Atommülllager-Betreiber informieren Rat ...

28.11.2017

Atommüll bleibt noch Jahrzehnte in Ahaus

Der Artikel erschien in www.halternerzeitung.de

Ahaus - Wann wird das Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus geschlossen? Die Antwort der Betreibergesellschaft dürfte vielen nicht gefallen.

Lustig – wenn man es denn so nennen darf – wurde es erst zum Schluss der zweistündigen Veranstaltung am Dienstagabend. Da berichtete UWG-Ratsherr Felix Ruwe davon, wie ein Castor-Deckel aus dem Ahauser Zwischenlager zu einem hiesigen Malermeister gebracht worden sei. „Der sollte den neu lackieren. Das hat er auch getan. Es gibt Fotos davon.“ Pressesprecher Burghard Rosen von der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung schilderte den Sachverhalt ein wenig anders: Ein Behälter habe, bedingt durch Kondensation, eine Rostschicht auf der Metallschutzplatte aufgewiesen. „Die beiden Castor-Sicherheitsdeckel selbst waren nicht betroffen.“ Ja, die Schutzplatte sei in Ahaus lackiert worden. Das werde künftig aber nicht mehr so einfach möglich sein.

Neuerungen

Als Bundesgesellschaft könne die BGZ nicht mal eben einen Auftrag an die lokale Wirtschaft vergeben. Denn darum ging es am Dienstagabend im Informationszentrum des Brennelemente-Zwischenlagers: um die Neuerungen seit dem 1. August dieses Jahres. Seit diesem Zeitpunkt ist eine Bundesgesellschaft Betreiber der Zwischenlager in Ahaus und Gorleben. Gleich fünf führende BGZ-Mitarbeiter – darunter die Geschäftsführer Wilhelm Graf und Lars Köbler – standen am Dienstagabend dem Rat und der Verwaltungsspitze Rede und Antwort.

Doch das Interesse der Ratsmitglieder hielt sich in Grenzen. Gerade mal ein Drittel der Lokalpolitiker wollte sich die Neuigkeiten anhören. Die Politiker erfuhren, dass ab 2019 möglicherweise rund 20 Castoren aus einem Forschungsreaktor bei München nach Ahaus transportiert werden.

Ebenfalls möglich sei ein Transport von Brennelementen aus Jülich nach Ahaus – auch wenn eine Transportgenehmigung noch ausstehe. Sie hörten, dass die Arbeiten zur Nachrüstung des Zwischenlagers vorangehen. Eine Schutzwand und ein Kerosinablauf sollen die Sicherheit vor terroristischen Angriffen erhöhen. „Die Pfahlgründungen für die Wand sind erfolgt. Jetzt werden Streifenfundamente gegossen. Wir rechnen mit der Fertigstellung 2020“, berichtete Markus Röder, Leiter des Zwischenlagers. Ein Zeitraum, der überschaubar ist. Deutlich länger sind die Fristen, wenn es um die Zwischenlagerung geht.

Endlagerdiskussion

Die Dauer der Aufbewahrung der Castoren in Ahaus ist auf 40 Jahre begrenzt. „2036 müsste das Zwischenlager in Ahaus geschlossen werden“ erklärte Felix Ruwe, der auch Sprecher der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ ist. Doch ob es tatsächlich so kommt, da spielen noch viele andere Faktoren eine Rolle. Zuvorderst, ob es dem Bund gelingt, eine Endlagerstätte für den Atommüll zu finden. Im Strategiepapier zum „nationalen Entsorgungsprogramm“ sind die Daten fixiert: bis 2031 soll der Standort für das Endlager feststehen, voraussichtlich 2050 soll das Endlager in Betrieb gehen. Doch was, wenn der Zeitpunkt nicht gehalten werden kann? „Dann gibt es zwei Optionen, entweder wird es ein Eingangslager am Standort des Endlagers geben oder der in Ahaus gelagerte Atommüll wird hier über 2036 hinaus gelagert“, erklärte BGZ-Vertreter Klaus-Jürgen Brammer. Letzteres setze Prüfungen voraus, ob der jeweils aktuelle Stand der Wissenschaft und Technik vor Ort gehalten werde, erklärte BGZ-Pressesprecher Burghard Rosen.

Klaus-Jürgen Brammer erklärte, dass es bei der Standortfrage gar nicht so sehr um die Technik gehe. Vielmehr seien die Politiker gefragt. „Die Endlagerdiskussion läuft ja schon über 40 Jahre. Die Verantwortlichen müssen es jetzt schaffen, den jetzt gefundenen politischen Konsens für das Endlager zu halten.“ Ein Problem, das auch CDU-Ratsmitglied Thomas Vortkamp ansprach. „Wir können nicht erkennen, wann in Ahaus Ende mit der Lagerung ist. Es muss eine Frist geben, nach Jahren oder Jahrzehnten bemessen. Sonst ist das hier ein Ding für Atommüll, von dem keiner weiß, wo er dauerhaft hinsoll.“

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