29.03.2012

AKW-Bau in Belene gestoppt

Wolfgang Pomrehn in Telepolis

Bulgariens AKW-Baustelle Belene wird nach gut 30 Jahren aufgegeben. Ein Reaktor wird verlegt, der andere gestrichen. Grund: Kostenexplosion

Das bulgarische AKW Belene wird nicht gebaut, schreibt die österreichische Tageszeitung 'Die Presse'. Dort sollten zwei Reaktoren mit jeweils 953 Megawatt (MW) elektrischer Netto-Leistung errichtet werden. Beide Standorte sind an der Donau gelegen, die größtenteils die Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien bildet. Kosloduj liegt 160 Kilometer stromaufwärts von Belene.

Mit dem Bau in Belene war bereits 1981 begonnen worden. In den 1990ern ruhte er wegen Geldmangels. Ab Anfang des neuen Jahrtausends war zeitweise RWE mit an Bord, sprang jedoch 2009 wieder ab. Ein anderen privater Geldgeber war nicht aufzutreiben. Mit dem russischen Reaktor-Lieferanten Atomstroiexport konnte man sich offenbar nicht über den Preis einig werden. Während die bulgarische Regierung nach dem Bericht der Presse nur fünf Milliarden Euro zahlen wollte, verlangte die Gegenseite 6,3 Milliarden Euro. Nach einem Bericht des Schweizer Portals Nachrichten.ch lautete der 2008 abgeschlossene Vertrag ursprünglich auf vier Milliarden Euro.

Nach den verschiedenen Zeitungsberichten begründete die Regierung in Sofia ihre Entscheidung mit den Kosten. Das Projekt habe sich als "absoluter Misserfolg" erwiesen, zitieren die Schweizer den Regierungschef Boiko Borissow. Er wolle nicht "Generationen von Bulgaren" die Rückzahlung der Kredite aufbürden. In Belene soll nun ein Gaskraftwerk entstehen.

Der bulgarische Zweig der internationalen Umwelt- und Naturschutzorganisation WWF begrüßt in einer Erklärung das Ende für Belene, kritisiert aber zugleich die Verlagerung nach Kosloduj. Es sei Zeit, dass die Politiker aufwachen und sich für eine "intelligente Energienutzung" einsetzen. "Die Zukunft gehört sauberen, billigen und dezentralen Lösungen, die auf erneuerbaren Energien und Energieeffizienz basieren", meint der bulgarische WWF-Klimaexperte Georgi Stefanov.

Bulgarien hatte als Voraussetzung für seinen 2007 erfolgten EU-Beitritt in Kosoloduj die vier ältesten und als besonders gefährlich eingestuften Blöcke mit einer Netto-Leistung von je 408 MW stillgelegt. Nach den Zahlen der Internationalen Atomenergieagentur sind am gleichen Standort allerdings noch zwei größere Blöcke mit einer Netto-Leistung von je 953 in Betrieb, die 1987 bzw. 1991 ans Netz gingen und derzeit rund ein Drittel der landesweiten Stromerzeugung abdecken.

Wolfgang Pomrehn

News-URL: http://www.heise.de/tp/blogs/2/151705

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