Aktuelles - Neues vom Atom

AKW-Symbol 64x64 px (Grafik: Hendrik Tammen Lizenz: cc-by)

In diesem Bereich sammeln wir Artikel und Informationen rund um das Thema 'Atom' aus den verschiedensten Quellen.

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18.05.2016

Presseerklärung der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm

Auch noch nach 30 Jahren:
Neues zum THTR-Störfall

Dreißig Jahre nach Tschernobyl und dem wenige Tage später am 4. Mai 1986 bekanntgewordenen Störfall in dem Thorium Hochtemperaturreaktor (THTR) Hamm-Uentrop bestätigt ein Beitrag auf der Diskussionsseite von Wikipedia zum THTR die schlimmsten Befürchtungen der Atomkraftwerksgegner.

Was ist passiert?

Erst jetzt entdeckten wir auf der umfangreichen Wikipedia-Diskussionsseite den Hinweis von Dr. Hermann Schollmeyer vom 1. März 2015. Schollmeyer war als Fachinbetriebnahmeleiter der BBC AG Mannheim zuständig für die von dieser Firma produzierten Abschaltstäbe, sowie für die fünf Dampfturbinen einschliesslich der Mess- und Regeltechnik für den THTR in Hamm.

Im THTR blockierte am 4. Mai 1986 wieder einmal Kugelbruch den Reaktorbetrieb. Was dann passierte, beschreibt Schollmeyer auf Wikipedia in dem Abschnitt 34, Steuerstäbe/Absorberstäbe:

„Das überflüssige Ausblasen des Kugelbruchs, der Filter war schon bestellt (!), in die ‚Tschernobilwolke’ war eine eigenverantwortliche Entscheidung des damaligen Hauptinbetriebnehmers Dr. Daoud, die dieser gegen jede Warnung durchführte und wegen fehlender Fachkompetenz zu verheimlichen suchte.“ (1)

Hierzu stellen wir fest:

Der Betreiber wartete mit dem Abblasen nicht ab, bis die schon bestellten Filter eingetroffen waren. Man glaubte offenbar, die ausgeblasenen radioaktiven Isotope würden wegen der Tschernobylwolke nicht auffallen. Dr. Daoud als Beauftragter des Hauptinbetriebnehmers HRB (Hochtemperatur Reaktorbau GmbH) und Leiter des Anfahrbetriebs handelte eigenmächtig, was angesichts der Freisetzung radioaktiver Stoffe eine strafrechtliche Relevanz hat.

Der radioaktiv verseuchte Kugelbruch wurde also doch absichtlich in die Umgebung ausgeblasen und damit die Bevölkerung einer großen Gefahr ausgesetzt. Der Betreiber hat wissentlich gegen wesentliche atomrechtliche Auflagen verstoßen. Durch die Freisetzung radioaktiver Stoffe ist dieser Störfall auf der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) als Stufe 3 zu bezeichnen. Aus diesen neuen Erkenntnissen ergeben sich ebenfalls Fragen an die politisch Verantwortlichen und die Atomaufsicht im Wirtschaftsministerium NRW:

Seit wann hat die Atomaufsicht von diesem Sachverhalt gewusst? Warum hat sie ihn nicht öffentlich gemacht und strafrechtlich verfolgt?

Unserer Meinung nach haben sich die Behörden der Strafvereitelung schuldig gemacht.

 

Anmerkung:

(1) Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Kernkraftwerk_THTR-300#Steuerst.C3.A4be.2FAbsorberst.C3.A4be

Weitere Infos zum THTR-Störfall im Jahr 1986: http://www.reaktorpleite.de/thtr-rundbriefe-2012/43-sp-590/rundbriefe-2012/424-thtr-rundbrief-nr-139-juni-2012.html

Verantwortlich: Horst Blume, Schleusenweg 10, 59071 Hamm, Tel.: 02381-3041725

Homepage: www.reaktorpleite.de


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18.05.2016

Papier der EU-Kommission zu Atomkraft

An der Realität vorbei

Artikel von Jürgen Döschner aus www.tagesschau.de

Nach Tschernobyl und Fukushima noch in die Kernenergie investieren zu wollen, zeugt von Realitätsferne. Die EU-Kommission beruft sich in ihrem Strategiepapier auf den fast 60 Jahre alten EURATOM-Vertrag. Und die Bundesregierung? Sie verhält sich widersprüchlich.

30 Jahre nach Tschernobyl, fünf Jahre nach Fukushima, angesichts zahlreicher maroder Atomkraftwerke im Herzen Europas wie Doel, Tihange, Fessenheim, Cattenom, Beznau oder Temelin; angesichts eines technisch und finanziell ungelösten gigantischen Entsorgungsproblems, angesichts riesiger Atomkraft-Baustellen wie Olkiluoto in Finnland und Flamanville in Frankreich, die seit Jahren Milliarden verschlingen und absehbar keinen Strom liefern; angesichts nahezu bankrotter Atomkonzerne wie Areva, EdF, RWE, EON und anderer - angesichts all dieser Fakten: Wie wirklichkeitsfremd kann man sein, auch nur einen weiteren Cent in die Entwicklung neuer Atomreaktoren stecken zu wollen?

Die EU-Kommission hat offenbar sämtliche Verbindungen zur energiepolitischen Realität gekappt. Als habe sie die vergangenen 60 Jahre auf dem Mond gelebt, präsentieren die Kommissare ein sogenanntes Strategiepapier, das sich auf die Prinzipien des EURATOM-Vertrages beruft. In diesem Vertrag haben sich die Unterzeichnerstaaten dazu verpflichtet "die Voraussetzungen für die Entwicklung einer mächtigen Kernindustrie zu schaffen". Dazu sollen unter anderem Investitionen erleichtert und die Forschung an der Atomkraft gefördert werden.

Kernindustrie ist ein Schatten ihrer selbst

Aber dieser EURATOM-Vertag stammt aus dem Jahr 1957 - und heute schreiben wir das Jahr 2016! Die "mächtige Kernindustrie" ist inzwischen ein Schatten ihrer selbst, die Atomkraft technologisch und ökonomisch überholt. Selbst wenn man ihr die Subventionen - wie im Fall des britischen Atomkraftwerks Hinkley Point - hinterherwirft: Die Unternehmen sind nicht einmal dann bereit oder in der Lage, das finanzielle Restrisiko zu tragen.

Die Bundesregierung verhält sich in der Atomkraft-Frage geradezu schizophren. Für das eigene Land beschließt man den Ausstieg, aber auf internationaler Ebene fördert man - zumindest in Worten - durch die Mitgliedschaft im EURATOM-Vertrag deren weitere Entwicklung.

Ein Papier wohl ohne praktische Auswirkungen

Doch bei aller berechtigten Aufregung: Das Atom-Strategie-Papier ist vielleicht ein Gradmesser für den Zustand der EU-Kommission. Praktische Auswirkungen auf die Energiepolitik dürfte es jedoch kaum haben. Denn egal, wie viel politisches und echtes Kapital die EU in eine von manchen Phantasten herbeigesehnte Renaissance der Atomkraft stecken mag: Im Jahr 2016 findet sich kaum noch ein Unternehmen, das man mit diesen Hilfen beglücken könnte. Investoren lassen die Finger von neuen Atomkraftwerken, alternative Energien sind längst nicht nur sicherer, sondern auch billiger.

Die technische und ökonomische Realität hat das Kapitel Atomkraft längst überholt. Es wäre an der Zeit, dass die EU und ihre Regierungen - insbesondere die deutsche - endlich ein Zeichen setzen, dass dies auch für die politische Realität gilt. Etwa durch die Aufkündigung des antiquierten EURATOM-Vertrages und die Auflage eines europäischen Förderprogramms für erneuerbare Energien.

Ein Kommentar von Jürgen Döschner, ARD-Energieexperte


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13.05.2016

Ein teurer Atom-Deal

Artikel von Anika Limbach aus www.freitag.de

Endlager AKW-Konzerne können sich einfach aus der Verantwortung von Atommüll-Lagerung freikaufen. Der Staat übernimmt bereitwillig die Finanzierung – mit allen Risiken

Das Zerstörungspotenzial von Atommüll ist unvorstellbar. Plutomium etwa hat eine Halbwertszeit von über 24.000 Jahren, und wer schon ein Millionstel Gramm davon einatmet, kann an Lungenkrebs erkranken. Der besonders gefährliche hochradioaktive Abfall, welcher auch Plutonium enthält, summiert sich in Deutschland inzwischen auf knapp 16.000 Tonnen. Sein Volumen umfasst nur 10 Prozent der Gesamtmenge an Atommüll. Die restlichen 90 Prozent sind schwach- oder mittelradioaktiv.

Ob es in Zukunft gelingen kann, diese Hinterlassenschaft der Atomkraftnutzung lange und sicher genug von dem Lebensraum nachfolgender Generationen abzuschirmen, ist fraglich. Bis heute gibt es weltweit weder ein Endlager noch ein überzeugendes Konzept für ein solches. Die "Zwischenlagerung" ist zumindest in Deutschland völlig unzureichend und die Behälter, in denen die abgebrannten Brennelemente eingeschlossen sind, halten höchstens 40 Jahre lang.

Kaum jemand würde heute bestreiten, dass das Grundproblem die Produktion des Atommülls ist. Man sollte meinen, es sei deshalb eine Selbstverständlichkeit, zuerst das Grundproblem zu beseitigen, bevor man über die Finanzierung der "Entsorgung" verhandelt. Um das zu erreichen, müsste die Regierung nicht einmal die offizielle Laufzeit der Reaktoren per Gesetz verkürzen. Bestimmte Maßnahmen – zum Beispiel eine Erhöhung der Brennelementesteuer – würden schon ausreichen, um den Betrieb der AKW unrentabel zu machen. Doch die Bundesregierung beabsichtigt genau das Gegenteil. Nach jetziger Beschlusslage wird Ende diesen Jahres die Brennelementesteuer wegfallen.

Dass die Energiekonzerne von der Regierung protegiert werden, spiegelte sich auch in den Verhandlungen jener Kommission wider, deren Name bereits irreführend ist: "Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs." Um es klarzustellen: Es geht hier um die Folgekosten der Atomkraftnutzung, nicht um die des Atomausstiegs. Die Zusammensetzung der Kommission ist genauso kritikwürdig. Wer Vertreter und Vertreterinnen von Zivilgesellschaft und Politik mit jenen der Atomwirtschaft über das Verursacherprinzip verhandeln lässt, stellt dieses zur Disposition. Schon im Ansatz ist das äußerst bedenklich. So verwundert nicht, dass ein Ergebnis zustande kam, das von fast allen Umweltorganisationen zurecht scharf kritisiert wird.

Nach dem Vorschlag der Kommission soll die Verantwortung für Stilllegung und Rückbau der Reaktoren zwar bei den Betreibern belassen werden. In Bezug auf den Atommüll wird das Verursacherprinzip jedoch ausgehebelt. Gegen die Zahlung einer viel zu geringen Summe von 23,3 Milliarden Euro soll der Staat alle Aufgaben und Finanzierungen übernehmen, die mit der Zwischen- und Endlagerung des radioaktiven Abfalls verbunden sind. Die Summe setzt sich zusammen aus den angenommen Kosten und einem Risikozuschlag.

Es ließe sich viel sagen über die Unwägbarkeiten eines sogenannten Endlagers und die damit einhergehende Kostenexplosion. An dieser Stelle sei nur erwähnt, dass Ausbau, Betrieb und beginnende Sanierung des "Versuchsendlagers" Asse bereits zehn Miliarden Euro verschlungen haben – ein Vielfaches der ursprünglich veranschlagten Summe. Niemand kann ausschließen, dass sich in Zukunft ein ähnliches Desaster in einem betriebenen Endlager wiederholt, egal wie sorgsam dieses ausgewählt wurde. Handelt es sich dann noch um hochradioaktiven Müll, der wesentlich gefährlicher und komplizierter zu bergen ist als das Material in der Asse, dann bilden zehn Milliarden Euro nur einen Bruchteil dessen, was für die Sanierung gebraucht würde. Im Vergleich dazu wirkt der mühsam errungene Risikozuschlag von sechs Milliarden Euro geradezu lächerlich.

Auch die sogenannte Zwischenlagerung birgt enorme Risiken, und sie kommen innerhalb der nächsten Jahre bereits zum Tragen. Die bestehenden Lagerhallen bieten nicht viel mehr als einen Sicht- und Regenschutz. Zum Teil sind sie noch dünnwandiger als die Halle in Brunsbüttel, deren Betriebsgenehmigung durch ein Gerichtsurteil entzogen wurde. Die Sachverständige Oda Becker legte während des Prozesses dar, wie wenig das Gebäude gegen den Absturz eines Passagierflugzeuges oder den Angriff mit panzerbrechenden Waffen geschützt ist. Wenn man sich vor Augen hält, dass in nur einem befüllten Castor so viel Radioaktivität enthalten ist wie in Tschernobyl freigesetzt wurde, dann erahnt man vielleicht, was passieren kann, wenn ein Zwischenlager stark beschädigt wird.

Auch ohne äußere Einwirkungen können Rost und undicht werdende Stellen bei den Lagerbehältern zur verstärkten Freisetzung von Radioaktovität führen. Diese gelangt dann ungehindert durch die Lüftungsschächte in die Umgebung. Eine in dem Fall notwendige Umverpackung des Mülls ist wesentlich aufwändiger als man denken könnte. Da sie nicht im Zwischenlager stattfinden kann, erfolgt diese Prozedur im Gebäude des dazugehörigen Atomkraftwerks. Sobald der Rückbau jedoch abgeschlossen ist, fehlt auch der Schutzraum für die Umverpackung. Eine sogenannte heiße Zelle könnte diesen Zweck erfüllen, sofern sie denn errichtet wird.

So unzureichend die Zwischenlager auch sind – noch schwieriger wird die Situation, wenn deren Betriebszeit nach spätestens 40 Jahren ausläuft und ein Endlager noch nicht bereit steht. Allen Experten auf dem Gebiet ist klar, dass für diese Phase eine andere Art von Zwischenlagerung benötigt wird, und der Atommüll neu verpackt werden muss.

All diese Schritte sind sehr teuer, und sie wurden von der Atomfinanz-Kommission nicht annähernd berücksichtigt. Ein Posten, der zwar aufgeführt, doch stark unterschätzt wird, ist die "endlagergerechte Verpackung" des Mülls. Auch dafür – wie für jede Art von Umverpackung – soll der Staat aufkommen. Es sind übrigens Kosten, die mit jedem zusätzlichen Castor ansteigen. Da die Konzerne davon befreit werden sollen, können sie dann vollkommen sorglos Müll produzieren. Die Regierung würde also, sofern sie die Empfehlung der Kommission umsetzt, die Restlaufzeiten der AKW noch stärker gewährleisten, statt sie zu verkürzen.

Dass man die Kuh nicht schlachten soll, die man melken will – dieses viel beschworene Argument kann nicht für diese Klientelpolitik herhalten. Eine Beibehaltung der Nachschusspflicht bei steigenden Kosten würde die Stromkonzerne wohl kaum in den Ruin treiben. Nichts spricht dagegen, sie kontinierlich und entsprechend ihrer weiteren Einnahmen in den öffentlich-rechtlichen Fonds einzahlen zu lassen. Das würde ihnen den Zugang zu billigem Geld vielleicht erschweren. Für eine Risikobranche ist das allerdings nicht ungewöhnlich. Auch das frühzeitige Abschalten der Atomkraftwerke könnten die Konzerne ohne Weiteres verkraften.

Dass sie trotz der riesigen Vorteile für sie das "Kompromisspapier" zunächst abgelehnt haben, ist reine Taktik und zeugt von einer Dreistigkeit, die kaum zu überbieten ist.

 


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12.05.2016

Britisches AKW Hinkley Point wird noch teurer

Artikel aus derstandard.at

Die Kosten wachsen laut Projektbetreiber EdF womöglich auf umgerechnet 26,5 Milliarden Euro. Noch im Oktober lagen Schätzungen bei 23 Milliarden

Paris – Ein geplanter AKW-Neubau in Großbritannien könnte den französischen Versorger EdF mehr Geld kosten als gedacht. Das Projekt "Hinkley Point" werde womöglich umgerechnet rund 26,5 Mrd. Euro verschlingen, teilte das Unternehmen am Donnerstag vor seiner Hauptversammlung mit. Noch im Oktober wurden die Kosten auf rund 23 Mrd. Euro geschätzt.

Auf EdF könnten 17,5 Mrd. Euro der Summe entfallen, der Rest auf den chinesischen Partner CGN.

Von der endgültigen Investitionsentscheidung bis zur Inbetriebnahme des ersten Reaktors dürften neuneinhalb Jahre vergehen, teilte EdF mit. Die Entscheidung ist bereits einige Male verschoben worden, zuletzt auf September. Zunächst müssten drei Bedingungen erfüllt sein, hatte der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron gesagt. Dazu zähle unter anderem die Stärkung der finanziellen Lage von EdF. Zudem müssten die Pläne zum Bau des Atomkraftwerks realisierbar sein und mit den Gewerkschaften beraten werden.

Die französische Regierung, die 85 Prozent an EdF hält, hat den Konzern trotz der hohen Kosten aufgefordert, am britischen Atom-Neubau festzuhalten. "Hinkley Point" ist das erste neue AKW-Projekt in der Europäischen Union seit der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima 2011. Wegen der hohen Kosten trat zuletzt EdF-Finanzchef Thomas Piquemal zurück. Auch die Aufsichtsbehörden haben vor Risiken gewarnt.

(APA/Reuters, 12.5.2016)

 


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11.05.2016

Mängel bei Akw-Lieferungen?

Artikel von Bärbel Nückles, aus badische-zeitung.de

Weltweit verbaute Stahlteile aus der französischen Reaktorschmiede in Le Creusot sollen fehlerhaft sein.

STRASSBURG. In Frankreichs Reaktorschmiede in Le Creusot sollen seit Jahrzehnten Qualitätskontrollen gefälscht worden sein. Betroffen seien, das berichtete die französische Wirtschaftszeitung "Les Echos", mindestens 400 Komponentenlieferungen, die während der vergangenen 50 Jahre in Kernkraftwerken weltweit verbaut wurden.

Stahlteile aus Frankreich wurden unter anderem im schweizerischen Akw Beznau verwendet, das just wegen Unregelmäßigkeiten im Material des Druckbehälters stillsteht. Auch Fessenheim an der deutsch-französischen Grenze im Elsass gehört zu den mutmaßlichen Schwachstellen, sagt Jean-Paul Lacôte von der elsässischen Umweltschutzorganisation Alsace Nature und Mitglied der lokalen Überwachungskommission Fessenheim. Die Schmiede von Le Creusot gehört erst seit 2006 zum französischen Atomkonzern Areva, hat jedoch Druckbehälter für den gesamten französischen Nuklearpark, also für 58 Reaktoren, hergestellt.

Die Atomaufsicht verlangt nun eine Klärung

Von dort stammt auch der Druckbehälter für den Reaktor des modernsten Typs, den EPR, den Areva im Auftrag des Stromkonzerns Electricité de France (EdF) bei Flamamville in der Normandie errichtet. Nachdem die Atomaufsicht im vergangenen Jahr dort Produktionsmängel im Reaktorstahl ausgemacht hatte, wurden die Produktionsbedingungen in Le Creusot genauer untersucht. Nach den neuesten Enthüllungen verlangt die Atomaufsicht nun binnen zwei Wochen eine Klärung.

Die Mehrzahl der französischen Meiler stammt aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Die beiden Reaktoren in Fessenheim sind seit 1977 in Betrieb. Schon wenige Jahre später wurden dort Risse im Material der Druckbehälter bekannt. Der Akw-Betreiber EdF bestritt stets, dass daraus ein Sicherheitsrisiko abzuleiten sei.

Im Zusammenhang mit den Zehnjahresinspektionen in Fessenheim 2009/ 2011 konnte die Atomaufsicht zwar keine Mängel erkennen. Für Kritiker wie die französische Atomphysikerin Monique Sené, die für die lokale Überwachungskommission Fessenheim (Clis) den Prozess damals begleitet hat, war die Materialermüdung an den beiden Rektoren aber nicht zweifelsfrei dokumentiert. Ein Makel, der mit den neuen Enthüllungen neue Nahrung bekommt. "Mit ihrem Gebaren", sagt Sené, "gräbt sich die französische Atomindustrie ihr eigenes Grab." Bislang ist aber unklar, in welchem Ausmaß Manipulationen an den Produktionsprotokollen vorgenommen wurden und welches Risiko damit einhergeht.

Jean-Paul Lacôte, der auch dem französischen "Komitee für Transparenz und nukleare Sicherheit", der staatlich legitimierten Dachorganisation der lokalen Überwachungskommissionen, angehört, sagt, diese versuche seit einem halben Jahr vergeblich, Informationen über mögliche Produktionsmängel in Le Creusot zu bekommen. Kein gutes Licht wirft das Verhalten jedenfalls auf den Konzern und die gesamte französische Atombranche. Sowohl Areva wie EdF, die sich beide mehrheitlich in Staatsbesitz befinden – sind laut Gesetz zur Transparenz verpflichtet. Mit den erneuten Anschuldigungen steht auch der künftige Export des EPR auf dem Spiel. Er sollte neues Aushängeschild der französischen Atomindustrie werden.

 


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