Nukleare Welt Die Uranstory
INES und die AKW-Störfälle Radioaktive Niedrigstrahlung?!
Urantransporte durch Europa Das ABC-Einsatzkonzept

Nationales ABC-Einsatzkonzept - 4. -

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1. Die Spezialkräfte im nationalen ABC-Einsatzkonzept
2. Analytische Task Forces
3. Zentrale Unterstützungsgruppe des Bundes (Meckenheim)
4. Spezial ABC-Abwehr Reaktionszug der Bundeswehr (Sonthofen)
5. ABC-Untersuchungsstellen der Bundeswehr (Sonthofen)
6. Biologische Task Forces
7. Task Force - Outbreak Investigation Team
8. Spezial-Einheit-Bergung ABC
9. Medical Task Forces
10. Task Force - Medizinischer ABC-Schutz (München)
11. Kerntechnische Hilfsdienst GmbH (Eggenstein-Leopoldshafen)
12. Mobiles Bekämpfungszentrum Tierseuchen (Dörverden-Barme)

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4. Spezial ABC-Abwehr Reaktionszug der Bundeswehr (Sonthofen)

Erst bei einer Großlage mit Staatsnot würde die Bundeswehr ihre gesamte ABC-Abwehrtruppe (ABC-AbwTrp) aufbieten. Diese gliedert sich heute in folgende Einheiten und Verbände:

- ABC-Abwehrregiment 750 (Sollstärke 875 Mann) in Bruchsal

- ABC-Abwehrbataillon 7 (1.042 Mann) in Höxter

- Leichte ABC-Abwehrkompanie 110 (185 Mann) in Sonthofen

- Leichte ABC-Abwehrkompanie 120 (178 Mann) in Sonthofen

- Luftbeweglicher ABC-Abwehrzug (30 Mann) in Schwarzenborn

- ABC-Zug der 8. Staffel des Objektschutzregimentes der Luftwaffe (ca. 45 Mann) in Schortens

Die ABC-Abwehrtruppe ist z. Zt. mit 114 Spürpanzern Fuchs, darunter 37 leistungsgesteigerte Panzer, ausgestattet. Im Mai 2009 erteilte das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) dem Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) den Auftrag, 25 geländegängige Radfahrzeug Mungo in der neuen Variante „AC Spür" zu produzieren. Die Besatzung wird aus drei Mann bestehen: Kommandant, Fahrer und Spürer. Das Fahrzeug ist lufttransportfähig. Der Prototyp soll im kommenden Jahr die Erprobung aufnehmen. Der Spürmungo soll in den leichten ABC-Abwehrkompanien eingesetzt werden. Vom gepanzerten Allschutz-Transportfahrzeug Duro 3 P Yak (6 x 6) soll ab 2012 eine Variante als Biologisches Aufklärungssystem (B-AufklSys) zur vorläufigen Identifizierung von B-Kampfstoffen in Echtzeit beschafft werden. Ein Prototyp des Herstellers Rheinmetall wurde 2008 getestet. Außerdem hat die Bundeswehr im Rahmen der Terrorismusbekämpfung (Operation ENDURING FREEDOM) mindestens 17 Warnsysteme vom Typ Biological Warfare Agent Aerosol Warning System (BWAAW) und 2 Systeme Biological Aerosol Warning System (BAWS) beschafft. Außerdem besitzt die Bundeswehr die mobilen Dekontaminationsanlagen HEP 90 (Hauptentgiftungs-, Entstrahlungs-, Entseuchungsplatz) und TEP 90 (Truppenentgiftungs-, Entstrahlungs-, Entseuchungsplatz). Die ursprüngliche Planung sah vor, dass mit einem mobilen TEP 90 bis zu 90 Soldaten oder 8 Panzer pro Stunde dekontaminiert werden konnten, jedoch musste diese Leistungsanforderung später von der Rüstungsindustrie halbiert werden. Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung bestellte insgesamt 73 TEP 90-Anlagen, die zwischen 2008 und 2010 ausgeliefert werden. Außerdem entwickelt die Bundeswehr z. Zt. eine kleine, feldmässige Dekon-Anlage DSSM-L für das Kommando Spezialkräfte (KSK).

Während Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble gerne auf die Notwendigkeit einer militärischen Unterstützung bei einem Anschlag durch ABC-Terroristen verweist, um seiner politischen Forderung nach einem Einsatz der Bundeswehr im Innern Nachdruck zu verleihen, wird dieses ministeriale Ansinnen von Experten zurückgewiesen. Sollte die Bundeswehr nach Alarmierung einen entsprechenden Einsatzbefehl erhalten, müsste die Truppe erst ihre Abmarschbereitschaft herzustellen. Erst nach sechs Stunden würde man am Kasernentor in Kolonne auffahren. Anschließend müssten die Soldaten mit ihrem schweren Gerät zum Verfügungsraum in der Nähe des Einsatzgebietes fahren, was bei einer Marschgeschwindigkeit von höchstens 80 km/h wiederum mehrere Stunden dauern würde, zumal die ABC-Truppe heutzutage nur noch in fünf Bundesländern präsent ist (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen). Am Ziel angekommen, müsste die übermüdete Truppe schließlich ihre Einsatzbereitschaft herstellen, indem sie ihren Truppenentgiftungsplatz etc. aufbaut, was wiederum mehrere Stunden dauern würde, so dass die ABC-Truppe frühestens am Tag nach einem ABC-Angriff eingreifen könnte. Da die Truppe aber bis dahin völlig übermüdet wäre, käme ein körperlich anstrengender Einsatz in ABC-Schutzbekleidung zunächst gar nicht in Frage.

Für die ABC-Ausbildung der Soldaten ist die ABC- und Selbstschutzschule (ABC/SeS) in der Jägerkaserne, Sonthofen, zuständig. Die 380 Mann Schulpersonal werden derzeit vom „General der ABC-Abwehrtruppe", Oberst Wolfgang Klos, geleitet. Außerdem wird hier an der Weiterentwicklung der ABC-Konzeptionen der Bundeswehr gearbeitet. Die letztgenannte Aufgabe wird insbesondere von der „Gruppe Weiterentwicklung" (GrpWEntwg) mit ihren insgesamt 55 Mitarbeitern (26 Offiziere, 6 Unteroffiziere, 6 Mannschaftsdienstgrade und 17 Zivilpersonen) wahrgenommen. Kommandeur der Dienststelle ist seit dem 1. April 2005 Oberstleutnant Kohl. Zur Gruppe Weiterentwicklung gehören der Spezial ABC-Abwehr Reaktionszug (SpezABCAbwReakZg oder SR-Zug) und die beiden ABC-Untersuchungsstellen (ABC-U) der Bundeswehr.

Der Spezial ABC-Abwehr Reaktionszug wurde seit dem 1. Januar 2005 aufgebaut und ist seit 2007 einsatzbereit. Er besteht aus 34 Soldaten, darunter 6 Offiziere, 20 Unteroffiziere und 8 Mannschaftsdienstgrade. Unklar ist, wieviele der Soldaten ein naturwissenschaftliches Studium an einer (Bundeswehr-) Universität absolviert haben. Er gliedert sich in einen Führungstrupp, einen Dokumentationstrupp, einen ABC-Messtrupp, eine atomare, biologische und chemische Gruppe, die jeweils aus einem Probennahmetrupp und einem Aufklärungstrupp bestehen, und einen Instandsetzungstrupp.

Um sich im Gelände frei bewegen zu können, stehen Quads zur Verfügung. Außerdem ist der SR-Zug mit umfangreicher Technik zum Nachweis von ABC-Materialien (Sampling and Identification of Biological, Chemical and Radiological Agents - SIBCRA) ausgestattet.

Nach offiziellen Angaben deckt der SR-Zug ein breites Aufgabenspektrum ab:

„Der Spezial-ABC-Abwehr-Reaktionszug ist ständig und schnell verfügbar, national und international, zivil und militärisch verwendbar, autark und abgesessen einsetzbar, rasch lufttransportfähig verlegbar und eine Expertengruppe für spezielle Aufgaben in der ABC-Aufklärung. Der Einsatz des Zuges ist autark als Erstkräfte vor Ort oder zur Unterstützung vorhandener ABC-Abwehrkräfte beziehungsweise zur Ergänzung der ABC-Untersuchungsstelle vorgesehen." (23)

Während ein Einsatz der gesamten ABC-Truppe zur Bekämpfung von ABC-Terroristen im Innern angesichts des Zeitbedarfs für einen Truppenaufmarsch illusorisch ist, wäre ein solches Eingreifen des kleinen Spezial ABC-Abwehr Reaktionszuges auf Grund seiner hohen Mobilität durchaus möglich. Allerdings setzt die geringe Personalstärke seinen Einsatzkapazitäten zugleich enge Grenzen.

Adresse:

ABC- und Selbstschutzschule

Jägerkaserne

Mühlenweg 12

87527 Sonthofen

Tel.: 08321 278-0

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Quellen:

(23) Heeresamt - ABC- und Selbstschutzschule: Darstellung der eigenen Dienststelle, o. O., 2. März 2009,
Online: http://www.deutschesheer.de/

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