Aktuelles - Neues vom Atom

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01.02.2016

Belgische AKW Doel und Tihange

Zu marode für kühles Kühlwasser

Artikel von Jürgen Döschner aus www.tagesschau.de

Der Begriff legt es nahe: Kühlwasser soll in einem AKW eine Überhitzung verhindern. Doch die belgischen AKW Doel und Tihange sind offenbar so brüchig, dass selbst Kühlwasser eine Gefahr für die Gebäude darstellt. Nach WDR-Informationen muss es erhitzt werden.

Es klingt absurd, aber es scheint der einzige Weg zu sein, um eine Katastrophe zu verhindern: In den beiden belgischen Atomkraftwerken Tihange-2 und Doel-3 muss ausgerechnet das Kühlwasser vorgeheizt werden. Es geht um jeweils rund 1,8 Millionen Liter, die für die Notkühlung im Falle eines größeren Störfalls bereitgehalten werden müssen.

Üblicherweise hat dieses Kühlwasser eine Temperatur von unter zehn Grad. In Tihange und Doel jedoch hat die Atomaufsicht bereits 2012 angeordnet, dieses Notkühl-Wasser auf 30 Grad vorzuheizen. Anlass für diese eigentümliche Anordnung ist die Tatsache, dass man seinerzeit Tausende feiner Risse in den Reaktordruckbehältern der beiden Atomkraftblöcke festgestellt hatte.

Es droht ein thermischer Schock

Würde nun in diese rissigen, unter hohem Druck stehenden Stahlbehälter plötzlich und in großer Menge kaltes Wasser eingefüllt, dann könnte ein sogenannter thermischer Schock diese Behälter beschädigen oder gar zerstören. Die Folge wäre - ähnlich wie in Fukushima - ein teilweiser oder völliger Kühlmittelverlust und letztlich eine Kernschmelze.

Das Vorheizen des Notkühl-Wassers soll die Temperaturdifferenz zwischen dem Druckbehälter und dem eingeleiteten Wasser verringern - und damit die Belastung für den vorgeschädigten Stahlbehälter.

Im Dezember vergangenen Jahres hat nach Informationen des WDR die belgische Atomaufsicht ihre Anweisung sogar noch erheblich verschärft. In einem Bericht vor dem belgischen Parlament hat der Chef der Brüsseler Atomaufsichtsbehörde FANC angekündigt, man werde die Vorheiztemperatur - zumindest für den Reaktor in Doel - auf nicht weniger als 45 Grad erhöhen.

Der Betreiber der Anlage, die Firma Electrabel, spricht von mindestens 40 Grad. Damit geht man bis ans Limit, denn ab 50 Grad Celsius wäre das Wasser zu warm, um damit einen abgeschalteten Atomreaktor zu kühlen.

Mit dieser Maßnahme gestehen Atomaufsicht und Betreiberfirma ein, dass es um die Festigkeit der Reaktordruckbehälter in Doel und Tihange offenbar noch schlechter bestellt ist, als bislang öffentlich zugegeben.

"Schon unter normalen Umständen unsicher"

Das "Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie" sieht in der jüngsten Meldung einen "Beleg dafür, dass die ReakSonst nur in Russlandtoren schon unter normalen Umständen unsicher" seien. "Ein spontanes Bersten des Reaktordruckbehälters kann nicht mehr ausgeschlossen werden", erklärte Jörg Schellenberg, der Sprecher des Bündnisses, gegenüber dem WDR.

Sonst nur in Russland

Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) bestätigte, dass das Vorheizen von Notkühl-Wasser ein mehrfach angewandtes Verfahren sei, um Reaktoren mit beeinträchtigten Druckbehältern weiter in Betrieb zu halten. Allerdings sind den Kölner Experten neben Belgien nur noch Fälle aus Russland und anderen osteuropäischen Staaten bekannt.

 


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