Aktuelles - Neues vom Atom

AKW-Symbol 64x64 px (Grafik: Hendrik Tammen Lizenz: cc-by)

In diesem Bereich sammeln wir Artikel und Informationen rund um das Thema 'Atom' aus den verschiedensten Quellen.

Artikel die sich nicht mehr hier in 'Aktuelles' befinden, sind inzwischen wahrscheinlich im 'THTR Rundbrief' oder in dem Bereich'Zeitungsarchiv - Wichtige Artikel' zu finden.

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17.04.2015

Areva pfuscht bei Reaktor-Bau

Schwere Mängel am Pannen-AKW Flamanville

Thomas Hanke, www.handelsblatt.de

Das Reaktorprojekt EPR sollte der Atomkraft einen Aufschwung bescheren. Doch zahllose Pannen machen das Projekt zum Albtraum für die französischen Bauherren. Ein weiterer Konstruktionsfehler könnte nun das Aus besiegeln.

Paris - Einen neuen Aufschwung der Atomkraft sollte der Europäische Druckwasserreaktor (EPR) einleiten, den Frankreichs Atomkonzern Areva entwickelt hat und im französischen Flamanville an der Kanalküste sowie in Finnland, Großbritannien, China und den USA baut. Nun könnte er stattdessen das Ende der Nuklearentwicklung Made in France einläuten.

Die Bauarbeiten sind um fünf Jahre im Verzug. Die Rechnung hat sich auf neun Milliarden Euro verdreifacht. All das wollten der Versorger EDF als Bauherr und der französische Staat hinnehmen. Doch in dieser Woche wurde bekannt, dass Areva offenbar beim Bau des Reaktordruckbehälters geschlampt hat, der das Herzstück eines jeden AKW ist.

Im Falle des EPR geht es um ein elf Meter hohes Stahltrumm mit fast fünf Metern Außendurchmesser, das über 500 Tonnen wiegt. Dieses Gefäß enthält die Brennstäbe, es muss Temperaturen von über 300 Grad und sehr hohem Druck standhalten. Es ist das einzige Bauteil, das nicht ausgetauscht werden kann. Deshalb muss es absolut zuverlässig sechzig Jahre lang den Reaktorkern einschließen.

Genau diese Sicherheit wird beim EPR von der französischen Atomaufsicht ASN angezweifelt: „Es gibt ernste, sehr ernste Anomalien am Druckbehälter des EPR“ sagte Pierre-Franck Chevet, Chef der ASN, am Donnerstag. Deckel und Bodenplatte des Gefäßes wiesen Unregelmäßigkeiten in der Zusammensetzung des Stahls auf. Die könnten zu Rissbildung führen. Bei ersten Tests hatte die ASN diesen fatalen Fehler festgestellt. Nun soll eine weitere Serie von Untersuchungen zeigen, ob sich die Defekte bestätigen. Sollte das geschehen, sind die Folgen für Chevet klar: „Entweder gibt EDF das Projekt auf, oder der Druckbehälter wird ausgetauscht, was hohe Kosten und mehrere Jahre Verzögerung bedeutet.“

Das potenzielle Desaster betrifft nicht Flamanville alleine. Insgesamt sind laut Aussage der ASN möglicherweise sechs von Areva gebaute EPR betroffen, auch in den USA, Großbritannien und China. Die dortigen Behörden habe man bereits informiert.


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13.04.2015

Castor-Transporte aus Jülich in die USA endlich vom Tisch?

Auch Ahaus ist keine Option für Jülicher Atommüll!

AtomkraftgegnerInnen aus Jülich, dem Münsterland und dem gesamten Bundesgebiet sind sich einig: Sie fordern den Verbleib der 152 Castoren in einem sicheren Lager in Jülich. Weder die USA noch Ahaus sind sinnvolle Optionen für die 300.000 Brennelementekugeln!

Deutsche Ministerien zweifeln an USA-Option und US-Behörden verschieben mehrfach Umweltverträglichkeitsprüfung

Bezüglich der Export-Pläne in die USA sehen sich die Anti-Atomkraft-Initiativen inzwischen bestätigt: Ihre Zweifel an der rechtmäßigen Durchführung der Castor-Exporte, die sie im September 2014 mit zwei juristischen Gutachten untermauert hatten, werden nun laut Medienberichten offenbar von einigen Mitarbeitern der zuständigen Ministerien geteilt.

„Durch unsere Kontakte in die USA wissen wir, dass die Veröffentlichung der dortigen Umweltverträglichkeitsprüfung für die Annahme der Castoren nun ein drittes Mal verschoben wurde“ erklärt Marita Boslar aus Jülich. Diese Aufschiebe-Taktik löst jedoch nicht das Atommüllproblem; das hat das jahrelange Aussitzen in Jülich bereits gezeigt.

Ahaus als Plan B bringt keinen Sicherheitsgewinn

Mit Sorge sehen die AtomkraftgegnerInnen jedoch, dass nun die Castortransporte von Jülich nach Ahaus favorisiert werden. Ahaus ist zwar nicht wie Jülich ohne Genehmigung, aber ebenso wenig gegen Flugzeugabstürze und Terrorangriffe gesichert.

„In Ahaus gibt es keine Möglichkeiten beschädigte Castoren zu reparieren oder umzuladen, in Jülich hingegen schon, da die Castoren dort in den heißen Zellen beladen wurden“, erklärt Felix Ruwe von der BI-Ahaus

Vom Ahauser Zwischenlager aus lassen sich die Brennelementekugeln nicht ohne weiteres in ein noch zu findendes Atommülllager schicken. Vorher müssten sie noch mal konditioniert, also bearbeitet und umverpackt werden – vermutlich wieder in Jülich. „Damit verstoßen die Castortransporte von Jülich nach Ahaus gegen den rot-grünen Koalitionsvertrag; darin heißt es, dass die Brennelemente nur noch einmal und zwar in ein 'Endlager' transportiert werden sollen“, so Felix Ruwe.

Castor-Transporte auf NRW-Autobahnen bringen Risiko für alle

152 Castoren müssten über die Autobahnen in NRW von Jülich nach Ahaus gebracht werden. „Die Castortransporte von Jülich nach Ahaus bringen zusätzliche Transport-Risiken für unzählige Menschen an der Strecke aber keinen Fortschritt im Atommülldilemma“ so Michael Harengerd vom BUND NRW. „Wir haben in der Vergangenheit mit dem Autobahnaktionstag gezeigt, wie gut der Widerstand zwischen Jülich und Ahaus vernetzt ist – und wir werden mit den Protesten nicht warten bis die Castoren in Ahaus vor der Tür stehen“, fährt Michael Harengerd fort.

Die Anti-Atom-Initiativen werden weiterhin eng zusammenarbeiten und jeden Schritt des Forschungszentrums und der zuständigen Ministerien und Behörden verfolgen. „Gemeinsam werden wir uns querstellen, wenn die Castoren Jülich verlassen sollten – egal wohin“.

Kontakte für Rückfragen:

Michael Harengerd (BUND NRW): 0175-56574 90

Marita Boslar (Aktionsbündnis Westcastor Jülich): 0171-7642267

Felix Ruwe (BI Ahaus): 02561-6577


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06.04.2015

THTR in China: Ein Überfall und ein Haufen Kugeln ...

Von Horst Blume

In Südafrika erschüttern zahlreiche Geheimdienstskandale das Land und werfen zudem noch ein sehr schlechtes Licht auf das „befreundete“ China, das mit vielerlei Großinvestitionen auf dem afrikanischen Kontinent von sich Reden macht. Gespeist aus südafrikanischen Geheimdienstquellen veröffentlichten in diesem Jahr die englische Tageszeitung „Guardian“ und der arabische Fernsehsender „Al Dschasira“ zahlreiche Informationen über das Wirken von ausländischen Agenten in Südafrika.

Für uns interessant ist ein Aspekt, der auf ein mysteriöses Ereignis inclusive Schusswechsel im Atomzentrum Pelindaba im Jahr 2007 zurückgeht. Die „Frankfurter Rundschau“ schreibt:

„Peinlich dürften die Enthüllungen der afrikanischen „Brudermacht“ China sein. Der SSA (State Security Agency) zufolge brachen bewaffnete chinesische Agenten 2007 in die Nuklearanlage Pelindaba bei Pretoria ein, um geheime Unterlagen über die südafrikanische Kugelhaufenreaktor-Technologie zu stehlen. Südafrika war in der in Deutschland entwickelten Methode zur Gewinnung von Atomstrom damals mit führend. Inzwischen wurde die Forschung am Kap aus finanziellen Gründen eingestellt, während China die Führung übernommen hat“ (1).

Schusswechsel im Nuklearzentrum

Im südafrikanischen Pelindaba lagerten nicht nur die mittlerweile entschärften Atombomben der Apartheid-Ära, sondern auch die ersten radioaktiven Brennelemente für den geplanten Pebble Bed Modular Reactor (PBMR), der mit Hilfe des Forschungszentrums Jülich (FZJ) gebaut werden sollte. Den Überfall kommentierte ich im THTR-Rundbrief 2007 wie folgt:

„Eine Woche nach dem schwersten Anschlag auf eine Atomanlage in der jüngsten Geschichte werden einige neue Details bekannt. Die südafrikanischen Sicherheitsbehörden tappen aber offensichtlich noch immer im Dunkeln. (...) Die erste Angreifergruppe mit vier bewaffneten Männern bemächtigte sich eines Komputers, der anschließend auf einem Balkon in der Nähe des Kontrollzentrums liegengelassen wurde. Ob die Festplatte entfernt wurde, ist bisher nicht bekannt geworden. Auf den südafrikanischen Internetseiten verschiedener Zeitungen wurde festgestellt, dass sich die Täter äußerst gut in der nuklearen Anlage ausgekannt haben mussten. Nur eine hochspezialisierte Gruppe mit Insiderwissen konnte demnach in der Lage gewesen sein, Alarmsysteme auszuschalten und alle Schranken zu überwinden. Die Täter haben offenbar genau gewusst, wo sie aktiv werden wollten“ (2).

Im Nachhinein erweist sich die hinter der Aktion vermutete „hochspezialisierte Gruppe mit Insiderwissen“ als gar nicht so abwegig und zeigt deutlich, mit welch kriminellen Methoden von der Nuklearindustrie agiert wird. Inzwischen baut China auch mit Hilfe der offensichlich durch diese Geheimdienstoperation erbeuteten Informationen an dem Hochtemperaturreaktor auf der Halbinsel Shandong (Weihai) weiter (3). Die Brennelementefabrik in der Inneren Mongolei (Baotou) ist angeblich so gut wie fertig und absolviert mehrere Tests. Mit der Produktion von jährlich 300.000 radioaktiven Brennelementen soll im August 2015 begonnen werden (4).

BRD-Forscher und -Institutionen arbeiten für den HTR in China

Liest man die Artikel auf der englischsprachigen Homepage „World Nuclear News“ (WNN) über den in Bau befindlichen HTR-PM (auch High-temperature gas-cooled reactor – HTGR genannt) in China, so fällt auf, dass die Niederlande und die BRD bei seiner Entwicklung involviert sind. In den niederländischen „NRG Hot Cells“ in Petten durchliefen fünf chinesiche Brennelementkugeln seit 2012 verschiedene Testverfahren. In einem zweiten Schritt wurden trotz aller vollmundigen Bekenntnisse zum Atomausstieg in dem Karlsruher Institut für Transurane (JRC-ITU) Erwärmungstests unter Störfallbedingungen mit dem chinesischen HTR-Brennstoff durchgeführt (5).

Vom 27. bis 31. Oktober 2014 fand im chinesischen Weihai ein internationaler HTR-Kongress statt, an dem bundesdeutsche Wissenschaftler durch ihre Präsentation eigener Forschungsergebnisse zum THTR „glänzen“ konnten. Die Technische Universität Dresden war durch Professor Hurtado vertreten, das Forschungszentrum Jülich durch Professor Allelein und S. Kasselmann, das Institut für Kernenergetik und Energiesysteme (IKE) Uni Stuttgart durch J. Lapins, Westinghouse Deutschland durch D. Knoche usw ... (6). Obwohl die BRD aus der Atomkraft „aussteigt“, wird an der HTR-Linie allen Beteuerungen und Verlautbarungen zum Trotz weitergeforscht!

Unberechenbarer Kugelhaufen

Doch auf einem Problem bleiben die chinesischen HTR-Feunde trotz vielfältiger Unterstützung aus Europa auch in Zukunft sitzen: Auf dem sprichwörtlich unberechenbaren Kugelhaufen!

Gleich sechs chinesische Wissenschaftler beißen sich an diesem seit Jahrzehnten bekannten Problem in einer aktuellen Studie die Zähne aus: „Analyse der porösen Struktur eines ungleichmäßig gepackten Kugelhaufens eines gasgekühlten Hochtemperaturreaktors“. Die ach so schlimme Schwerkraft macht mal wieder Probleme: „In axialer Richtung ergeben sich im unteren Bereich des Kugelhaufens Schwankungen und die Porösität variiert aufgrund des Schwerkrafteinflusses mit der Höhe des Kugelhaufens“ (7).

Hättet Ihr das nicht vor dem Bau des Reaktors durchdenken können?? - Tja, wie man diesen chaotischen Kugelhaufen bändigt, da können wir leider auch nicht helfen, obwohl wir in der BRD auf jahrzehntelange Erfahrungen und Experimente zurückblicken. Auf jeden Fall wünschen wir Euch toi, toi, toi – und hoffentlich passiert nichts Schlimmes ...

 

Anmerkungen

 

1. „Frankfurter Rundschau“ vom 26. Februar 2015

 

2. THTR-Rundbrief Nr. 118, Dezember 2007

 

3. „World Nuclear News“ vom 5. Januar 2015

 

4. „World Nuclear News“ vom 19. September 2014

 

5. Siehe Anmerkung 3

 

6. http://www.inet.tsinghua.edu.cn/htr2014/

 

- http://archer-project.eu/images/roelofs.pdf

 

- http://archer-project.eu/images/lustfeld.pdf

 

- http://archer-project.eu/images/seeger.pdf

 

- http://archer-project.eu/images/stckel.pdf

 

7. „atw“, Februar 2015

 


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26.03.2015

Oekostrom AG klagt gegen Ausbau von AKW Hinkley Point

Aus www.derstandard.at

Österreichischer Stromversorger kritisiert Subvention von "Technologie ohne Zukunft", Regierung bereitet weiter Klage vor

Wien/London/Brüssel – Der Widerstand in Österreich gegen den Ausbau des britischen Atomkraftwerks Hinkley Point wächst. Als erster österreichischer Stromversorger legt die Oekostrom AG Nichtigkeitsbeschwerde beim zuständigen EU-Gericht gegen die Erweiterung des AKW ein, wie sie am Donnerstag mitteilte. Die Bundesregierung arbeitet an einer Klage gegen die Förderung des Projekts.

Die britische Regierung will den Ausbau des Atomkraftwerks mit 23 Milliarden Euro subventionieren, die EU-Kommission genehmigte das zuletzt. Im Bundeskanzleramt hieß es am Donnerstag, dass Österreich Klage einbringen werde, sobald das formal möglich sei. Dazu müsse die Förderung für das AKW aber erst im EU-Amtsblatt veröffentlicht werden, was im April passieren dürfte.

"Rechtliche Mittel ausschöpfen"

Kanzler Werner Faymann (SPÖ) hatte dem britischen Premier David Cameron im Februar einen Brief mit der österreichischen Position zu Hinkley Point übergeben. "Ich habe keinen Zweifel daran gelassen, dass Österreich die rechtlichen Mittel ausschöpfen wird", sagte Faymann damals. Österreich halte die staatliche Beihilfe für unzulässig. Er sei zwar überzeugt, dass Cameron und Großbritannien ihre Haltung dadurch nicht ändern würden, doch auch Österreich werde bei seiner Position bleiben.

Die Oekostrom AG kritisiert nun, "dass mit dem Projekt eine Technologie ohne Zukunft subventioniert wird", und sieht darin einen Verstoß gegen das europäische Wettbewerbsrecht. Die Entscheidung habe zudem Signalwirkung für die geplanten AKW-Projekte in Ungarn (Paks II) und Tschechien (Temelin, Dukovany) nahe der österreichischen Grenze. Die EU-Kommission hatte in ihrer Beihilfen-Entscheidung auf das gemeinsame Interesse der Mitgliedsstaaten verwiesen. Ihre Argumentation basiert auf dem Euratom-Vertrag aus dem Jahr 1957, so die Oekostrom AG.

"Alte Technologie"

"Allein die Tatsache, dass die Beihilfe mit einem Vertrag aus dem Jahr 1957 argumentiert wird, zeigt, dass es sich um eine alte Technologie handelt, die in den vergangenen 60 Jahren nicht marktfähig geworden ist", bemängelte Lukas Stühlinger, im Oekostrom-Vorstand für die Stromproduktion zuständig. "Die Kosten für die Entsorgung der Brennstäbe sind in den 23 Milliarden Euro an Subventionen vollkommen unzulänglich berücksichtigt, geschweige denn das Risiko von Atomunfällen à la Fukushima und Tschernobyl."

"In der Beihilfe für das britische Atomkraftwerk sehen wir einen gefährlichen Präzedenzfall für zukünftige Projekte nahe der österreichischen Grenze", so Stühlinger. "Wenn sich also die Kommission mit ihrer Entscheidung durchsetzt, könnten bereits geplante AKW-Projekte beispielsweise in Ungarn und Tschechien finanziell ausgestattet und umgesetzt werden." Kein europäisches Unternehmen würde derzeit neue AKW aus eigener Tasche finanzieren. "Subventionen machen Atomstrom jedoch wieder rentabel - sauberer und sicherer Strom aus Sonnen- und Windkraft würde ausgebremst werden."

"Klagegemeinschaft"

Anfang März hatte der deutsche Ökoenergieanbieter Greenpeace Energy angekündigt, eine entsprechende Nichtigkeitsklage einzureichen. "Wir freuen uns über die Klagebereitschaft der Oekostrom AG", erklärte nun Greenpeace-Energy-Vorstand Sönke Tangermann in einer Aussendung, "denn je mehr Kläger hinzukommen, desto größer werden die juristischen Erfolgsaussichten gegen die wettbewerbsverzerrenden Beihilfen für Hinkley Point C."

Greenpeace Energy und die Oekostrom AG planen nun, im bevorstehenden Verfahren eine "Klagegemeinschaft" zu bilden. "Das bedeutet, dass die Unternehmen eine gemeinsame Klageschrift erstellen lassen, in denen sie jeweils ihre eigene unmittelbare wirtschaftliche Betroffenheit durch die Entscheidung der Kommission darlegen."

Hinkley Point C wäre das erste AKW-Bauprojekt in Großbritannien seit mehr als 20 Jahren und der erste Reaktorneubau in Europa seit der Katastrophe von Fukushima. Das AKW soll 2023 ans Netz gehen und rund 60 Jahre laufen. Die gesamten Kosten des Projekts belaufen sich laut EU-Kommission auf umgerechnet etwa 43 Milliarden Euro. (APA, 26.3.2015)

 


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11.03.2015

Fukushima - vier Jahre danach

Aus www.scinexx.de

Lecks, Tanks und Geisterstädte - die Folgen der Katastrophe sind noch lange nicht im Griff

Fukushima und kein Ende: Vier Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi halten die Probleme an der strahlenden Ruine weiter an. Trotz intensiver Arbeiten hat es die Betreiberfirma Tepco nicht geschafft, Undichtigkeiten, Lecks und die ständige Verseuchung des Grundwassers in den Griff zu bekommen. Und auch, wie es im Inneren der Reaktorblöcke 1 bis 3 genau aussieht, bleibt weiter unklar.

Als am 11. März 2011 ein schweres Erdbeben die Küste Japans erschütterte und anschließend ein Tsunami die Küsten im Nordosten des Landes überschwemmte, traf es auch das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Das Kühlsystem fiel aus, drei der Reaktorblöcke überhitzten und eine Kernschmelze begann. Durch Wasserstoffexplosionen wurden radioaktive Gase und Stäube freigesetzt, die inzwischen selbst an Kanadas Pazifikküste angekommen sind. Menschliches Versagen verschärfte die Situation.

Seither kämpft der Kraftwerksbetreiber Tepco mit den Folgen der Katastrophe. Allein im letzten Jahr waren hier bis zu 11.000 Arbeiter monatlich damit beschäftigt, aufzuräumen und zu dekontaminieren. Auch wenn das Atomunglück bereits vier Jahre her ist, sind viele der Probleme und Folgen noch lange nicht im Griff. Fakt ist: Noch immer setzt die Ruine des Kraftwerks Radioaktivität frei – sowohl in Grundwasser und Böden, als auch in die Luft.

Strahlende Geisterstadt

"Sie sagen, ein Tag in der Evakuierungszone ist wie eine Röntgenuntersuchung beim Zahnarzt", berichtet Yoh Kawano von der University of California in Los Angeles. Dennoch muss jeder Besucher Schutzanzug tragen, im Bus bleiben und wird wiederholt auf die Strahlenbelastung hin gescannt. Gemeinsam mit einem Kollegen war er vor drei Monaten in Fukushima, um den Stand der Arbeiten und den Zustand des umliegenden Gebiets zu dokumentieren.

Besonders unheimlich fanden die Forscher den Kontrast zwischen der hektischen Betriebsamkeit auf dem Gelände des Kernkraftwerks und der Leere in der evakuierten Stadt Namie, in der einst 21.0000 Menschen lebten. Ironie des Schicksals: Einige der evakuierten Menschen wurden von den Behörden in Gebiete geschickt, die sich später als noch stärker belastet herausstellten als ihr ursprünglicher Wohnort.

Lecks und Zwischenfälle reißen nicht ab

Was in Fukushima Daiichi getan wird und noch getan werden muss, das haben unter anderem Forscher der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) in einem aktualisierten Bericht zusammengetragen. Er bestätigt, dass vor allem die anhaltende Verseuchung von Wasser und Boden noch immer anhält.

Undichte Stellen in den Reaktorgebäuden und Lecks an den Lagertanks sorgen dafür, dass immer wieder radioaktiv verseuchtes Wasser in die Umwelt gelangt – sowohl als schleichende Versickerung als auch in großen Schüben. So traten beispielsweise im April 2013 etwa 120 Kubikmeter kontaminiertes Wasser aus einem unterirdischen Tank in das Erdreich aus, im August 2013 waren es 300 Kubikmeter und im Februar 2014 noch einmal 100 Kubikmeter. Dadurch gelangten jedes Mal Radioaktivität von einigen tausend bis zu mehreren hundert Millionen Becquerel in die Umwelt, wie die GRS berichtet.

Das Grundwasser im Bereich der Anlage von Fukushima Daiichi ist dadurch noch immer verseucht. Hier ermittelten Forscher in den letzten beiden Jahren Werte zwischen 600.000 und 3 Millionen Becquerel. Im Wasser sind vor allem die radioaktiven Nuklide Cäsium-134 und Cäsium-137 enthalten. Die Betreiberfirma Tepco versucht nach wie vor mit nur begrenztem Erfolg, eine weitere Freisetzung von kontaminiertem Wasser zu verhindern. So sollen Grundwasserschächte mit Pumpen dabei helfen, verseuchtes Grundwasser abzupumpen und zu reinigen

Eiswall - die Zweite

Eine weitere Verseuchung des Grundwassers will Tepco zudem durch einen 1,4 Kilometer langen Eiswall verhindern. Dieser soll den Untergrund der Reaktorblöcke 1 bis 4 komplett vom umgebenden Grundwasser und Boden abtrennen. Dafür wurden bereits im letzten Jahr Kühlmittel-Leitungen in den Boden eingelassen, durch die dann minus 30 Grad kaltes Kühlmittel fließen soll.

Diese Einfriertechnik wird in kleinerem Maßstab auch schon beim Bau von U-Bahnen eingesetzt, um Grundwasser aus der Baugrube fernzuhalten – in einem so großen Maßstab wie in Fukushima wurde es jedoch noch nie versucht. Tatsächlich schlug ein erster Versuch, damit den Untergrund komplett durchzufrieren im Sommer 2014 bereits fehl. Inzwischen hat Tepco jedoch zusätzliche Kühlrohre verlegt und will nun im April 2015 mit dem Einfrieren beginnen. Bis zum September 2015 soll der Eiswall dann komplett sein.

Das Problem der Tanks

Doch auch das erfolgreich aufgefangene kontaminierte Wasser stellt die Betreiber vor ein Problem. Denn durch Lecks fließt das Kühlwasser in die Reaktorkerne und wird verseucht und sickert von dort aus in die Keller der Reaktorgebäude. Von dort muss es abgepumpt werden. Hinzu kommt, dass auch Grundwasser in die Keller der Gebäude eindringt und sich mit dem verseuchten Kühlwasser vermischt.

Tepco schätzt die Menge des täglich anfallenden kontaminierten Wassers auf 700 Kubikmeter – das entspricht fast einem halben Schwimmbecken voll. Zurzeit wird ein Großteil dieses Wassers in Tanks auf dem Kraftwerksgelände gepumpt, zwischengelagert und dann nach und nach in speziellen Anlagen dekontaminiert. Doch die Dekontamination kommt nicht nach: In solchen Tanks werden derzeit fast 600.000 Kubikmeter kontaminiertes Wasser gelagert, wie die GRS mitteilt.

Tepco arbeitet daher mit Hochdruck daran, weitere Anlagen zum Aufbereiten des Wassers zu bauen. Mit ihnen sollen sich über Cäsium hinaus auch Radionuklide wie Strontium aus dem Wasser filtern lassen. Für 2015 ist der Bau einer Pilotanlage geplant, mit der die Extraktion von radioaktivem Tritium erprobt werden soll.

"Reaktorkern komplett zerstört"

Fortschritte gibt es immerhin bei der Bergung der Brennelement aus Block 4 – dieser Reaktorteil war zum Zeitpunkt des Tsunami im März 2011 abgeschaltet, die Brennelemente befanden sich in einem Abklingbecken im Reaktorgebäude. Zwischen November 2013 und Dezember 2014 hat Tepco alle 1.533 Brennelemente aus diesem beschädigten Becken entfernt und sie in ein Standort-Zwischenlager gebracht, wie die GRS berichtet.

Die Bergung der Brennelemente stellte eine der wichtigsten Voraussetzungen für den geplanten Rückbau der Anlagen dar. Wann allerdings die Brennelemente der restlichen Blöcke geborgen werden sollen, steht noch nicht fest. Denn wie es im Inneren der Blöcke 1 bis 3 aussieht, ist noch immer nur in Teilen klar. Neue Analysen deuten darauf hin, dass der Reaktorkern von Block 1 komplett zerstört wurde, bei Block 2 und 3 gehen Forscher von einer teilweisen Zerstörung aus.

Gewissheit über den tatsächlichen Zustand der Reaktorkerne kann erst durch Fotos oder Proben vor Ort erlangt werden. Tepco setzt dafür vor allem Roboter ein. Aktuell wird der Einsatz eines sogenannten Schlangenroboters vorbereitet, mit dem der Sicherheitsbehälter von Block 1 erkundet werden soll. Zum anderen installiert die Betreiberfirma derzeit in Fukushima Anlagen für die sogenannte Myonen-Tomographie. Mit dieser Technik lässt sich eine Art Röntgenscan der Reaktoren und ihrer Kerne erstellen.

 


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03.03.2015

E.on und der Rückbau von Atommeilern:
Die Furcht vorm großen Schlupfloch

Stefan Schultz in www.spiegel.de

Sieben Atomkraftwerke muss E.on in den kommenden Jahren zurückbauen. Kritiker fürchten, dass der Konzern sich aus der Verantwortung stehlen könnte. Ein Rechtsgutachten zeigt: Die Sorge ist berechtigt.

Hamburg - Gut 14,5 Milliarden Euro hat E.on nach eigenen Angaben zurückgelegt, um sich für diese Aufgabe zu wappnen: Sieben Atomkraftwerke muss der Konzern in den kommenden Jahrzehnten abreißen, dekontaminieren und den strahlenden Müll sicher entsorgen. Doch die Bundesregierung fragt sich, ob das Geld reicht und wie sicher die Rückstellungen noch sind.

Aus einem neuen Rechtsgutachten geht nun hervor, dass es durchaus Grund zur Sorge gibt. Denn Deutschlands größter Energieversorger will sich obendrein auch noch aufspalten. Und von den zwei Firmen, in die sich E.on trennen will, kann wahrscheinlich nur eine für das atomare Erbe des Konzerns verantwortlich gemacht werden, heißt es in einer Expertise des Wissenschaftlichen Dienstes für den Bundestag, mit der sich der parlamentarische Ausschuss für Wirtschaft und Energie am Mittwoch beschäftigen will. Das Dokument liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Der Konzernumbau bei E.on soll wie folgt ablaufen: Die erste Firma, die "alte E.on", wenn man so will, soll das Geschäft mit der konventionellen Stromerzeugung, also mit Atom-, Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerken, weiterführen - und damit auch für den AKW-Rückbau verantwortlich sein.

E.on-Chef Johannes Teyssen hatte stets betont, dass die Firma, in der die konventionellen Kraftwerke gebündelt sind, in vielen Ländern aktiv und insgesamt sehr gut aufgestellt sei. Er erwarte, dass sie noch viele Jahrzehnte gute Profite machen werde.

Das Problem ist aber, dass die E.on-Rückstellungen zum Teil gerade aus den Kohle- und Gaskraftwerken bestehen - ausgerechnet jenen Meilern also, deren Existenz selbst bedroht ist, weil sie durch den Boom der erneuerbaren Energien immer weniger Strom verkaufen. Wenn die konventionellen Kraftwerke zu rasch abgeschaltet werden, könnten die Rückstellungen für den AKW-Rückbau nicht reichen, fürchtet die Bundesregierung.

Dann käme die zweite E.on-Firma ins Spiel. Sie soll sich auf Stromnetze sowie dezentrale und erneuerbare Energien konzentrieren. Die Grünen fordern, auch diese "neue E.on" für den AKW-Rückbau in die Pflicht zu nehmen, wenn die Rückstellungen der "alten E.on" nicht reichen. Doch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags sieht dafür kaum eine rechtliche Handhabe. Für eine Haftung der "neuen E.on" gebe es juristisch nur "enge Voraussetzungen", heißt es in dem elfseitigen Gutachten, das die Experten auf Anfrage der Grünen-Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl erstellt haben. Dafür gebe es zwei zentrale Gründe:

Erstens werden die Atomkraftwerke in Deutschland nicht von den Konzernmüttern betrieben, sondern von speziellen Tochtergesellschaften. Wenn sich E.on nun aufspaltet und, wie geplant, seine Atomkraftwerke auf die "alte E.on" überträgt, dann könnte entsprechend nur die Atomtochter haftbar gemacht werden. Sonst keine.

Zweitens gebe es noch die Möglichkeit, die neue E.on-Firma über eine sogenannte Durchgriffshaftung in die Pflicht zu nehmen, heißt es in dem Gutachten weiter. Diese Rechtsfigur sei aber nur "in sehr seltenen Ausnahmefällen möglich". Wann für sie die angemessenen Voraussetzungen bestehen, sei "in Literatur und Rechtsprechung lebhaft umstritten".

Der Wissenschaftliche Dienst betont, dass es sich bei seinem Gutachten nicht um eine abschließende Einschätzung der Rechtslage handle und dass manche strittigen Punkte erst vor Gericht abschließend geklärt werden könnten. Insgesamt aber werden die Chancen, die "neue E.on" per Gerichtsbeschluss zur Finanzierung des AKW-Rückbaus zu verpflichten, als gering eingestuft.

Die Umweltschutzorganisation BUND fordert die Bundesregierung daher zum raschen Handeln auf. Sie dürfe "nicht zulassen, dass sich ein wesentlicher Teil des Konzerns von der Verantwortung für die Ewigkeitslasten der Atomenergie" befreie, teilt der BUND mit. Die Organisation fordert daher, die Rückstellungen der Konzerne so schnell wie möglich in einen öffentlich-rechtlichen Fonds zu überführen.

Mehr zu dem Thema: Kosten Rückbau

 


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