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Aktuelles - Neues vom Atom

AKW-Symbol 64x64 px (Grafik: Hendrik Tammen Lizenz: cc-by)

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16.10.2014

DIW-Energieexpertin kritisiert Billigung von AKW-Subventionen

Handelsblatt

Die Große Koalition stärkt der britische Atomindustrie den Rücken: Sie lehnt einen Antrag der Grünen Fraktion gegen die Beihilfe für ein geplantes Atomkraftwerk ab. Kritik an der indirekten Atom-Subvention folgt prompt.

Berlin Mit scharfer Kritik hat die Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, darauf reagiert, dass die Große Koalition umstrittene staatliche Subventionen für das in Großbritannien geplante Atomkraftwerk Hinkley Point C mitträgt. „Deutschland hätte der EU-Kommission deutlich widersprechen müssen und andere EU-Länder wie beispielsweise Österreich in ihrem Bemühen, eine derartige Subventionierung zu untersagen, eher unterstützen sollen“, sagte Kemfert dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Die Billigung von AKW-Subventionen in Europa auch von deutscher Seite Subventionen erstaune sie auch deshalb, „da große Teile der Bundesregierung die Atomkraft mehrheitlich ablehnen“, fügte Kemfert hinzu. Zudem habe die EU-Kommission die finanzielle Förderung der Energiewende in Deutschland „sehr kritisch begleitet“, und nun wolle sie für eine überteuerte und risikoreiche Technologie hohe Subventionen gewähren und erlauben. „Da scheint man mit zweierlei Maß zu messen.“ Aus Kemferts Sicht sollte sich die deutsche Regierung nunmehr in Brüssel für ambitionierte Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien, die Verbesserung der Energieeffizienz und die Minderung der Treibausgase einsetzen.

Mit 475 Nein-Stimmen bei 118 Ja-Stimmen war zuvor im Bundestag von den Koalitionsfraktionen ein Antrag der Grünen-Fraktion abgelehnt worden, der die Bundesregierung aufforderte, gegen die Entscheidung der EU-Kommission zur Beihilfe für das geplante Atomkraftwerk Hinkley Point C Klage beim Gerichtshof der Europäischen Union einzureichen. Ferner sollte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim EU-Gipfel am 23./24. Oktober klar Position gegen die staatliche Subventionierung von AKWs beziehen. Die Gesamtkosten des Projekts beziffert die EU-Kommission auf 43 Milliarden Euro. Die beiden Reaktoren sollen 2023 in Betrieb gehen und sieben Prozent der britischen Stromproduktion liefern.

Kemfert sagte dazu, obwohl Atomkraft extrem teuer sei und die erneuerbaren Energien immer preiswerter würden, entscheide sich England für einen kostenintensiven und risikoreichen Energiepfad. „Das wird die Wettbewerbsfähigkeit Englands negativ beeinflussen“, betonte die DIW-Expertin.


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09.10.2014

Steuerzahler bezuschussen neues Akw

Badische Zeitung

Die EU-Kommission billigt den umstrittenen Neubau eines Atommeilers in Großbritannien.

BRÜSSEL (AFP/weg). Die EU-Kommission hat den Bau des umstrittenen britischen Atomkraftwerks Hinkley Point C gebilligt. Nach "wesentlichen" Veränderungen verstoße das Projekt nicht gegen die Regeln für staatliche Beihilfen, teilte die Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Österreich kündigte umgehend eine Klage gegen die rund dreieinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima in einer äußerst knappen Abstimmung getroffene Kommissionsentscheidung an. Die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) kündigten am Mittwoch an, die Klage zu unterstützen und einen bundesweiten Klagefonds ins Leben zu rufen. Dort können Unterstützer der Klage Geld einzahlen. Zuvor hatten die EWS die EU-Kommission in einem offenen Brief aufgefordert, die Subventionen nicht zu genehmigen.

Hinkley Point C ist mit zwei Druckwasserreaktoren das erste Akw seit fast zwei Jahrzehnten, das in Großbritannien gebaut wird. Es entsteht im Südwesten Englands am Standort zweier bestehender Kraftwerkseinheiten. Gebaut werden die sogenannten Europäischen Druckwasserreaktoren (EPR) vom französischen Energieriesen EDF mit Unterstützung von chinesischen Partnern. Das Kraftwerk soll ab 2023 ans Netz gehen und dann etwa 60 Jahre Energie liefern. Laut Kommission belaufen sich die Baukosten auf 31 Milliarden Euro, EDF und die britische Regierung geben die Kosten mit 19 Milliarden Euro an.

Im Dezember 2013 hatte die EU-Kommission die Subventionen der britischen Regierung für das Projekt infrage gestellt. Dabei ging es insbesondere um den damals durch London garantierten Stromabnahmepreis für die Betreiber für die ersten 35 Jahre. Großbritannien sei es nun gelungen, "die anfänglichen Zweifel der Kommission auszuräumen", hieß es am Mittwoch in Brüssel. Die EU-Kommission betonte, mit den Veränderungen werde jede Wettbewerbsverzerrung verhindert.

London sagte unter anderem zu, mögliche Gewinne für Privatinvestoren zu begrenzen. Auch wurden die Subventionen um rund 1,3 Milliarden Euro gesenkt. In seinen Grundzügen blieb das Finanzierungsprojekt aber unangetastet.

Von den Grünen hagelt es Kritik

Nach Informationen der Financial Times garantiert die Regierung den Akw-Betreibern einen Preis von 11,7 Cent pro Kilowattstunde Strom. Diese Garantie soll bis 2058 auf 35,5 Cent steigen. Eine Kilowattstunde Windstrom an Land wird derzeit in Deutschland mit 8,9 Cent vergütet, Tendenz sinkend.

"Das ist ein Weltrekord beim Ausverkauf an die Atomindustrie, auf Kosten des Steuerzahlers und der Umwelt", kritisierte Greenpeace-Rechtsberater Andrea Carta. Es handle sich offensichtlich um eine "Verzerrung der Wettbewerbsregeln", das grüne Licht der EU-Kommission sei daher juristisch anfechtbar. Europas Grüne sprachen von einer "äußerst bedauerlichen" Entscheidung. Die Atomenergie dürfe keinerlei staatliche Hilfen erhalten. Nicht nur Umweltschützer und die Grünen, sondern auch zahlreiche EU-Mitgliedstaaten sind gegen das Akw-Projekt. Sie sehen es als kontraproduktiv in Zeiten, in denen eigentlich erneuerbare Energien ausgebaut werden sollen. Österreich hatte bereits im Vorfeld angekündigt, vor den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg ziehen zu wollen, sollte die EU-Kommission den Bau der Reaktoren billigen. Die Regierung in Wien erklärte am Mittwoch, eine Klage solle nun vorbereitet und eingereicht werden. Vorbehalte gibt es auch in Irland wegen der Nähe des Standortes zur eigenen Küste.

Auch die EU-Kommissare waren offenbar gespalten in der Frage. Wie die Nachrichtenagentur AFP erfuhr, fiel die Entscheidung in einer in der Kommission seltenen Abstimmung, und das mit einer denkbar knappen Mehrheit von 16 Stimmen. Notwendig sind mindestens 15 Stimmen. In der Regel fällt die EU-Kommission Entscheidungen im Konsens.

Nach Darstellung der grünen Europaabgeordneten Rebecca Harms im Handelsblatt hat der deutsche Kommissar Günther Oettinger zugestimmt. Dem liege eine Absprache zwischen Berlin und London zugrunde, glaubt sie. Die Zustimmung zur Subventionierung des Atomreaktors sei die Gegenleistung dafür, dass Deutschland viele Industriebetriebe von der Ökostromumlage befreit. Das hatte die EU-Kommission beanstandet, nach Verhandlungen und leichten Änderungen aber akzeptiert.


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01.10.2014

E.on klagt auf Schadensersatz wegen Zwangsabschaltung

Spiegel online

Die Energieriesen E.on und RWE wollen nicht auf den Kosten für den Atomausstieg sitzenbleiben. Nach RWE prüft jetzt auch E.on, welche Erfolgsaussicht eine gerichtliche Auseinandersetzung hätte - in der ersten Etappe geht es um 380 Millionen Euro.

Düsseldorf - Der Energiekonzern E.on läutet im jahrzehntelangen Rechtstreit um die Atomkraft in Deutschland eine neue Runde ein. Der größte deutsche Versorger verklagt den Bund und mehrere Länder auf Schadensersatz in Höhe von rund 380 Millionen Euro. Grund hierfür sei die dreimonatige Stilllegung der Meiler Unterweser und Isar 1 im Frühjahr 2011. Bereits vor dem Beschluss zum Atomausstieg hatte die Bundesregierung damals die sieben ältesten Meiler vorübergehend abschalten lassen. Dagegen ist bereits RWE vor Gericht gezogen. Die beiden Energieriesen kündigten am Mittwoch zudem an, nicht die Mehrkosten für die standortnahe Zwischenlagerung von Atommüll übernehmen zu wollen. Diese müsse der Staat tragen.

E.on habe vergeblich versucht, sich im Fall des Atommoratoriums außergerichtlich mit dem Bund und den Ländern Niedersachsen und Bayern zu einigen, wo sich die Meiler Unterweser und Isar 1 befinden, sagte ein Unternehmenssprecher. Nun habe der Konzern Klage beim Landgericht Hannover eingereicht. RWE hatte bereits wegen der damaligen dreimonatigen Stilllegung seines Atomkraftwerks Biblis das Land Hessen und den Bund auf Schadensersatz verklagt, dabei geht es um 235 Millionen Euro. Zuvor hatten Gerichte die vorübergehende Stilllegung für nicht rechtens erklärt. RWE sei nicht ausreichend angehört worden.

Der von AKW-Gegnern auf Hauptversammlungen als "Atom-Rambo" kritisierte ehemalige RWE-Chef Jürgen Großmann hatte früh den Rechtstreit gesucht, da dem Konzern durch die dreimonatige Abschaltung von Biblis ein dreistelliger Millionenbetrag entgehe. E.on-Chef Johannes Teyssen hatte hingegen in den turbulenten Wochen nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 auf eine Verständigung mit der Bundesregierung gesetzt und auf eine Klage verzichtet. Diese Zurückhaltung hatten Aktionäre von E.on kritisiert.

Konfrontation statt Kooperation

Sowohl bei E.on als auch bei RWE geht es in den jetzigen Klagen nur um die drei Monate, nicht um die im Sommer 2011 von Berlin beschlossene Energiewende. Ob die Konzerne für diese Schadensersatz erhalten, dürfte letztlich das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Dabei geht es nicht um dreistellige Millionenbeträge, sondern insgesamt eher um einen zweistelligen Milliardenbetrag.

Die Bundesregierung reagierte enttäuscht auf die Klage von E.on. Die schriftliche Begründung liege zwar derzeit noch nicht vor, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums. "Wir nehmen jedoch mit Verwunderung und Bedauern zur Kenntnis, dass der große gesellschaftliche Konsens zu Atomausstieg und Energiewende bei den Energiekonzernen offenbar noch nicht angekommen ist."

E.on kündigte an, auch gegen die im Atomgesetz vorgesehene standortnahe Zwischenlagerung von Atommüll vorzugehen. Hierzu habe der Konzern Klage gegen die Länder Niedersachen, Bayern und Schleswig-Holstein eingereicht. Nach dem Atomgesetz soll der strahlende Müll nicht zum Lager in das niedersächsische Gorleben gebracht, sondern in der Nähe der Kernkraftwerke aufbewahrt werden. "Wir sehen uns nicht verpflichtet, die Kosten für eine sachlich nicht begründbare alternative Zwischenlagerung zu übernehmen", erklärte ein E.on-Sprecher. Gorleben sei der richtige Standort. "Da die alternative Zwischenlagerung ausschließlich politisch motiviert ist, müssen die dadurch verursachten Kosten vollständig vom Staat getragen werden." RWE erwägt ebenfalls eine Klage in dieser Sache. Vattenfall prüft nach eigenen Angaben noch.

mik/Reuters


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23.09.2014

EU erlaubt Großbritannien Akw-Neubau auf Steuerzahlerkosten

Deutsche Wirtschafts Nachrichten

Die EU-Kommission will Großbritannien den Bau eines neuen Atomkraftwerks mit Staatsgarantien erlauben. Damit werden künftig die Steuerzahler für die nukleare Sicherheit haften. Die Bewilligung der Förderung für die Risiko-Technologie könnte auch andere Länder zu Neubauten motivieren.

Die EU wird Großbritannien grünes Licht für den ersten Atomkraftwerksbau in Europa seit der Katastrophe von Fukushima geben. „Unsere Diskussionen mit den britischen Behörden haben zu einer Übereinkunft geführt“, teilte Kommissionssprecher Antoine Colombani am Montag in einer E-Mail mit. Auf dieser Grundlage werde Vize-Kommissionspräsident Joaquin Almunia seinen Kommissions-Kollegen empfehlen, eine positive Entscheidung in dieser Angelegenheit zu treffen.

An dem Bau ist der französische Versorger EDF maßgeblich beteiligt. Das Projekt hat für Großbritannien eine hohe Priorität, weil das Land in den kommenden Jahren jedes Fünfte seiner alternden Atomkraftwerke (AKW) ersetzen will. Für Frankreich ist die Anlage ein wichtiges Exportgeschäft. Auch zahlreiche andere Länder warten gespannt auf das Urteil der EU-Behörde, weil es eine Richtschnur für die erlaubten Subventionen liefert.

AKW-Entwickler in der EU sind mittlerweile auf staatliche Unterstützung angewiesen, denn seit dem Fukushima-Unglück im März 2011 haben schärfere Sicherheitsauflagen die Kosten für neue Kernkraftwerke in die Höhe getrieben. Daher sichert Großbritannien als erstes europäisches Land den AKW-Bau mit Staatsgarantien ab.

Das Kraftwerk Hinkley Point C mit zwei Druckwasserreaktoren des französischen Herstellers Areva soll in Somerset in Südwest-England entstehen. Es ist der erste derartige Neubau in Großbritannien seit rund 20 Jahren. Er soll ab 2023 Strom produzieren und laut EDF rund sieben Prozent zur britischen Stromerzeugung beitragen. An dem Konsortium sind auch chinesische Firmen beteiligt.


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22.09.2014

Tote, über die keiner spricht: Fukushima kostete bereits 1.700 Menschenleben

Deutsche Wirtschafts Nachrichten

Mehr als drei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima gibt es kaum Fortschritte bei den Aufräumarbeiten: Die Wasseraufbereitungsanlagen kämpfen mit technischen Ausfällen. Zudem häufen sich die Lecks in den Tanks, die das radioaktive Wasser auffangen. Zudem dürfen mehr als 130.000 ehemaligen Bewohner nicht zurückkehren und leben in Notunterkünften. Die Selbstmordrate steigt.

Der jährliche „World Nuclear Industry Status Report“ ist erschienen. Die Folgen der Katastrophe von Fukushima sind noch längst nicht eingedämmt. Noch immer leiden Bewohner und Dekontaminierungsarbeiter unter den Bedingungen vor Ort. Publiziert wurde er von Nuklear-Experte Mycle Schneider. Er ist Energie- und Atomexperte und berät Politiker, Institutionen und Nichtregierungsorganisationen.

Zu Fukushima schreibt der Report:

Diese Einschätzung beinhaltet Analysen der Vor-Ort-Herausforderungen, die bei der Katastrophe vom 11. März 2011 entstanden und noch drei Jahre nach dem Beginn der Katastrophe signifikant sind:

Die Herausforderungen vor Ort: In einer sehr positiven Entwicklung wurden seit November 2013 bis Mitte Juli 2014 mehr als drei Viertel des verbrauchten Brennstoffs aus dem Becken in der schwer beschädigten Anlage 4 in ein gemeinsames Becken gebracht. Bis Ende 2014 soll diese Operation beendet werden. Das radioaktive Material soll durch die Bergung möglichst keiner weiteren Gefährdung ausgesetzt werden, wie etwa Erdbeben oder Gefahren durch Unwetter.

Die wichtigsten Parameter bleiben jedoch weitgehend unverändert wie im Vorjahr. Die Strahlungswerte innerhalb der Reaktorgebäude der Einheiten 1 bis 3 machen weiterhin direktes menschliches Eingreifen fast unmöglich. Große Mengen an Wasser, etwa 360 Tonnen pro Tag, werden noch in die zerstörten Reaktoren gepumpt, um die geschmolzenen Brennstäbe zu kühlen. Dieses Wasser, sowie eine ähnliche hohe Menge an Grundwasser, sickern in die Keller der Reaktorgebäude, ein Teil davon wird zu einem gewissen Grad dekontaminiert und dann erneut in den Kreislauf gebracht. Die Menge des radioaktiven Wassers, welches nicht wiederverwendet werden kann, nimmt stetig zu. Zum Stichtag des 15. Juli 2014 wurden mehr als 500.000 Tonnen in prekären Speicher gelagert, dazu kommen etwa 90.000 Tonnen in den Kellern des Kraftwerks.

Die Kapazität der Tanks wird bis Ende März 2015 auf 800.000 Tonnen erhöht. Über zahlreiche Lecks wurde Bericht erstattet, einschließlich der Entdeckung im August 2013 über ein 300-Tonnen-Leck aus einem Tank mit hochradioaktivem Wasser, dies entspricht Stufe 3 der „International Nuclear Event Scale“ (INES) und ein 100-Tonnen-Leck aus einem anderen Tank mit noch höherer Aktivität. Es stellte sich heraus, dass Hunderte von 1.000-Kubikmeter-Tanks noch nicht einmal mit Messgeräten ausgestattet sind. Mehrere hundert Tanks, die nur zusammengeschraubt wurden, werden nach und nach durch verschweißte ersetzt.

Die hochentwickelten Wasserdekontaminationssysteme kämpfen mit technischen Ausfällen, sollen aber noch für eine längere Zeit in Betrieb bleiben. Eine viel beworbene 500 Millionen US-Dollar teure unterirdische Eis-Wand, die entworfen wurde, um den Wassereinlauf in die Keller zu verhindern und bis März 2015 fertiggestellt sein soll, hat eine ungewisse Zukunft. Bei einem Testversuch konnte der Abschnitt nicht so eingefroren werden, wie es geplant war.

In der Zwischenzeit hat Tepco eine Vereinbarung mit lokalen Fischerverbänden erreicht, so dass „Grundwasser-Bypass“ im April 2014 aktiviert werden konnte, um die Entladung ins Meer zu ermöglichen. Es wird erwartet, dass diese Maßnahme das Eindringen von Wasser in die Keller auf rund ein Viertel beziehungsweise rund 100 Kubikmeter pro Tag reduzieren kann.

Rund 32.000 Arbeiter, 28.000 von ihnen sind Leiharbeiter, arbeiteten seit dem Unfall vom 11. März 2011 an und in Fukushima – dabei sind Feuerwehr, Polizei und Militär nicht mit eingerechnet. Mit Mai 2014 lag der Tagesdurchschnitt der Arbeiter vor Ort bei 4.200 Personen und somit um 40 Prozent höher als im Jahr davor. Die Rekrutierung von neuen Arbeitern wird allerdings immer schwieriger.

Im Dezember 2013 beschloss Tepco die Schließung der Blöcke 5 und 6 von Fukushima Daiichi (I). Die vier Reaktoren in Fukushima Daini (II), 15 Kilometer von Daiichi entfernt und innerhalb der Sperrzone, bleiben offiziell „betriebsfähig“, aber die tatsächliche Inbetriebnahme ist völlig unrealistisch.

Die Herausforderungen außerhalb von Fukushima: Mit Stand März 2014 sind offiziell immer noch mehr als 130.000 Menschen aus der Präfektur Fukushima evakuiert. Rund 100.000 Menschen sind aus gekennzeichneten Evakuierungszonen. Viel mehr Einwohner haben den Bereich freiwillig verlassen. Weitere 137.000 Personen sind noch immer in Notunterkünften, die auf sieben Präfekturen verteilt sind.

Mehr als 1.700 Tote in Verbindung mit der Katastrophe wurden offiziell anerkannt, entweder aufgrund psychischer Ursachen oder mangelnder medizinischer Versorgung während der Evakuierung. Die Selbstmordraten steigen.

Im April 2014 erhielten ein paar Hundert Einwohner zum ersten Mal die Erlaubnis, zu einem zuvor evakuierten Bereich zurückzukehren. Schätzungen zufolge gehen allerdings nur ein Viertel der Anwohner zurück. Die anderen pendeln von den angrenzenden Regionen.

Eine von der japanischen Regierung in Auftrag gegebene Studie zur Atomkatastrophe in Fukushima wurde über sechs Monate geheim gehalten. Die Strahlungs-Einwirkung wird in den gesäuberten Gebieten den Vor-KatastrophenGrenzwert für die normale Bevölkerung überschreiten. Dieser liegt bei einer maximalen Jahresdosis in Höhe von einem Millisievert (mSv).

Insgesamt wurden 101 Gemeinden in acht Präfekturen sind als „geplante Kontaminations-Begutachtunszone“ festgelegt. Dort wird eine jährliche Dosis zwischen 1 mSv und 20 mSv prognostiziert. Lokalen Behörden sind für die Dekontaminierungsarbeiten verantwortlich.

Darüber hinaus ist die Zentralregierung zuständig für die Dekontaminationspläne in elf Gemeinden in der Präfektur Fukushima, einer Fläche von 235 Quadratmetern, wo die jährliche Strahlungsdosis 20 mSv überschreiten. Die Arbeiten sind weit hinter dem Zeitplan, vor allem wegen technischen Schwierigkeiten, Mangel an Abfalllagern und Arbeitskräftemangel.

Streitigkeiten über die Kostendeckung zwischen dem Umweltministerium, das offiziell verantwortlich ist, und Tepco, dem Betreiber von Fukushima, führen zu weiteren Verzögerungen. Das Drei-Jahres-Budget für die Dekontamination im Zeitraum 2011 bis 2013 umfasste 1,3 Billionen Yen (rund 13 Milliarden US-Dollar), aber nur ein Drittel davon wurde ausgegeben und von diesem wiederum erstattet Tepco weniger als 20 Prozent. Eine Mehrheit von Unternehmen und Subunternehmern arbeitet unter obskuren Umständen.

733 Unternehmen und 56 Subunternehmen haben einen Vertrag mit dem Umweltministerium, berichtet Reuters. Einige von ihnen rekrutieren Obdachlose für Arbeiten in den kontaminierten Bereichen. Die Yakuza, die japanische Mafia, ist den Berichten zufolge auch im System involviert.

Bis zum 11. Juli 2014 wurden mehr als 2,2 Millionen Ersatzansprüche von Einzelpersonen, Unternehmen, Gewerkschaften und lokalen Regierungen eingereicht. Tepco hat rund 40 Billionen Yen (rund 40 Milliarden US-Dollar) für rund zwei Millionen der Forderungen gezahlt. Zahlreiche Klagen gegen Tepco sind im Gange, darunter eine von einer Gruppe US-Matrosen, die direkt nach dem 11. März 2011 bei einer US-Marine-Operation der Strahlung ausgesetzt waren.

Im März 2014 haben mehr als 4.000 Bürgerinnen und Bürger aus 39 Ländern eine Sammelklage gegen Atom-Produzenten eingereicht, darunter Hitachi, Toshiba und General Electric, um die Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima zu entschädigen.

Mycle Schneider wurde 1959 in Köln geboren. Er ist Energie- und Atomexperte und berät Politiker, Institutionen und Nichtregierungsorganisationen. Von 1998 bis 2003 war er Berater für das französische Umwelt- und das belgische Energieministerium. Nach 2000 arbeitete er zehn Jahre auch für das deutsche Umweltministerium. Schneider gibt jährlich den unabhängigen World Nuclear Industry Status Report heraus. 1997 erhielt er zusammen mit Jinzaburo Takagi den Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis).


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09.09.2014

.... und sie versuchen es immer wieder: THTR in Indonesien?

Das „Nuklearforum“, die Homepage der Schweizer Atomindustrie, meldete am 21. August 2014, dass Japan und Indonesien ein Abkommen für den zukünftigen Bau von Hochtemperaturreaktoren (HTR´s) unterzeichnet haben (1.).
Ausgerechnet das durch die Fukushimakatastrophe gebeutelte Japan belebt auf diese Weise in Indonesien eine seit Jahrzehnten verfolgte Bestrebung des Forschungszentrums Jülich (FZJ) und der Atomindustrie.

Horst Blume

Nicht erwähnt wurde in dem Artikel, dass es eine jahrzehntelange (!) Zusammenarbeit zwischen der indonesischen National Atomic Energy Agency (BATAN) einerseits und dem Forschungszentrum Jülich sowie der NRW-Landesregierung andererseits bestand – oder sogar noch besteht! Denn auf der Liste der Kooperationspartner des FZ Jülich werden auch heute immer noch das indonesische BATAN und das japanische Atomic Energy Agency (JAEA) aufgeführt (2.). – Und dies, obwohl das FZJ seit einigen Monaten allen THTR-Forschungsambitionen zumindest offiziell abgeschworen hat.

Bau von HTR-Testreaktor und Leistungsreaktor sind geplant

BATAN und JAEA wollen zuerst eine gasgekühlte Hochtemperatur-Reaktor (HTGR) – Demonstrationsanlage mit einer elektronischen Leistung von 3 – 10 MW bauen, die angeblich schon im Jahr 2020 in Betrieb gehen könnte. Neben konventionellen Leichtwasserreaktoren, deren Inbetriebnahme ab 2024 anvisiert ist, sollen auch kleine 100 MW HTGR-Leistungsreaktoren „passend“ für jede der vielen indonesischen Inseln gebaut werden.

Das Schweizer „Nuklearforum“ verkündet stolz noch weitere Pläne: „Die JAEA lässt nun die Batan mit dem kürzlich erweiterten Abkommen an ihren Erkenntnissen aus dem Betrieb ihres Hochtemperatur-Testreaktor HTTR (High Temperatur Engineering Test Reactor) teilhaben. Gemäss der JAEA besteht zudem die Möglichkeit, dass die beiden Länder bei der Entwicklung der Wasserstoffproduktion mit HTGR zusammenarbeiten. Die Japaner planen nach eigenen Angaben, ihren HTTR mit einer Wasserstoffproduktionsanlage zu ergänzen“.

Da die Wasserstofftechnologie in Zusammenhang mit Atomkraft keineswegs ausgereift und höchst umstritten ist (3.), hören wir hier lediglich Zukunftsmusik. Und auch in diesem Bereich haben das Bundesland NRW und die BRD durch ihre Forschungsförderung im FZJ und Forschungszentrum Karlsruhe viele Millionen Euro einem mehr als fragwürdigen Experiment geopfert.

Die Vergangenheit lebt wieder auf!

Wie sehr die jahrzehntelange Nuklearforschung und -förderung für den THTR in NRW bis heute immer noch „nachwirkt“ zeigt das Beispiel Indonesien recht deutlich:
Bereits seit den frühen 70er Jahren bestand in dem von der Atomindustrie umworbenen Schwellenland das Interesse an dem Bau von Atomkraftwerken. 1987 wurde in Zusammenarbeit mit Deutschland ein nuklearer Forschungsreaktor (MPR-30) in Betrieb genommen. Als wenige Monate nach der Katastrophe in Tschernobyl und dem Störfall im THTR-Hamm im Jahre 1986 der sozialdemokratische NRW-Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen diesen Reaktor in Indonesien besichtigte, empfahl er der dortigen Militärdiktatur unter Suharto den Bau der deutschen HTR-Technologie (4.).

Die Siemens-Tochtergesellschaft Interatom, die den THTR mitentwickelt hatte, machte sich Hoffnungen auf das Atomgeschäft mit Indonesien. Am 9. 7. 1987 besuchte Indonesiens Staatsminister für Forschung und Technologie, Professor Habibie, den THTR in Hamm-Uentrop und ließ sich von Klaus Knizia (VEW) persönlich seine angeblichen Vorzüge erklären. ABB und Siemens betonten in der folgenden Zeit immer wieder ihre Hoffnung auf einen HTR-Export nach Indonesien (5.). Auf der Tagung der Internationalen Atomenergie-Organisation im Jahre 1991 in Wien formulierte ein indonesischer Energieexperte deutliches Interesse seines Landes. Selbstverständlich wurde auch im FZJ 1992 eine spezielle Arbeit über den Einsatz von AKWs in Indonesien veröffentlicht.

1997 bezeichnete die mit deutscher Unterstützung geschriebene Energieprognose ("Markal-Studie") den Einsatz von Atomenergie in Indonesien als "unerlässlich". Das internationale Büro des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) nannte noch 2004 die indonesische Behörde für Nuklearforschung (BATAN) als wichtigen Partner für die bilaterale Zusammenarbeit und verwies auf ein bereits ausgebautes Netzwerk von deutschen und indonesischen Forschungseinrichtungen. Mittlerweile seien im Rahmen der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit mehr als 20.000 indonesische StudentInnen in Deutschland ausgebildet worden.

In den Jahren 2002 und 2003 führte das durch nukleare Störfälle und eine hohe Leukämierate in der Umgebung ins Gerede gekommene Forschungszentrum Geesthacht (GKSS) ein wissenschaftliches Projekt in Jakarta (Indonesien) durch. Günter Lohnert, damals Leiter der Abteilung "HTR-Sicherheitsanalysen" bei Siemens/Interatom und später Lehrstuhlinhaber an der Uni Stuttgart ("Kompetenzzentrum Kernenergie"), hielt zahlreiche Gastvorlesungen in Indonesien.

Im Jahr 2000 wurde Dr. Hans-Joachim Klar von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, die intensiv mit dem FZJ kooperiert, von der Nationalen Atomenergiebehörde Indonesiens (BATAN) zum Mitglied des Wissenschaftlichen Berater-Kommitees (SAC) ernannt. Klar hat bereits verschiedene Seminare und Workshops in Indonesien durchgeführt. "Die Ernennung würdigt seine Verdienste in verschiedenen wissenschaftlichen Kooperationen mit Indonesien" und "erfolgt aufgrund eines Dekrets der Indonesischen Regierung, das die Aktivitäten der nuklearen Energieversorgung regelt (...)", schrieb die RWTH Aachen März/April 2000 in einer Presseerklärung.

Ob Vulkane, Erdbeben oder der weltweit vielbeachtete verheerende islamistische Terroranschlag am 12. 10. 2002 auf Bali - in Indonesien lauern über den „Normalbetrieb“ hinaus für die Atomenergienutzung viele zusätzliche Gefahren.

Ob das FZ Jülich immer noch mit den Nuklearinstituten in Indonesien und Japan kooperiert und wie diese Kooperation gegebenenfalls aussieht, ist angesichts der neueren Entwicklung durchaus eine Nachfrage wert.

Anmerkungen:

1. Siehe: http://www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin/htgr-forschung-abkommen-zwischen-japan-und-indonesien

2. Siehe: http://www.fz-juelich.de/iek/iek-6/DE/ueberuns/kooperationen/Forschungsinstitute.html

3. Siehe „Wasserstoff für nukleare Träume“ in: http://www.machtvonunten.de/atomkraft-und-oekologie/215-wasserstoff-fuer-nukleare-traeume.html

4. Siehe: „Ruhrnachrichten“ vom 20. 2. 1987

5. Siehe: „Der Spiegel, Nr. 2/1989

 


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