15.11.2012

Castor-Behälter bleiben in Jülich

Von René Benden in der Aachener Zeitung

Die 152 Castorbehälter mit hochradioaktivem Müll werden auf unabsehbare Zeit in Jülich lagern. Der Aufsichtsrat des Forschungszentrums Jülich (FZJ) verwarf in seiner Sitzung am Mittwoch den ursprünglichen Plan, die knapp 300.000 Kugelbrennelemente des ehemaligen AVR-Hochtemperaturreaktors ins Zwischenlager nach Ahaus zu transportieren. Stattdessen sollen sie zur Endlagerung in die USA gebracht werden. Bis dahin bleiben die Brennelemente auf dem Gelände des Forschungszentrums.

Für die langjährigen Bemühungen des FZJ, den Forschungsstandort Jülich von seinen nuklearen Altlasten zu befreien, ist das ein Rückschlag. Der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Eugen Huthmacher hatte in den vergangenen Monaten stets betont, dass es für das weltweite Ansehen der Forschungseinrichtung wichtig sei, Jülich «kernbrennstofffrei» zu machen. Auch die Bundesregierung hielt lange an dem Plan fest, die Jülicher Brennelemente ins Zwischenlager Ahaus zu transportieren. Doch auch dort hätten die abgebrannten radioaktiven Kugeln nicht dauerhaft bleiben können. Aus diesem Grund gab es massiven Widerstand zahlreicher Anti-Atomkraft-Initiativen wie auch der rot-grünen Landesregierung gegen den Castortransport ins Münsterland. Abgesehen davon gab es Bedenken seitens der Aufsichtsbehörden. Weder der Transport noch die Einlagerung der Castoren in Ahaus wurden genehmigt.

Vor allem die Grünen feierten die gestrige Entscheidung des FZJ-Aufsichtsrates als Erfolg. «Die Bundesregierung ist gescheitert, hochgefährlichen Atommüll von Jülich nach Ahaus zu transportieren. Das ist ein guter Tag für einen angemessenen Umgang mit den Jülicher Atom-Altlasten», sagte Grünen-Bundestagsmitglied Oliver Krischer aus Düren. Die Grünen Landesvorsitzende Monika Düker forderte die Bundesregierung auf, nun schnellstmöglich Rahmenbedingungen mit den USA für einen Rücktransport auszuhandeln.

Das US-Energieministerium hatte nach ersten Gesprächen im März bereits grundsätzliche Bereitschaft erklärt, die Jülicher Brennelemente zurückzunehmen. Der Brennstoff wurde in den USA produziert. Die Bereitschaft der Amerikaner, den Jülicher Atommüll zurückzunehmen, basiert auf dem internationalen Non-Proliferationsabkommen. Nach dieser Vereinbarung verpflichtet sich ein Staat dazu, sämtliches nukleares Material, das er an andere Nationen verkauft hat, wieder zurückzunehmen, um eine Weiterverbreitung zu verhindern.

Wann die rund 300 000 Kugeln in den 152 Castoren aus Jülich in die USA transportiert werden sollen, ist völlig offen. Die gestrigen Beschlüsse des FZJ-Aufsichtsrates lassen aber vermuten, dass der hochradioaktive Müll noch lange in Jülich bleiben wird. Das FZJ hat bereits beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) einen Antrag gestellt, die am 30. Juni 2013 endende Lagergenehmigung für die Castoren zu verlängern. Doch selbst wenn das BfS diesem Antrag stattgibt, stehen große Umbauarbeiten auf dem Gelände des FZJ an. Die Halle, in der heute die Castoren untergebracht sind, entspricht nicht mehr den aktuell geforderten Sicherheitsstandards. Aus diesem Grund ist das FZJ nun auf der Suche nach einem neuen Standort für das Zwischenlager. Wer die Rechnung für den kostspieligen Neubau trägt, darüber werden Land und Bund als Eigentümer des FZJ gewiss noch streiten.

*

Weiter zu: Zeitungsartikel 2012

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm e. V.' - Postfach 1242 - 59002 Hamm herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

Spendenkonto:

BI Umweltschutz Hamm
Verwendungszweck: THTR Rundbrief
IBAN: DE31 4105 0095 0000 0394 79
BIC: WELADED1HAM

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

 

Wer da?

Aktuell sind 121 Gäste online

GTranslate

Afrikaans Arabic Belarusian Bulgarian Chinese (Simplified) English Finnish French Georgian Hebrew Hindi Indonesian Japanese Lithuanian Malay Polish Portuguese Russian Spanish Swedish Thai Turkish

Bilder

kugelaufbau.jpg