden dort eingelagert. Es zeigte sich erneut, wie schlampig sowohl auf Seiten der Reaktorbetreiber und im Endlager Asse mit den hochgefährlichen Stoffen umgegangen wurde. So ist nur die Anzahl der gelieferten und eingelagerten Fässer dokumentiert worden.

Deshalb musste die Anzahl der verstrahlten Kugeln im Nachhinein geschätzt werden, die nun in der Asse auf die teure Rückholung warten (Hohe Radioaktivität in der Asse). Und 2011 kam es dann erneut zu Schlagzeilen, weil in Jülich sogar fast 2300 Brennstoffkugeln mit hoch angereichertem Uran "vermisst" wurden.

Brennelementkugeln sollen in die USA verschifft werden

Klar ist, dass in einem Zwischenlager in Jülich derzeit in 152 CASTOR-Behältern fast 300.000 intakte abgebrannte Brennelementkugeln lagern und die sollen nun offensichtlich in die USA verschifft werden. Die Zeit drängt, denn die Betriebsgenehmigung für die Lagerung in Jülich ist schon vor fast einem Jahr abgelaufen und wurde zwei Mal noch bis zum kommenden Juli verlängert.

Telepolis liegt eine am 1. April unterzeichnete Absichtserklärung zwischen der US Energiebehörde (Department of Energy, DOE), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Nordrhein-Westfälischen Wissenschaftsministerium vor, die einen Export des Atommüll in die USA vorsieht.

Als Begründung für den Atommüllhandel wird darin unter anderem genannt:

Die Annahme des Brennstoffes würde durch die US-Richtlinie zur Minimierung von hoch angereichertem Uran (highly enriched Uranium, HEU) unterstützt. Mit dieser Richtlinie beabsichtigt die US Energiebehörde, HEU im zivilem Handel zu reduzieren und schließlich vollständig zu entfernen, indem sie das aus den USA stammende HEU in Brennstoffen aus Deutschland entfernt und zur sicheren Lagerung zurück in die USA bringt, wo es in eine Form umgewandelt wird, in der es nicht mehr für Atomwaffen oder anderes improvisiertes Gerät zur Verbreitung von nuklearem Material genutzt werden kann. Die Lagerung des Brennstoffes würde auch den Zielen des Atom-Sicherheitsgipfels in 2014 beisteuern.

Auf Anfrage von US-Umweltschützern und Umweltschützerinnen hatte die DOE mitgeteilt, dass ein Umweltgutachten für die Aufnahme von etwa 900 kg hoch angereichertem Uran in das Atomwaffenzentrum Savannah River Site (SRS) bei Aiken in South Carolina in Auftrag geben wurde

Hintertüren

Dort soll der Atommüll laut der Vorvereinbarung angeblich zu seiner Aufarbeitung gelagert werden. Bestätigt wurde damit ein Bericht des Spiegels aus dem vergangenen Jahr, wonach deutsche und US-amerikanische Behörden über einen möglichen Export von knapp 300.000 abgebrannten Graphitkugeln aus dem AVR-Reaktor in Jülich verhandeln.

Nun ist klar, dass die Verhandlungen sich schon über drei Jahre hinziehen. Hier drängt sich geradezu der Eindruck auf, dass in den USA ein neuer Abnehmer für den strahlenden Müll gesucht wurde, nachdem die Versuche vor gut drei Jahren gescheitert waren, Atommüll in großem Stil nach Russland zu verfrachten.

Der Spiegel hatte auch darüber berichtet, dass dieser Atommüll-Export in die USA über eine Hintertür in dem im Sommer letzten Jahres verabschiedeten Endlagersuchgesetz möglich ist. Denn das lässt den Export von Atommüll aus Forschungszentren zu. Tatsächlich handelte es sich beim Jülicher AVR Reaktor aber ohnehin nicht um einen Forschungsreaktor.

Der Versuchsreaktor wurde von Energieunternehmen betrieben und speiste über 20 Jahre Strom ins Netz ein. Der AVR wurde zwar vom FJZ wissenschaftlich betreut und mit Betriebskostenzuschüssen unterstützt, war aber formal unabhängig.

Verhandlungen über weitere Abnahmen

Doch damit nicht genug, machen die lokalen Umweltschützerinnen und Umweltschützer von SRS Watch mit Bezug auf ihnen vorliegenden Daten deutlich, dass es bei den 152 Castoren mit dem Atommüll aus Jülich nicht bleiben soll. Denn verhandelt werde auch über die Annahme von weiteren 305 Castoren mit 605,000 Graphitkugeln aus dem THTR-300 in Hamm.

Dabei handelt es sich um das teure Debakel eines Atommeilers, der zwischen 1985 bis zur schnellen Stilllegung 1989 nur an 432 Volllasttagen in Betrieb war. Dafür wurde der Strom hoch subventioniert, denn neben offiziellen Subventionen gab es zudem für den erzeugten Strom eine Abnahmegarantie zu einem an der Steinkohleverstromung orientierten Preis, der damals um etwa 40 % über dem Abnahmepreis für andere Atommeiler lag.

Welche neue Hintertür gefunden wird, um auch diesen Müll in die USA zu schaffen, darauf darf man gespannt sein. Interessant ist vor allem die Argumentation der "Rücknahme" des Brennstoffs durch den Hersteller USA, die immer wieder verlautet wurde und auch in der Absichtserklärung auftaucht. Mit der Argumentation könnte Deutschland praktisch seinen gesamten Atommüll loswerden, indem es ihn an die Hersteller und Lieferanten zurück gibt.

"Kein Einlagerungsplan"

Atomkraftgegner und Umweltschützer wehren sich auf beiden Seiten des Atlantiks vehement dagegen, deutschen Atommüll in die USA zu verschiffen. Der Leiter der lokalen Umweltorganisation Savannah River Site Watch und langjährige Atomkraftgegner, Tom Clements, macht klar, dass unter dem Vorwand der Verhinderung der Verbreitung von Atomwaffen nun Atommüll in den USA entsorgt werden soll.

Das deutsche Atommüll-Dilemma, wie mit dem Atommüll umgegangen werden soll, darf aber kein Atommüllproblem für Savannah River Site werden.

Deutschland müsse ihn selbst entsorgen und unsinnige und gefährliche Transporte verhindern.

Auf Anfrage von Telepolis zweifelte Tom Clements daran, dass es gelingen werde, über die Umrüstung einer bestehenden Aufarbeitungsanlage aus den abgebrannten Graphitkugeln neue Brennstäbe für US-Atomkraftwerke herzustellen.

Während unklar ist, ob ein so unüblicher hochradioaktiver Müll überhaupt im SRS verarbeitet werden kann, ist sicher, dass es keinen Einlagerungsplan für den Müll gibt.

Bislang wurde eine geplante Umwandlung nur mit geringen Mengen im Labor erreicht. Auch die Energiebehörde gibt zu, dass die Entwicklung längst nicht abgeschlossen sei. Bisher seien 1,5 Millionen Dollar in das Projekt geflossen, doch müssten weitere 8,5 Millionen Dollar für die Fortführung zur Verfügung gestellt worden. Und Clements nimmt es der Energiebehörde nicht ab, dass sie den Import von deutschem Atommüll als Maßnahme zur Anti-Proliferation plane.

Obwohl das DOE behauptet, dass das Material sicher entsorgt würde, gibt es keinen Entsorgungsplan für hochradioaktiven Müll, und daher geht es im Grunde um den Transport ins SRS zur langfristigen oder endgültigen Lagerung.

Der Leiter von SRS Watch geht davon aus, dass ein Geschäft gemacht werden soll, um viel Geld in die leeren Kassen der SRS-Betreiber zu spülen. SRS Watch weist auch darauf hin, dass auf dem SRS-Gelände längst Atommüll aus anderen Ländern gelagert werde. Plutonium sei unter anderem schon aus Kanada, Belgien, Italien und Schweden angeliefert worden. Dazu lagern auf dem Gelände 180 Millionen Liter flüssigen hochradioaktiven Abfalls aus der Atomwaffenproduktion der 1950er Jahre. Die Tanks beginnen längst undicht zu werden, weshalb der Müll unter hohem finanziellem Aufwand in neue Behälter umgefüllt werden muss.

Dass mit einer angeblichen Rückholung des Atommülls in die USA gegenüber dem Partner Deutschland argumentiert wird, entbehrt tatsächlich jeder Logik. Oder wird der Bundesrepublik unterstellt, Handel mit atomwaffenfähigem Material zu betreiben? Wohl kaum, ohnehin hätte Deutschland auch trotz der Rücknahme der Graphitkugeln noch ausreichend Material dafür auf Lager. Die USA müsste also das gesamte strahlende Material aus Deutschland abnehmen, wenn diese Begründung ernst zu nehmen wäre.

450 Millionen Euro Exportkosten?

So dürfte tatsächlich eher der enorme finanzielle Druck eine bedeutende Rolle spielen, unter dem der SRS-Komplex steht. So bot sich die SRS zuletzt auch als Zwischenlager für US-amerikanischen Atommüll an, was aber zunächst durch den Einspruch von besorgten Bürgerinnen und Bürgern verhindert werden konnte.

Der Spiegel hatte im September 2013 veröffentlicht, dass für den Export des Atommülls aus Jülich 450 Millionen Euro im Gespräch seien. Das wäre weitaus mehr als der Bau eines neuen Zwischenlagers dort kosten würde. Erweitert man das gedanklich auf die mehr als doppelt so große Menge Atommüll aus dem THTR, dann könnte es sich um eine Größenordnung von über einer Milliarde Euro handeln.

Und mehr als kurios ist auch, wenn in der Absichtserklärung von einer "sicheren Lagerung" des Atommülls in den USA gesprochen wird. Bekannt ist, dass auch die USA - wie alle anderen Länder - über kein Endlager für hochradioaktiven Müll verfügen. Und die Vorgänge in der Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) im US-Bundesstaat New Mexico lassen erheblich Zweifel an einem verantwortlichen Umgang mit Atommüll in den USA aufkommen.

Dabei wurde in dem Salzstock nur langlebiger mittelradioaktiver Abfall aus der Atombombenproduktion eingelagert. Doch das Lager musste nach einem Unfall im Februar geschlossen werden, bei dem Plutonium freigesetzt wurde.

Aufplatzende Fässer

Inzwischen hat sich bestätigt, dass mindestens ein Atommüllfass wie erwartet aufgeplatzt ist, das aus der Atomwaffenfabrik Los Alamos kam. Die Inspektoren, die den Vorfall untersuchen, fanden heraus, dass zwar tatsächlich die Decke eingestürzt war. Aber das war offenbar nicht die Ursache für das Aufplatzen des Behälters, sondern es kam im Fass zu einer Explosion. Der Grund dafür war offenbar, dass falsches handelsübliches Katzenstreu beigemischt wurde.

Mit anorganischem Katzenstreu sollen die Nitrate im radioaktiven Material stabilisiert werden, so dass es nicht austrocknet und sich überhitzt.

Vermutet wird nun, dass aber auch organisches, aus Mais oder Weizen hergestelltes Katzenstreu verwendet wurde, was weitere Explosionen und damit die Freisetzung von Plutonium zur Folge haben könnte. Das große Problem besteht nun darin, heraus zu finden, welche Fässer mit dem falschen Katzenstreu befüllt wurden, die sich als explosive Zeitbomben im WIPP oder in den anderen Lagerstätten befinden.


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28.05.2014

Jede Menge Probleme beim E.ON-Meiler

AKW Grohnde bröselt weiter

Reimar Paul in der taz

GÖTTINGEN taz | Vor fünf Jahren feierte der Energiekonzern E.on mit Sekt, Musik und launigen Reden das 25-jährige Betriebsjubiläum seines Atomkraftwerks Grohnde. Als Gastredner würdigte Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) den „erfolgreichen und störfallfreien“ Betrieb des Meilers. In diesem Sommer fällt die Jubelfeier wohl aus. Denn 30 Jahre nach der Inbetriebnahme gibt es im AKW jede Menge Probleme.

Nach einem Ende April entdeckten Totalschaden am Generator ergaben Inspektionen, dass Druckfedern an neun von 132 sogenannten Drosselkörpern im Reaktor gebrochen sind - diese Teile sollen dafür sorgen, dass der Kühlwasserstrom an den Brennelementen gleichmäßig fließt. Wie lange das Ende April heruntergefahrene Kraftwerk abgeschaltet bleibt, ist derzeit nicht abzusehen.

Eon bezeichnet die Drosselkörper und deren Federn als „nicht sicherheitsrelevant“. Landesumweltminister Stefan Wenzel (Grüne) sieht das allerdings nicht so entspannt, für Dienstag hatte er Vertreter des Unternehmens nach Hannover einbestellt. Ein Ergebnis des Gesprächs: Neben Ministeriums-Experten und dem TÜV soll ein weiterer externer Gutachter das AKW in Augenschein nehmen.

Die Prüfung zum Befund, zu Auswirkungen der Federbrüche, zur Ursachenermittlung und zur Übertragbarkeit auf andere vergleichbare Bauteile werde fortgesetzt, kündigte Wenzel an: „Auf jeden Fall wird das Umweltministerium sicherstellen, dass die Anlage in Grohnde nur dann wieder ans Netz geht, wenn der sicherheitstechnisch unbedenkliche Betrieb nachgewiesen werden kann.“

Ein 400 Tonnen schwerer, offensichtlich gebrauchter Ersatzgenerator ist zwischenzeitlich mit einem Spezialschiff auf der Weser nach Grohnde gebracht worden. Wegen des niedrigen Pegelstandes der Flusses musste für den Transport eigens mehr Wasser aus der Edertalsperre in Hessen abgelassen werden. Atomkraftgegner besichtigten das Schiff während eines nächtlichen Halts in Hameln. „Wir haben unseren Augen nicht getraut, als wir sahen, dass der Generator an etlichen Stellen angerostet war“, sagt ein Aktivist der taz.

Unsinn, kontert E.on. Die Mutmaßung, es handele sich um ein Altgerät minderwertiger Güte, entbehre jeder Grundlage. „Der Generatorständer wies bei Anlieferung an der Außenhülle Flugrostspuren in Folge der Lagerung auf“, sagt zwar der Leiter der Elektrotechnik im Kraftwerk, Peter Schwarz. Dies lasse jedoch keinerlei Rückschlüsse auf die Qualität zu. „Der Flugrost wird nach Einbau im Kraftwerk beseitigt und die Hülle neu lackiert.“

„Alter Kack im neuen Lack“, kommentieren das die Atomkraftgegner. Sie fordern die endgültige Abschaltung des AKW Grohnde und bereiten eine Demonstration vor. Auch an der Börse werden die Ereignisse aufmerksam registriert. Analysten der französischen Großbank Société Générale bestätigten unter ausdrücklichem Verweis auf die Probleme in Grohnde eine Verkaufsempfehlung für E.on-Aktien.


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