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Aktuelles - Neues vom Atom

AKW-Symbol 64x64 px (Grafik: Hendrik Tammen Lizenz: cc-by)

In diesem Bereich sammeln wir Artikel und Informationen rund um das Thema 'Atom' aus den verschiedensten Quellen.

Artikel die sich nicht mehr hier in 'Aktuelles' befinden, sind inzwischen wahrscheinlich im 'THTR Rundbrief' oder in dem Bereich 'Zeitungsarchiv - Wichtige Artikel' zu finden.

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Pressemitteilung 21.07.2014

Massive Proteste im Falle von Jülicher Castor-Transporten angekündigt!

Umwelt- und Anti-Atom-Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet kündigen für den Fall von Castortransporten vom AVR-Zwischenlager aus Jülich massive Proteste entlang der gesamten Strecke an.

In Jülich lagern 152 Castoren mit hochradioaktivem Müll aus Brennelementen. Offensichtlich ist das Forschungszentrum Jülich (FZJ) bisher weder in der Lage, eine rechtssichere Genehmigung für das Zwischenlager noch eine Transportgenehmigung für die Castoren zu erwirken. Ob dieser Zustand durch das FZJ bewusst herbeigeführt wurde oder auf Inkompetenz zurückzuführen ist, kann nur vermutet werden.

Aktuell versucht das FZJ in Zusammenarbeit mit dem Land und dem Bund, den Atommüll zur Wiederaufarbeitung in die USA zu verschieben. Juristisch ist ein Export von Atommüll aber nur für Forschungsreaktoren zulässig. Der AVR ist jedoch ein Versuchsreaktor zur kommerziellen Stromerzeugung (1967 – 1988). Somit ist der Export illegal. Um das geltende Atomgesetz zu umgehen, soll nun die dreiste Umdeklaration des AVR (Arbeitsgemeinschaft VersuchsReaktor) in einen Forschungsreaktor erfolgen. Gleiches gilt für die 305 Castoren aus dem stillgelegten Kugelhaufenreaktor Hamm-Uentrop, die derzeit in Ahaus lagern. Diese sollen laut öffentlicher Bekanntmachung des US-Energieministeriums gleich mit in die USA geschickt werden – auch dies ist illegal!

Scheitern die USA-Pläne, droht weiterhin eine Verschiebung der „Westcastoren“ in das Zwischenlager Ahaus. Schon 2013 mussten diese Pläne aufgrund von Protesten aufgegeben werden. Die Lagerhalle in Ahaus ist nicht wesentlich sicherer als die in Jülich, hat nur eine längere Genehmigung bis 2036. Der Müll muss zu einem späteren Zeitpunkt für eine Endlagerung konditioniert werden, dies ist in Ahaus nicht möglich, wohl aber in Jülich. Grundlage jeder Planung muss die Vermeidung von Atomtransporten sein und damit eine unnötige Gefährdung der Bevölkerung.

Das Motto „Nichts rein! Nichts raus!“ ist Konsens bei den Unterzeichnern. Jeglicher Atommüll-Transport wird grundsätzlich abgelehnt, solange kein bundesweites Atommülllager existiert. Stattdessen wird der Verbleib des Atommülls in einem erdbebensicheren und zugelassenen Zwischenlager am Standort Jülich gefordert.

Bei einem bundesweiten Treffen der Anti-Atom- und Umwelt-Organisationen wurde beschlossen, im Falle der Castortransporte den gesamten bundesdeutschen AKW-Widerstand auf die Transportstrecken zu verlagern. Schwerpunkte werden dabei Jülich und das Ziel Ahaus (bzw. Nordenham beim USA-Export) sein. Aber auch auf den möglichen Transportrouten werden lokale Initiativen die gesamte Bandbreite des Widerstandes auf die Straße bringen – nach dem Vorbild der erfolgreichen Aktionen in Gorleben.

Der gescheiterte hochkontaminierte AVR-Behälter soll in Kürze um 90 Grad gekippt und anschließend um ca. 200 Meter in ein eher behelfsmäßiges Zwischenlager verschoben werden. Alternativen zu diesem weltweit einmaligen und hochgefährlichen Vorhaben wurden nicht ausreichend untersucht! Auch auf Grund des neuen Erdbebengutachtens ist eine Verschiebung des Reaktors abzulehnen. Warum der verseuchte Reaktor in Jülich bleiben soll, die Castoren wegen angeblicher Erdbebengefahr aber unbedingt weg müssen, bleibt schleierhaft.

Unterzeichner (alphabetisch):

Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie - www.anti-akw-ac.de
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen - www.keincastornachahaus.de
Aktionsbündnis Stop Westcastor - www.westcastor.de
AntiAtomBonn - www.antiatombonn.de
Anti-Atom-Bündnis Niederrhein - www.antiatom-buendnis-niederrhein.de
Anti-Atom-Gruppe Osnabrück - www.antiatomgruppe-osnabrueck.de
Anti_Atom_Plenum Köln - www.antiatomkoeln.de
Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad - www.ag-schacht-konrad.de
Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau - www.aku-gronau.de
Atomfree Japan e.V. - www.atomfreejapan.org
Atomkraftfreie Welt-Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V. - www.sayonara-genpatsu.de
Attac Inde-Rur - www.attac-netzwerk.de/inde-rur/
Attac-Mönchengladbach - www.attac-netzwerk.de/Moenchengladbach
BUND für Umwelt und Naturschutz Landesverband NRW e.V. - www.bund-nrw.de
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) - www.bbu-online.de
Bündnis Strahlenzug Mönchengladbach - www.strahlenzug.de
Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ - www.bi-ahaus.de
Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm - www.reaktorpleite.de
Cattenom Non Merci e.V. - www.cattenom-non-merci.de
“freischaffende AtomkraftgegnerInnen Moers”
Länderübergreifendes Bündnis "Stop Tihange" - www.stop-tihange.org
Leute vom „widerStandsNest Metzingen“ - www.netzwerk-antiatom.de/l/widerstands-nest
Natur- und Umweltschutzverein Gronau (NUG) - http://de.indymedia.org/2013/10/349101.shtml
Redaktion der „anti atom aktuell“ - www.anti-atom-aktuell.de
SofA Münster (Sofortiger Atomausstieg) - www.sofa-ms.de
umweltFAIRaendern.de - www.umweltfairaendern.de
Wegberger Montagsspaziergänger gegen Atomkraft

Unterstützung aus den USA:

Savannah River Site Watch, Columbia, South Carolina (USA) - www.srswatch.org - Kontakt: Tom Clements - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Pressekontakt:

Siegfried Faust - Mobil: 0157-75075598 - (Stop Westcastor/Jülich)
Willi Hesters - Mobil: 0151-15715780 - (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen)


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14.07.2014

Atommüll Entsorgung: Atommüll soll in die USA exportiert werden

Von Joachim Wille in fr-online.de

Grüne Kernkraftgegner kritisieren Entsorgungspläne für radioaktive Abfälle.
Streit um Reaktor in Jülich. Es besteht die Möglichkeit, dass der Atommüll künftig in die USA gebracht wird.

Große Hoffnungen ruhten einstmals auf dem „Hochtemperatur-Reaktor“. Er sollte ein Technik-Schlager made in Germany werden – ohne Gefahr eines Super-GAU wie bei den herkömmlichen AKW-Typen und nicht nur Strom, sondern auch Wärme liefern. Doch die beiden Prototyp-Reaktoren, die in Jülich und Hamm (beide in NRW) gebaut wurden, floppten.

Übrig blieben große Mengen Brennelemente, und um deren Entsorgung gibt es Streit. Das Kernforschungszentrum Jülich (FZJ), dem der Atommüll eines der Reaktoren gehört, würde sie gerne in die USA loswerden. Umweltverbände und Grüne protestieren.

Der relativ kleine Versuchsreaktor (Kürzel AVR) in Jülich lief von 1966 bis 1988. Die 290.000 kugelförmigen Brennelemente liegen seither in einem Zwischenlager am Reaktor in 152 Castorbehältern. Die zuständige Atom-Aufsichtsbehörde, das NRW-Wirtschaftsministerium, verlangt nun vom Forschungszentrum die Räumung dieses Lagers. Hintergrund ist, dass für die Castor-Halle unter anderem die Erdbebensicherheit bisher nicht nachgewiesen worden ist. Das Ministerium forderte das Forschungszentrum mit einem Ultimatum auf, bis Ende September ein Entsorgungskonzept und die dafür nötigen Genehmigungen vorzulegen.

Die Atomgegner empören sich darüber, dass das Jülicher Zentrum mit Unterstützung der Forschungsministerien von NRW und Bund eine Entsorgung der Brennelemente nicht in Deutschland, sondern in den USA anstrebt. Das ergibt sich aus einer Absichtserklärung („Statement of Intent“), das die deutschen Stellen im Frühjahr mit dem US-Energieministerium unterzeichnet haben.

In dem Text heißt es: Es solle geprüft werden, ob der Atommüll zum militärischen US-Atomkomplex „Savannah River Site“ im Bundesstaat South Carolina gebracht und dort weiterverarbeitet werden kann.

Der Knackpunkt: Die abgebrannten Brennelemente dürfen nicht exportiert werden, wenn es sich um Abfall aus kommerziellen AKW handelt, die zur Stromproduktion eingesetzt werden. Deren Wiederaufarbeitung im Ausland ist laut Atomgesetz seit 2005 verboten. Außerdem schreibt auch das 2013 verabschiedete neue Endlagersuchgesetz vor, dass in Deutschland erzeugter Atommüll national entsorgt werden muss.

Trotzdem prüft das Jülicher Zentrum seit Mitte 2012 die Entsorgung in den USA. Offenbar war das eine Reaktion auf die Proteste, die sich damals gegen den geplanten Transport der Castor-Behälter in das zentrale Zwischenlager im westfälischen Ahaus erhoben. Die Atomgegner werfen FZJ und Ministerien vor, dazu einen Trick zu verwenden, indem sie den AVR-Reaktor zum „Forschungsreaktor“ umdefinieren, dessen Atommüll nicht unter das Ausfuhrverbot fällt. Tatsächlich heißt es in der Absichtserklärung, das ursprünglich aus den USA stammende Uran sei „in Deutschland zu Forschungs- und Entwicklungszwecken“ benutzt worden.

Klar ist: Weder der AVR noch der größere Reaktor in Hamm, der 1989 nach nur zwei Jahren Laufzeit wegen eines Störfalls stillgelegt wurde, waren klassische Forschungsreaktoren, wie sie in der Wissenschaft für physikalische und materialtechnische Untersuchungen oder zur Produktion von Radionukliden für Medizin und Technik eingesetzt werden. Eigner des Jülicher Reaktors waren 15 kommunale Stromversorger, darunter die Stadtwerke von Aachen, Wuppertal und München, die mit dem AVR die Machbarkeit des neuen Reaktorkonzepts zum Strom- und Wärmeproduktion zeigen wollten. Die Anlage wird denn auch in der Statistik der Internationalen Atombehörde (IAEA) als „Power Reactor“, also Reaktor für die Stromproduktion, gelistet, nicht als „Research Reactor“ (Forschungsreaktor).

Das Forschungszentrum liefert eine andere Interpretation: Der AVR habe „zwar auch Strom erzeugt, prägend für den Betrieb der Anlage war jedoch der Forschungs- und Entwicklungszweck“, sagte ein Sprecher auf FR-Anfrage. „Die derzeit geprüfte Option der Verbringung der Brennelemente in die USA wäre daher rechtlich zulässig.“ Das FZJ sieht sich darin auf einer Linie mit den Aufsichtsbehörden: Den Charakter des AVR als „nicht gewerblich betriebener Versuchsreaktor“ hätten sowohl das NRW- als auch das Bundesforschungsministerium bestätigt.

Diese Argumentation weist der früherer FZJ-Mitarbeiter Rainer Moormann zurück: „Der AVR war zwar ein Zuschussgeschäft, und die Betreiber haben viel Geld hineingepumpt. Doch es war eindeutig ein Prototyp, kein Forschungsreaktor“. Die Brennelemente, die dort eingesetzt wurden, seien identisch mit denen des Leistungsreaktors in Hamm. Der inzwischen pensionierte Chemiker Moormann war Sicherheitsexperte im Forschungszentrum. Die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, kritisierte den Export-Plan heftig: „Ein Transport der abgebrannten Brennelemente in die USA verstößt gegen alle Prinzipien, die wir uns nicht zuletzt auch mit dem Standortauswahlgesetz gegeben haben.“ Der AVR sein eindeutig ein Versuchsreaktor gewesen, es handele sich also nicht um Forschungsmüll. „Dieser Atommüll ist hier zu entsorgen“.

Kotting-Uhl verweist darauf, dass auch laut den in bisherigen Genehmigungen für die Zwischenlagerung der Jülicher Castoren eine „Ablieferung in ein Endlager“ vorgesehen war. Die Grüne hält es wie Greenpeace-Experte Heinz Smital für die beste Option, ein neues und erdbebensicheres Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums oder in unmittelbarer Nähe zu errichten.

Das Bundesforschungsministerium in Berlin hält sich in der Frage bedeckt. Entscheidungen seien noch nicht getroffen, der US-Export sei „eine der Optionen, die geprüft werden.“ Das Bundesumweltministerium wiederum, das einem Export in die USA zustimmen müsste, verwies auf die anderen Häuser: Über den Verbleib der Brennelemente hätten „zunächst die NRW-Landesregierung sowie das Bundesforschungsministerium zu entscheiden.“ Und: „Ein Genehmigungsantrag auf Verbringung der Behälter in die USA liegt nicht vor.“

Dass der, wenn er käme, mächtig Ärger bringen könnte, liegt jedoch auf der Hand. Als 2010 bekannt wurde, dass Atommüll aus dem Ex-DDR-Forschungsreaktor Rossendorf nach Russland transportiert werden sollte, stoppte der damalige Minister Norbert Röttgen (CDU) das Projekt. Zu der Parallele hieß es im Umweltministerium nur: „Wir spekulieren nicht über Anträge, die nicht vorliegen.“

Protest in den USA

Als Zielort für den Atommüll aus Jülich ist der US-Atomkomplex „Savannah River Site“ im Bundesstaat South Carolina im Gespräch. In der Anlage wurde in der Vergangenheit Material für Atombomen verarbeitet, es existieren dort fünf stillgelegte militärische Reaktoren, die zur Produktion von Plutonium und Tritium dienten.

Weiterhin gibt es dort zwei atomare Wiederaufarbeitungsanlagen, von denen noch eine in Betrieb ist. Große Probleme bereiten unter anderem rund 180 Millionen Liter flüssiger, hoch radioaktiver Abfälle, die in teils undichten Tanks aus den 1950er Jahren gelagert werden. Sie müssen umgepumpt und verglast werden.

US-Atomgegner haben gegen eine mögliche Aufnahme der Brennelemente protestiert, zu der das US-Energieministerium derzeit eine Umweltverträglichkeitsprüfung plant. Die Organisation „Savannah River Site Watch“ erklärte: „South Carolina will nicht Deutschlands Atommüllkippe werden.“ Man lehne den Plan ab, bei dem nur die Atomanlage und Deutschland profitierten, „die US-Bevölkerung aber draufzahlt“.

 


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12.07.2014

Fast 1000 heimliche Atomtransporte seit 2012

Von Birgit Marschall in rp-online.de

In Deutschland haben zwischen Anfang 2012 und Ende Mai 2014 insgesamt 988 Atomtransporte stattgefunden, von denen die Bevölkerung in der Regel nichts erfuhr. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

"Die jeweiligen Sicherungskategorien sowie die Routen können nicht veröffentlicht werden, da diese Angaben als Verschlusssache eingestuft sind", heißt es in der Antwort. Ein großer Anteil der Atomtransporte stand im Zusammenhang mit der Urananreicherungsanlage im nordrhein-westfälischen Gronau: Allein 186 Mal hätten auf deutschen Straßen und Schienen Atomtransporte von und zur Uranfabrik in Gronau stattgefunden, wie aus den Daten des Bundesamtes für Strahlenschutz und des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hervorgeht.

Die Uranfabrik in Gronau und eine weitere Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen sind vom Atomausstieg ausgenommen. Beide Anlagen produzieren Kernbrennstoffe für Kunden in aller Welt. Dafür benötigen sie Uran aus dem Ausland, das zumeist über den Hamburger Hafen nach Deutschland gelangt. Bei den Atomtransporten geht es nicht um hochradioaktives Material. Allerdings kann etwa das in Tanks importierte Uranhexafluorid, mit dem spaltbares Uran angereichert wird, schwere gesundheitliche Schäden verursachen, wenn es zu Unfällen kommt.

"Auf geheim gehaltenen Routen durchfahren teilweise hochgefährliche Atomtransporte über Tausende von Kilometern täglich die Bundesrepublik", kommentierte Linken-Politiker Hubertus Zdebel. "Ein Unfall vor allem mit den Transporten von Uranhexafluorid könnte verheerende Folgen bis zum Tod von Menschen haben", warnte er. In Gronau solle demnächst eine Lagerhalle für 60 000 Tonnen dieses radioaktiven Abfalls in Betrieb gehen. Er forderte die Bundesregierung auf, die Bürger über die Atomtransporte und ihre Gefahren zu informieren.

Siehe zu dem Thema auch 'Europas Atomtransporte'


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03.07.2014

Anti-Atomkraft-Initiativen empört über Castor-Fiasko in Jülich

extremnews.com

Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland und Jülich sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) reagieren mit Empörung auf die vom NRW-Wirtschaftsministerium angekündigte Räumung des Castor-Zwischenlagers im Forschungszentrum Jülich. Dort lagern 152 Castoren mit 300 000 hochradioaktiven Brennelementkugeln. Jahrzehntelang ignorierten die Bundesregierung und die NRW-Landesregierung als Eigentümer des Forschungszentrums die ungelösten Probleme der sicheren Atommüllentsorgung. Nun stehen beide Regierungen vor dem Scherbenhaufen ihres politischen Versagens. „Es gibt keinen Ort, an dem der hochradioaktive Atommüll sicher entsorgt werden könnte, weder in der Leichtbauhalle des Zwischenlagers Ahaus noch in den momentan bevorzugten US-Atomanlagen – gefährliche Castor-Transporte sind definitiv keine Lösung,“ erklärte Udo Buchholz vom BBU.

Völlig unklar ist, wie ausgerechnet jetzt die Erdbebensicherheit in Jülich zum zentralen Thema wurde. Warum wurde die Erdbebensicherheit nicht untersucht, als der AVR-Hochtemperaturreaktor in Jülich noch in Betrieb war? Warum spielte das Thema auch 25 Jahre lang nach der Stilllegung des Pannenreaktors keine zentrale Rolle? Hier gibt es sehr viele offene Fragen an die Atomaufsicht in der Düsseldorfer Landesregierung.

Vor dem Hintergrund des Castor-Fiaskos von Jülich fordern der BBU und die Anti-Atomkraft-Initiativen von der NRW-Landesregierung, die aktuell bevorstehende Inbetriebnahme des neuen riesigen Uranmülllagers für 60 000 Tonnen Uranoxid an der Urananreicherungsanlage Gronau zu verhindern. „Die NRW-Landesregierung darf jetzt nicht in Gronau sehenden Auges das nächste Atommülldesaster heraufbeschwören. Ein neues Atommüll-Zwischenlager in NRW ist unverantwortlich. Stattdessen muss die Urananreicherungsanlage Gronau stillgelegt werden, damit nicht noch mehr Atommüll produziert wird,“ so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Die zeitlich unbefristete Uranmülllagerung in Gronau wird am jetzigen Freitag, 4. Juli, um 15 Uhr auf Antrag der Piraten Thema im Düsseldorfer Landtag sein. Die Piraten fordern eine Aussetzung der Inbetriebnahme zumindest bis die Endlagersuchkommission Ergebnisse vorlegt.

Die Anti-Atomkraft-Initiativen kündigen Proteste sowohl gegen die drohenden Castor-Transporte durch NRW sowie gegen die geplante Inbetriebnahme des Uranmülllagers in Gronau an. „Die Anti-Atomkraft-Initiativen aus NRW haben schon 2012 gemeinsam die Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus verhindert, wir werden dies wieder tun, egal in welche Richtung die Castoren fahren. Und die zeitlich unbefristete Uranmülllagerung in Gronau ist eine Zumutung,“ so Heiner Möllers, Vorsitzender der BI „Kein Atommüll in Ahaus“.

Quelle: Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)


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02.07.2014

Brennelemente dürfen nicht mehr in Jülich bleiben

rp-online.de

Jülich - Die 152 Castor-Behälter mit hoch radioaktiven Brennelementen dürfen nicht länger im Lager am früheren Atomforschungszentrum Jülich bleiben. Die Atomaufsicht des Landes Nordrhein-Westfalen hat die Räumung angeordnet.

Das Forschungszentrum habe bis Ende September ein detailliertes Konzept zur Entfernung der Kernbrennstoffe aus dem Lager vorzulegen und für die dafür erforderlichen Genehmigungen zu sorgen, teilte das Düsseldorfer Wirtschaftsministeriums am Mittwoch mit.

Grund sei eine Information des Bundesamts für Strahlenschutz, wonach eine Prognose zum Abschluss des laufenden Verfahrens für eine reguläre Genehmigung nicht möglich sei. Die Untersuchungen zur Erdbebensicherheit seien nicht abgeschlossen. "Deswegen werden jetzt Konsequenzen gezogen", sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums Mirjam Grotjahn. Das Land hatte die Lagerung zwei Mal in Übergangsregelungen erlaubt.

Bund und Land hatten lange über die Lagerung gestritten. Die Brennelemente sollten jetzt vorerst in Jülich bleiben und später in das Herkunftsland USA gebracht werden. Das Forschungszentrum hatte beim Bundesamt für Strahlenschutz den Antrag für die weitere reguläre Lagerung bis Mitte 2016 gestellt. Vor einem Jahr hieß es schon, dass noch Unterlagen für das Verfahren fehlten.

Das Wirtschaftsministerium machte keine Angaben dazu, bis wann das Lager geräumt werden muss, wohin das strahlende Material gebracht wird und auf welchem Weg. Jetzt müsse das Forschungszentrum erst einmal ein detailliertes Konzept vorlegen. "Alles andere muss man dann sehen", sagte Grotjahn.

Das Forschungszentrum sei angewiesen, dem Ministerium monatlich in schriftlicher Form über den Fortgang der Vorbereitungen zur Entfernung der Kernbrennstoffe berichten.

Die CDU-Landtagsfraktion sah in der Anordnung einer Bestätigung ihrer Haltung. Die CDU habe seit 2008 einen Abtransport des radioaktiven Materials für nötig und sinnvoll gehalten. Ein Neubau des Zwischenlagers sei aus zeitlichen Gründen nicht möglich. "Übrig bleibt nur die Möglichkeit des Abtransports in eine moderne Aufbewahrungsstätte", hieß es in einer Mitteilung.


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04.06.2014

Deutscher Atommüll soll in die USA

Elke Brandes und Ralf Streck in telepolis

Getarnt als Material zur Wiederaufarbeitung soll Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich ins US-Atomwaffenzentrum in South Carolina verschifft werden

Atomkraftgegner in den USA haben herausgefunden, dass es seit drei Jahren konkrete Verhandlungen darüber gibt, Atommüll mit hoch angereichertem Uran aus dem havarierten AVR-Kugelhaufenreaktor im Forschungszentrum Jülich ins Atomwaffenzentrum Savannah River Site in South Carolina zu bringen. Tatsächlich drängt die Zeit, denn in Jülich musste die Betriebsgenehmigung für die Lagerung schon zwei Mal außerordentlich verlängert werden. Dass Atommüll in den USA sicher gelagert werden könnte, daran werden die Zweifel angesichts der Vorgänge in einem Lager für mittelradioaktiven Müll immer größer.

Immer mal wieder fallen negative Schlaglichter auf den 1988 havarierten und stillgelegten AVR-Kugelhaufenreaktors im Forschungszentrum Jülich (FJZ). Eine Expertenstudie kam 2008 zu dem Ergebnis, dass der Reaktor einst nur knapp an einer Katastrophe "vorbeigeschlittert" sei. Erst kürzlich wurde ein Bericht erstellt, der die wesentliche Kritikpunkte aus der Zeit bestätigte. "Der AVR hätte nie betrieben werden dürfen, weil er hochgradig unsicher war", bekräftigt der FZJ-Sicherheitsforscher Rainer Moormann, der einst auf die gravierenden Probleme hingewiesen hatte.

Damit nicht genug, wurde auch bekannt, dass strahlender Müll aus dem Reaktor ebenfalls im einstürzenden und absaufenden "Versuchsendlager" Asse versenkt wurde. Mehr als 100 Fässer mit verstrahlten AVR-Graphitkugeln wurden dort eingelagert. Es zeigte sich erneut, wie schlampig sowohl auf Seiten der Reaktorbetreiber und im Endlager Asse mit den hochgefährlichen Stoffen umgegangen wurde. So ist nur die Anzahl der gelieferten und eingelagerten Fässer dokumentiert worden.

Deshalb musste die Anzahl der verstrahlten Kugeln im Nachhinein geschätzt werden, die nun in der Asse auf die teure Rückholung warten (Hohe Radioaktivität in der Asse). Und 2011 kam es dann erneut zu Schlagzeilen, weil in Jülich sogar fast 2300 Brennstoffkugeln mit hoch angereichertem Uran "vermisst" wurden.

Brennelementkugeln sollen in die USA verschifft werden

Klar ist, dass in einem Zwischenlager in Jülich derzeit in 152 CASTOR-Behältern fast 300.000 intakte abgebrannte Brennelementkugeln lagern und die sollen nun offensichtlich in die USA verschifft werden. Die Zeit drängt, denn die Betriebsgenehmigung für die Lagerung in Jülich ist schon vor fast einem Jahr abgelaufen und wurde zwei Mal noch bis zum kommenden Juli verlängert.

Telepolis liegt eine am 1. April unterzeichnete Absichtserklärung zwischen der US Energiebehörde (Department of Energy, DOE), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Nordrhein-Westfälischen Wissenschaftsministerium vor, die einen Export des Atommüll in die USA vorsieht.

Als Begründung für den Atommüllhandel wird darin unter anderem genannt:

Die Annahme des Brennstoffes würde durch die US-Richtlinie zur Minimierung von hoch angereichertem Uran (highly enriched Uranium, HEU) unterstützt. Mit dieser Richtlinie beabsichtigt die US Energiebehörde, HEU im zivilem Handel zu reduzieren und schließlich vollständig zu entfernen, indem sie das aus den USA stammende HEU in Brennstoffen aus Deutschland entfernt und zur sicheren Lagerung zurück in die USA bringt, wo es in eine Form umgewandelt wird, in der es nicht mehr für Atomwaffen oder anderes improvisiertes Gerät zur Verbreitung von nuklearem Material genutzt werden kann. Die Lagerung des Brennstoffes würde auch den Zielen des Atom-Sicherheitsgipfels in 2014 beisteuern.

Auf Anfrage von US-Umweltschützern und Umweltschützerinnen hatte die DOE mitgeteilt, dass ein Umweltgutachten für die Aufnahme von etwa 900 kg hoch angereichertem Uran in das Atomwaffenzentrum Savannah River Site (SRS) bei Aiken in South Carolina in Auftrag geben wurde

Hintertüren

Dort soll der Atommüll laut der Vorvereinbarung angeblich zu seiner Aufarbeitung gelagert werden. Bestätigt wurde damit ein Bericht des Spiegels aus dem vergangenen Jahr, wonach deutsche und US-amerikanische Behörden über einen möglichen Export von knapp 300.000 abgebrannten Graphitkugeln aus dem AVR-Reaktor in Jülich verhandeln.

Nun ist klar, dass die Verhandlungen sich schon über drei Jahre hinziehen. Hier drängt sich geradezu der Eindruck auf, dass in den USA ein neuer Abnehmer für den strahlenden Müll gesucht wurde, nachdem die Versuche vor gut drei Jahren gescheitert waren, Atommüll in großem Stil nach Russland zu verfrachten.

Der Spiegel hatte auch darüber berichtet, dass dieser Atommüll-Export in die USA über eine Hintertür in dem im Sommer letzten Jahres verabschiedeten Endlagersuchgesetz möglich ist. Denn das lässt den Export von Atommüll aus Forschungszentren zu. Tatsächlich handelte es sich beim Jülicher AVR Reaktor aber ohnehin nicht um einen Forschungsreaktor.

Der Versuchsreaktor wurde von Energieunternehmen betrieben und speiste über 20 Jahre Strom ins Netz ein. Der AVR wurde zwar vom FJZ wissenschaftlich betreut und mit Betriebskostenzuschüssen unterstützt, war aber formal unabhängig.

Verhandlungen über weitere Abnahmen

Doch damit nicht genug, machen die lokalen Umweltschützerinnen und Umweltschützer von SRS Watch mit Bezug auf ihnen vorliegenden Daten deutlich, dass es bei den 152 Castoren mit dem Atommüll aus Jülich nicht bleiben soll. Denn verhandelt werde auch über die Annahme von weiteren 305 Castoren mit 605,000 Graphitkugeln aus dem THTR-300 in Hamm.

Dabei handelt es sich um das teure Debakel eines Atommeilers, der zwischen 1985 bis zur schnellen Stilllegung 1989 nur an 432 Volllasttagen in Betrieb war. Dafür wurde der Strom hoch subventioniert, denn neben offiziellen Subventionen gab es zudem für den erzeugten Strom eine Abnahmegarantie zu einem an der Steinkohleverstromung orientierten Preis, der damals um etwa 40 % über dem Abnahmepreis für andere Atommeiler lag.

Welche neue Hintertür gefunden wird, um auch diesen Müll in die USA zu schaffen, darauf darf man gespannt sein. Interessant ist vor allem die Argumentation der "Rücknahme" des Brennstoffs durch den Hersteller USA, die immer wieder verlautet wurde und auch in der Absichtserklärung auftaucht. Mit der Argumentation könnte Deutschland praktisch seinen gesamten Atommüll loswerden, indem es ihn an die Hersteller und Lieferanten zurück gibt.

"Kein Einlagerungsplan"

Atomkraftgegner und Umweltschützer wehren sich auf beiden Seiten des Atlantiks vehement dagegen, deutschen Atommüll in die USA zu verschiffen. Der Leiter der lokalen Umweltorganisation Savannah River Site Watch und langjährige Atomkraftgegner, Tom Clements, macht klar, dass unter dem Vorwand der Verhinderung der Verbreitung von Atomwaffen nun Atommüll in den USA entsorgt werden soll.

Das deutsche Atommüll-Dilemma, wie mit dem Atommüll umgegangen werden soll, darf aber kein Atommüllproblem für Savannah River Site werden.

Deutschland müsse ihn selbst entsorgen und unsinnige und gefährliche Transporte verhindern.

Auf Anfrage von Telepolis zweifelte Tom Clements daran, dass es gelingen werde, über die Umrüstung einer bestehenden Aufarbeitungsanlage aus den abgebrannten Graphitkugeln neue Brennstäbe für US-Atomkraftwerke herzustellen.

Während unklar ist, ob ein so unüblicher hochradioaktiver Müll überhaupt im SRS verarbeitet werden kann, ist sicher, dass es keinen Einlagerungsplan für den Müll gibt.

Bislang wurde eine geplante Umwandlung nur mit geringen Mengen im Labor erreicht. Auch die Energiebehörde gibt zu, dass die Entwicklung längst nicht abgeschlossen sei. Bisher seien 1,5 Millionen Dollar in das Projekt geflossen, doch müssten weitere 8,5 Millionen Dollar für die Fortführung zur Verfügung gestellt worden. Und Clements nimmt es der Energiebehörde nicht ab, dass sie den Import von deutschem Atommüll als Maßnahme zur Anti-Proliferation plane.

Obwohl das DOE behauptet, dass das Material sicher entsorgt würde, gibt es keinen Entsorgungsplan für hochradioaktiven Müll, und daher geht es im Grunde um den Transport ins SRS zur langfristigen oder endgültigen Lagerung.

Der Leiter von SRS Watch geht davon aus, dass ein Geschäft gemacht werden soll, um viel Geld in die leeren Kassen der SRS-Betreiber zu spülen. SRS Watch weist auch darauf hin, dass auf dem SRS-Gelände längst Atommüll aus anderen Ländern gelagert werde. Plutonium sei unter anderem schon aus Kanada, Belgien, Italien und Schweden angeliefert worden. Dazu lagern auf dem Gelände 180 Millionen Liter flüssigen hochradioaktiven Abfalls aus der Atomwaffenproduktion der 1950er Jahre. Die Tanks beginnen längst undicht zu werden, weshalb der Müll unter hohem finanziellem Aufwand in neue Behälter umgefüllt werden muss.

Dass mit einer angeblichen Rückholung des Atommülls in die USA gegenüber dem Partner Deutschland argumentiert wird, entbehrt tatsächlich jeder Logik. Oder wird der Bundesrepublik unterstellt, Handel mit atomwaffenfähigem Material zu betreiben? Wohl kaum, ohnehin hätte Deutschland auch trotz der Rücknahme der Graphitkugeln noch ausreichend Material dafür auf Lager. Die USA müsste also das gesamte strahlende Material aus Deutschland abnehmen, wenn diese Begründung ernst zu nehmen wäre.

450 Millionen Euro Exportkosten?

So dürfte tatsächlich eher der enorme finanzielle Druck eine bedeutende Rolle spielen, unter dem der SRS-Komplex steht. So bot sich die SRS zuletzt auch als Zwischenlager für US-amerikanischen Atommüll an, was aber zunächst durch den Einspruch von besorgten Bürgerinnen und Bürgern verhindert werden konnte.

Der Spiegel hatte im September 2013 veröffentlicht, dass für den Export des Atommülls aus Jülich 450 Millionen Euro im Gespräch seien. Das wäre weitaus mehr als der Bau eines neuen Zwischenlagers dort kosten würde. Erweitert man das gedanklich auf die mehr als doppelt so große Menge Atommüll aus dem THTR, dann könnte es sich um eine Größenordnung von über einer Milliarde Euro handeln.

Und mehr als kurios ist auch, wenn in der Absichtserklärung von einer "sicheren Lagerung" des Atommülls in den USA gesprochen wird. Bekannt ist, dass auch die USA - wie alle anderen Länder - über kein Endlager für hochradioaktiven Müll verfügen. Und die Vorgänge in der Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) im US-Bundesstaat New Mexico lassen erheblich Zweifel an einem verantwortlichen Umgang mit Atommüll in den USA aufkommen.

Dabei wurde in dem Salzstock nur langlebiger mittelradioaktiver Abfall aus der Atombombenproduktion eingelagert. Doch das Lager musste nach einem Unfall im Februar geschlossen werden, bei dem Plutonium freigesetzt wurde.

Aufplatzende Fässer

Inzwischen hat sich bestätigt, dass mindestens ein Atommüllfass wie erwartet aufgeplatzt ist, das aus der Atomwaffenfabrik Los Alamos kam. Die Inspektoren, die den Vorfall untersuchen, fanden heraus, dass zwar tatsächlich die Decke eingestürzt war. Aber das war offenbar nicht die Ursache für das Aufplatzen des Behälters, sondern es kam im Fass zu einer Explosion. Der Grund dafür war offenbar, dass falsches handelsübliches Katzenstreu beigemischt wurde.

Mit anorganischem Katzenstreu sollen die Nitrate im radioaktiven Material stabilisiert werden, so dass es nicht austrocknet und sich überhitzt.

Vermutet wird nun, dass aber auch organisches, aus Mais oder Weizen hergestelltes Katzenstreu verwendet wurde, was weitere Explosionen und damit die Freisetzung von Plutonium zur Folge haben könnte. Das große Problem besteht nun darin, heraus zu finden, welche Fässer mit dem falschen Katzenstreu befüllt wurden, die sich als explosive Zeitbomben im WIPP oder in den anderen Lagerstätten befinden.


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28.05.2014

Jede Menge Probleme beim E.ON-Meiler

AKW Grohnde bröselt weiter

Reimar Paul in der taz

GÖTTINGEN taz | Vor fünf Jahren feierte der Energiekonzern E.on mit Sekt, Musik und launigen Reden das 25-jährige Betriebsjubiläum seines Atomkraftwerks Grohnde. Als Gastredner würdigte Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) den „erfolgreichen und störfallfreien“ Betrieb des Meilers. In diesem Sommer fällt die Jubelfeier wohl aus. Denn 30 Jahre nach der Inbetriebnahme gibt es im AKW jede Menge Probleme.

Nach einem Ende April entdeckten Totalschaden am Generator ergaben Inspektionen, dass Druckfedern an neun von 132 sogenannten Drosselkörpern im Reaktor gebrochen sind - diese Teile sollen dafür sorgen, dass der Kühlwasserstrom an den Brennelementen gleichmäßig fließt. Wie lange das Ende April heruntergefahrene Kraftwerk abgeschaltet bleibt, ist derzeit nicht abzusehen.

Eon bezeichnet die Drosselkörper und deren Federn als „nicht sicherheitsrelevant“. Landesumweltminister Stefan Wenzel (Grüne) sieht das allerdings nicht so entspannt, für Dienstag hatte er Vertreter des Unternehmens nach Hannover einbestellt. Ein Ergebnis des Gesprächs: Neben Ministeriums-Experten und dem TÜV soll ein weiterer externer Gutachter das AKW in Augenschein nehmen.

Die Prüfung zum Befund, zu Auswirkungen der Federbrüche, zur Ursachenermittlung und zur Übertragbarkeit auf andere vergleichbare Bauteile werde fortgesetzt, kündigte Wenzel an: „Auf jeden Fall wird das Umweltministerium sicherstellen, dass die Anlage in Grohnde nur dann wieder ans Netz geht, wenn der sicherheitstechnisch unbedenkliche Betrieb nachgewiesen werden kann.“

Ein 400 Tonnen schwerer, offensichtlich gebrauchter Ersatzgenerator ist zwischenzeitlich mit einem Spezialschiff auf der Weser nach Grohnde gebracht worden. Wegen des niedrigen Pegelstandes der Flusses musste für den Transport eigens mehr Wasser aus der Edertalsperre in Hessen abgelassen werden. Atomkraftgegner besichtigten das Schiff während eines nächtlichen Halts in Hameln. „Wir haben unseren Augen nicht getraut, als wir sahen, dass der Generator an etlichen Stellen angerostet war“, sagt ein Aktivist der taz.

Unsinn, kontert E.on. Die Mutmaßung, es handele sich um ein Altgerät minderwertiger Güte, entbehre jeder Grundlage. „Der Generatorständer wies bei Anlieferung an der Außenhülle Flugrostspuren in Folge der Lagerung auf“, sagt zwar der Leiter der Elektrotechnik im Kraftwerk, Peter Schwarz. Dies lasse jedoch keinerlei Rückschlüsse auf die Qualität zu. „Der Flugrost wird nach Einbau im Kraftwerk beseitigt und die Hülle neu lackiert.“

„Alter Kack im neuen Lack“, kommentieren das die Atomkraftgegner. Sie fordern die endgültige Abschaltung des AKW Grohnde und bereiten eine Demonstration vor. Auch an der Börse werden die Ereignisse aufmerksam registriert. Analysten der französischen Großbank Société Générale bestätigten unter ausdrücklichem Verweis auf die Probleme in Grohnde eine Verkaufsempfehlung für E.on-Aktien.


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