01.09.2016

Atomstrom in Europa: Entscheidende Tage

Artikel von Hermann Sileitsch-Parzer aus www.kurier.at

Mit dem britischen Projekt Hinkley Point C stehen und fallen die Ausbaupläne der europäischen Atom-Industrie.

Alleen wie ein endloser Blättertunnel, Schaf- und Pferdeherden am Wegesrand: Wer zu Europas umstrittenstem Kraftwerk will, fährt durch pittoreske Rosamunde-Pilcher-Landschaften. Hinter der südwestbritischen Stadt Bridgwater endet die Straße allerdings abrupt. Ein gewaltiger Zaun versperrt den Weg.

Auf zwei Quadratkilometern Fläche sollen hier neben den alten Kraftwerksblöcken zwei Reaktoren wachsen: Hinkley Point C. Der neue Reaktortyp namens EPR ("European Pressurized Reactor") soll 3,2 Gigawatt liefern. Und das frühestens ab 2026. Die Kosten werden auf 22 Milliarden Euro geschätzt, könnten aber auf bis zu 30 Milliarden klettern. Stemmen will das ein Konsortium der französischen Konzerne EdF und Areva (zwei Drittel) mit chinesischen Staatsfirmen (ein Drittel). Ein Monsterprojekt.

Solarstrom im Kernkraftwerk

Erster Strom wird schon produziert: Die Überwachungskameras am Bauzaun werden aus Solarenergie gespeist. "Nett, oder?", kommentiert Allan Jefferey von der lokalen Initiative "Stop Hinkley" ironisch. Er stemmt sich seit drei Jahrzehnten gegen den Bau. Engagiert ist auch der oberösterreichische Landesrat Rudolf Anschober (Grüne), der eine Gruppe Journalisten zum Lokalaugenschein mitgenommen hat.

Warum bekämpft Oberösterreich ein Kraftwerk, das 1300 Kilometer Luftlinie von Linz weg liegt? "Weil Hinkley Point der entscheidende Dominostein ist: Wenn er stürzt, fallen viele andere Projekte", erklärt Anschober. Neue Atomkraftwerke könnten in Europa nur mit hohen staatlichen Subventionen gebaut werden. Erhält Hinkley keine Genehmigung, seien auch die Ausbaupläne an Österreichs Grenze für Dukovany, Temelin, Pacs oder Krsko hinfällig. Und die Chancen, Hinkley zu stoppen, stehen gut.

May-Day, May-Day

Jetzt heißt es Warten auf die britische Regierung. Ende Juli hat sich der französische Energieriese EdF festgelegt: Ja, wir bauen. Der Champagner war schon kalt, doch wenige Stunden vor dem Festakt zog die neue britische Premierministerin Theresa May überraschend die Reißleine. Man wolle die Wirtschaftlichkeit von Hinkley Point überdenken. May äußerte zudem Bedenken, den Chinesen Zugriff auf kritische Infrastruktur zu überlassen. Die Entscheidung, ob die Regierung das Projekt unterstützt, soll in wenigen Tagen kommen.

Österreichs Klage

Ein weiterer Stolperstein ist die Klage, die Österreich und Luxemburg im Juli 2015 vor dem Europäischen Gerichtshof angestrengt haben. Sie richtet sich gegen die EU-Kommission, die die üppigen Staatshilfen für Hinkley Point C im Oktober 2014 überraschend als EU-rechtskonform eingestuft hat. Die Klage sieht dadurch den Wettbewerb auf dem Strommarkt massiv verzerrt. Anschober erwartet das Urteil im ersten Halbjahr 2017. Somit können sich die Briten nicht darauf ausreden, dass sie ohnehin aus der EU austreten werden ("Brexit").

Unfreiwilliger Eskort

Die Gruppe vor dem Zaun hat Begleitung erhalten. Securityleute dokumentieren den Besuch. Der Bus erhält noch 15 Kilometer weit eine Polizei-Eskorte. Eine angefragte AKW-Besichtigung war nicht bewilligt worden. Die Nervosität ist offenkundig groß, es sind entscheidende Tage. Für Hinkley Point. Und die Zukunft der Atomkraft in Europa.

 

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