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Die THTR-Rundbriefe aus 2008

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THTR Rundbrief Nr. 123, Okt. 2008


Es ist jetzt Zeit zu handeln:

Kinderkrebs um Atomkraftwerke

Die Vorsitzende der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW, Dr. med. Angelika Claußen, forderte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin, aus der Kinderkrebs-Studie die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen und die gebotene Risikovorsorge zu gewährleisten. "Es ist jetzt Zeit zu handeln, denn wir haben schon viel Zeit verloren", so Claußen. "Wenn Umweltminister Sigmar Gabriel die Kinderkrebs-Studie jetzt auf die Warteschleife eines noch längeren Dienstweges senden will, dann sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel die dringend notwendige Risikovorsorge und damit den Schutz der Bürger zur Chefsache machen."

Claußen wies darauf hin, dass ernsthafte Hinweise für erhöhte Raten von Krebserkrankungen in der Nähe von Atomkraftwerken schon seit über zehn Jahren bestünden. Seit acht Jahren lägen belastbare Beweise dafür vor und die endgültige Gewissheit sei jetzt durch die aktuelle von der IPPNW angeschobene Kinderkrebsstudie 2007 erbracht worden. "Man mag über die Details dieser Studie streiten, eines ist aber jetzt sicher bewiesen", so Claußen: "Je näher ein Kind an einem Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist für das Kind die Gefahr an Krebs oder Leukämie zu erkranken - und das auf 25 Meter genau."

Professor Eberhard Greiser, Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen, sagte in Berlin, dass die Zahl der zusätzlichen Krebsfälle nicht die zentrale Fragestellung der Studie war. Es sei insofern unseriös, wenn die Studienleiterin Professorin Maria Blettner immer wieder nur auf eine kleine Zahl von Fällen in der "5-km-Zone" abhebe und so allenfalls die halbe Wahrheit sage. Greiser betonte: "Wenn man schon über Zahlen spricht, dann haben wir es im gesamten Studiengebiet nicht mit 29, sondern tatsächlich mit 121 bis 275 zusätzlichen Krebsfällen zu tun. Das sind 8% - 18% aller Krebserkrankungen bei Kindern bis zu 5 Jahren im Studiengebiet - also eines 50-km-Umkreises - um die Atomkraftwerke. Wir sprechen hier also über eine nennenswerte Quote der Krebsfälle bei Kleinkindern."

Dr. rer. nat. Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im Rahmen einer zusätzlich durchgeführten Fall-Kontroll-studie geprüft wurde, ob sich das Hauptergebnis der Mainzer Kinderkrebs-Studie, eine signifikante Abstandsabhängigkeit der Risikos, auch durch eine Vielzahl anderer möglicher Einflussfaktoren (Confounder) wie beispielsweise Pestizide erklären lässt. "Einen solchen Confounder hat man nicht gefunden", so Pflugbeil. "Die Forscher vom Mainzer Kinderkrebsregister stellten fest, dass lediglich der Abstand zu den Atomkraftwerken signifikante Ergebnisse lieferte. Wenn man davon ausgeht, dass die radioaktive Belastung ebenso mit der Entfernung abnimmt wie das beobachtete Risiko, dann liegt der Schluss nahe, dass die Ursache der erhöhten Krebsraten in den radioaktiven Emissionen aus den Atomkraftwerken zu suchen ist."

Professor Dr. med. Greiser und Professor Dr. med. Wolfgang Hoffmann, Universität Greifswald, Abteilung Versorgungs-Epidemiologie und Community Health, bestätigten die korrekte rechnerische Durchführung der Studie, kommentierten aber ebenfalls kritisch die Schlussfolgerungen in der Studiendiskussion. Hoffmann machte klar: "Eine ursächliche Beteiligung der radioaktiven Emissionen durch Kernkraftwerke kann auf der Basis dieser Studienergebnisse definitiv nicht ausgeschlossen werden."

Die Professoren Greiser und Hoffmann sowie Dr. Pflugbeil sind Mitglieder des pluralistisch besetzten Expertengremiums des Bundesamtes für Strahlenschutz, das die Kinderkrebsstudie des Deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz beratend begleitete. Dieses Gremium stellte am 10. Dezember 2007 in seiner Stellungnahme zum Studienergebnis einstimmig fest, dass die radioaktiven Freisetzungen aus den deutschen Atomkraftwerken als Ursache für die vermehrten Kinderkrebsfälle nicht ausgeschlossen werden können.

Nach Auffassung von Physikprofessorin Schmitz-Feuerhake - ehemals Universität Bremen - setzen Atomanlagen mehr Radioaktivität frei als offiziell angegeben wird. Zwar würden die Betreiber am Abluftkamin und im Abwasser kontinuierliche Messungen durchführen. "Es gibt aber Beispiele dafür, dass es zu ungenehmigten Freisetzungen gekommen ist. Das spiegelt sich u.a. darin wider, dass man bei Kindern in der Umgebung des Atomkraftwerkes Krümmel und des Kernforschungszentrums GKSS im Rahmen einer aufwändigen Studie signifikant mehr dizentrische Chromosomen im Blut gefunden habe als bei den nicht exponierten Kindern. Dizentrische Chromosomen sind aber ein spezifischer Indikator für Strahlenschäden."

Das Argument der Behörden, die Dosis sei zu klein, den beobachteten Effekt hervorzurufen, sei nicht stichhaltig. Die Bevölkerungsdosis könne nicht direkt gemessen werden, sondern müsse anhand von Modellrechnungen aus den gemessenen Emissionen simuliert werden. Die Unsicherheiten der Dosisbestimmung könnten besonders im Falle kleiner Kinder mehrere Zehnerpotenzen betragen.

Für Frau Dr. med. Claußen kommt es jetzt darauf an, den europa- und verfassungsrechtlich gebotenen Grundsatz der Risikovorsorge umzusetzen. Die Ärztin zog einen Vergleich aus ihrer Praxis: "Wenn bei einem Medikament so viele ernstzunehmende Nebenwirkungen bekannt würden, dann würde dieses Medikament umgehend aus dem Handel genommen werden, bis die Ursachen der Nebenwirkungen restlos geklärt wären. Dies ist ein selbstverständliches Vorsorgeprinzip zum Schutz der Patienten. Warum gilt dies nicht für den Betrieb der Atomkraftwerke?"

Quelle: Presseerklärung des IPPNW, www.ippnw.de

Die Asse bringt es an den Tag:

Hochradioaktive THTR-Brennelemente kommen wieder hoch!

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Zwischen 1967 und 1978 wurden in der Schachtanlage Asse bei Wolfenbüttel 124.494 Gebinde schwach- und 1.293 Gebinde mittelradioaktive Abfälle in das ehemalige Salzbergwerk eingelagert. So steht es in der offiziellen Version vom 18. April 2002 in dem „aktualisierten Radionuklidinventar“. Mit diesem Versuch sollte mit Blickrichtung auf Gorleben bewiesen werden, wie gut Salzbergwerke für die jahrtausendelange Lagerung von Atommüll geeignet wäre.

Wasser- und Laugeneinbrüche machen seit Jahren schon aus Asse ein Atomklo mit Spülung nach oben. Eine ganze Region lebt mittlerweile in Angst vor den radioaktiven Hinterlassenschaften vergangener Jahrzehnte. Bald soll Asse geflutet werden. Die Befürchtung der Bürgerinitiativen: Die Flutung macht aus dem Salzstock einen Schwamm und mobilisiert die radioaktiven Stoffe erst recht. Am 5. Juli 2008 demonstrierten eintausend Menschen hiergegen.

102 Tonnen Uran, 87 Tonnen Thorium und 11,6 kg Plutonium befinden sich nach offiziellen Angaben im Schacht Asse. Thorium ist ein deutlicher Hinweis, dass auch radioaktive Stoffe aus dem THTR Jülich eingelagert wurden. Der Kugelhaufenreaktor der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor (AVR) hatte eine Leistung von 15 MW und war von 1966 (erste Kritikalität) bis 1988 in Betrieb. „Bis Ende 1985 kamen im AVR über 255.000 Brennelemente zum Einsatz“ (1), heisst es von der Betreiberseite. Über die Entsorgung der gebrauchten radioaktiven Brennelemente schrieb sie folgendes:

„1973 wurde ein Programm zur Versuchseinlagerung von AVR-Brennelementen im Salzbergwerk Asse aufgestellt, das zusammen mit der Wiederaufarbeitungs-Versuchsanlage JUPITER aus damaliger Sicht eine ausreichende Kapazität für die AVR-Entsorgung bot. Die vorläufige Schließung der Asse und die Umorientierung des JUPITER-Projekts verlangten jedoch eine Überarbeitung des Entsorgungskonzepts“ (2).

Obwohl nur schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Asse gelagert werden dürfen, geschah etwas Anderes: Von 1967 bis 1982 kam im THTR Jülich ausschließlich zu 93 % angereichertes Uran-235 zum Einsatz: „Im AVR ersetzt die Arbeitsgemeinschaft daher seit 1982 sukzessive hochangereicherte thoriumhaltige Brennelemente durch niedrigangereicherte Brennelemente. Sie machten 1985 einen Anteil von 43% der im Reaktorkreislauf enthaltenen Brennelemente aus“ (3). Es ist müssig darüber zu spekulieren, ob zwischen 1967 und 1978 einhunderttausend dieser hochradioaktiven Brennelemente eingelagert wurden oder mehr. Es hätte nicht geschehen dürfen.

Die Grünen von Niedersachsen veröffentlichten auf ihrer Homepage die „Begleitliste zur Versuchseinlagerung mittelradioaktiver Abfälle im Salzbergwerk Asse“, Absender: Kernforschungsanlage Jülich. Datum: 15. 12. 1976. Es werden die Abfallstoffe U, Th (Thorium!) und SP genannt. Art des radioaktiven Abfalls: „Brennelemente-Kugeln in Blechdose“! – Auf diese Weise wurde also für Jahrtausende sicher gelagert. Das ist ein schlechter Witz!

Detlef zum Winkel hat in der Augustausgabe 2008 der Monatszeitschrift „Konkret“ als erster darauf hingewiesen, dass hochradioaktiver  Atommüll aus dem THTR Jülich in Asse eingelagert wurde und kommentiert: „Solche Abfälle unter dem Oberbegriff schwach- bis mittelradioaktiv zu führen, ist eine jahrzehntelange Irreführung der Öffentlichkeit, die an Unverfrorenheit kaum zu überbieten ist. Dies aufzuklären, hätte zu den Aufgaben des Abgeordneten gehört, der den Wahlkreis, in dem Asse liegt, im Bundestag vertritt: Sigmar Gabriel, heute auch Umweltminister in Berlin.“

Und auf noch einen höchst brisanten Zusammenhang weist zum Winkel in „Konkret“ hin: „Asse birgt die Hinterlassenschaften der Anfänge des deutschen Atomprogramms. Da das Zeug so lange strahlt und sich so schlecht verbergen läßt, könnte es viele Rätsel und Geheimnisse aus jener Zeit lüften, als unser Ahmadinejad noch Franz Josef Strauß hieß. In Karlsruhe und anderswo wurde – zufällig! - an den gleichen Projekten gearbeitet, die der Iran gegenwärtig haben will, Urananreicherung und Schwerwasserreaktor.“
Die Asse bringt es an den Tag. In diesem Sinne: Glück auf!

Anmerkungen:
1. „Langzeiterfahrungen mit dem AVR-Versuchs-Kernkraftwerk“, BBC + HRB, 1987, Seite 7
2. Der Kugelhaufenreaktor der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor“, Hg.: AVR, BBC, HRB; Mai 1987, Seite 19
3. siehe unter 1., Seite 6. Ausserdem gewährt dieser Beitrag einen bezeichnenden Einblick in die Betriebspraxis des AVR: „In den ersten Betriebsjahren befanden sich besonders wartungsbedürftige Komponenten in Bereichen innerhalb des Reaktorschutzbehälters, die nur unvollständig gegen die Direktstrahlung abgeschirmt waren. Dies erklärt die relativ hohen Dosen in den ersten 3 Betriebsjahren. Nachdem diese Komponenten durch bessere ersetzt ...“ wurden, kamen sie dann auch nach Asse??
In einenem Leserbrief im WA wurde am 29. 8. 2008 auf die Verbindung Asse - THTR hingewiesen. Am 5. 9. 2008 berichtete der WA im Rahmen einer Themenseite ebenfalls hierüber: "Was kam aus NRW?“ 

Insider-Studie belegt:

Inhärente Störfälle und Radioaktivitätsabgaben bei HTR-Linie!

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Eine neue Untersuchung (1) des Wissenschaftlers Rainer Moormann über den Betrieb des 1988 stillgelegten Thorium Hochtemperaturreaktors (THTR) AVR in Jülich stellt nicht nur die gesamte bisherige offizielle Sicherheitsarchitektur dieser Reaktorlinie in Frage, sondern erschüttert die Aussagen der internationalen Atomgemeinde über die Vorzüge der neuen Generation IV-Reaktoren in ihren Grundfesten.

Bemerkenswerterweise kommt diese Kritik von einem Wissenschaftler, der bereits seit vielen Jahren regelmässig in Rahmen des Forschungszentrums Jülich an der HTR-Linie forscht und hierzu publiziert. In bisher nie gekannter Offenheit werden in dieser „sicherheitstechnischen Neubewertung“ erstmals erhebliche Probleme bei dem Betrieb und dem gegenwärtigen Rückbau des Allgemeinen Versuchsreaktors (AVR) in Jülich offengelegt und erhebliche radioaktive Kontaminationen thematisiert. Hier die Ergebnisse im Einzelnen:

1. Viele Sicherheitsprobleme im AVR wurden bisher verschwiegen.
„Diese Arbeit befasst sich vorwiegend mit einigen unzureichend veröffentlichten aber sicherheitstechnisch relevanten Problemen des AVR-Betriebes.“

2. Der Rückbau bringt es an den Tag: Es fanden innerhalb der Anlage bedeutend höhere Kontaminationen als vorausberechnet statt. Radioaktiver Graphitstaub ist „mobil“.
„Der AVR-Kühlkreislauf ist massiv mit metallischen Spaltprodukten (Sr-90, Cs-137) kontaminiert, was zu erheblichen Problemen beim gegenwärtigen Rückbau führt. Das Ausmaß der Kontamination ist zwar nicht exakt bekannt, aber die Auswertung von Spaltproduktablagerungsexperimenten lässt darauf schließen, dass diese Kontamination zum Betriebsende einige Prozent eines Coreinventars erreichte und damit um Größenordnungen über Vorausrechnungen und auch ganz erheblich über den Kontaminationen in großen LWR liegt. Ein bedeutender Anteil dieser Kontamination ist an Graphitstaub gebunden und damit in Druckentlastungsstörfällen teilweise mobil, was in Sicherheitsbewertungen zukünftiger Reaktoren zu berücksichtigen ist.“

3. Unzulässig hohe Coretemperaturen sind die Ursache für hohe Freisetzungen.
„Dabei ergab sich, dass die Kontamination des AVR-Kühlkreislaufs nicht wie früher angenommen in erster Linie durch unzureichende Brennelementqualitäten verursacht wurde sondern durch unzulässig hohe Coretemperaturen, welche die Freisetzungen erheblich beschleunigten. Die unzulässig hohen Coretemperaturen wurden erst 1 Jahr vor dem endgültigen AVRBetriebsende entdeckt, da ein Kugelhaufencore bisher nicht instrumentierbar ist. Die maximalen Coretemperaturen im AVR sind zwar weiterhin unbekannt, aber sie lagen mehr als 200 K über berechneten Werten. (...) Gegenwärtig sind zuverlässige Vorausrechnungen von Coretemperaturen im Kugelhaufen nicht möglich.“

4. Der Dampferzeuger wurde während des Betriebes geschädigt.
„Außerdem wurden azimuthale Temperaturdifferenzen am Corerand von bis zu 200 K gemessen, welche vermutlich auf eine Leistungsschieflage zurückzuführen sind. Heißgassträhnen mit Temperaturen über 1100°C, welche den Dampferzeuger geschädigt haben könnten, wurden gelegentlich oberhalb des Cores gemessen.“

5. Der AVR-Betrieb war unsicher und unzuverlässig. Folglich sind diese negativen Sicherheitseigenschaften auch bei zukünftigen Generation IV-Reaktoren zu erwarten.
„Einen sicheren und zuverlässigen AVR-Betrieb bei Prozesswärme-tauglichen Gasaustrittstemperaturen, wie er als Basis der Kugelhaufen-VHTR-Entwicklung im Generation IV Projekt unterstellt wird, hat es daher nicht gegeben.“

6. HTR-Kugelbrennelemente können den Austritt von Radioaktivität nicht verhindern. Ein Mythos wird als Lüge entlarvt.
„Die AVR-Kontaminationsprobleme hängen auch damit zusammen, dass intakte HTR-Brennelemente nicht als fast vollständige Barriere für metallische Spaltprodukte angesehen werden können, wie sie es für Edelgase sind. Metalle diffundieren im Brennstofffkern, in den Beschichtungen und im Graphit. Ein Durchbruch durch diese Barrieren findet im Langzeit-Normalbetrieb statt, wenn bestimmte, Spaltprodukt-spezifische Temperaturgrenzen überschritten werden. Hier liegt eine ungelöste Schwachstelle von HTR vor, die es bei anderen Reaktoren nicht gibt.“

7. Es findet eine unkontrollierte (!) Verteilung radioaktiver Nuklide über den gesamten Kühlkreislauf statt.
„Eine andere HTR-Schwachstelle, welche zu den AVR-Kontaminationen beigetragen hat, liegt darin begründet, dass sich die aus den Brennelementen freigesetzten Nuklide im HTR unkontrolliert über den gesamten Kühlkreislauf verteilen. Wegen der hohen Ablagerungsraten von chemisch reaktiven Spaltprodukten in HTR-Kühlkreisläufen kann nämlich die aus den Brennelementen freigesetzte Aktivität nicht über eine Reinigungsanlage entfernt werden, wie es im LWR Standard ist.“
Kommentar: Jetzt wissen wir also, warum die Betreiber des THTR Hamm sich nach seiner Stilllegung so heftig gegen unsere Forderung nach einem Nuklidkataster gewehrt haben. Ein zusätzliches Desaster wäre offensichtlich und publik geworden!

8. Wassereinbrüche fanden statt. Diese müssen durch zusätzliche Vorrichtungen in Zukunft ausgeschlossen werden.
„Bei Wassereinbrüchen muss zudem das Eindringen von flüssigem Wasser in den Kugelhaufen, wie es bei einem AVR-Störfall vorkam, konstruktiv ausgeschlossen werden um einen möglichen positiven Void-Koeffizienten der Reaktivität mit Reaktivitätsexkursion zu verhindern.“

9. Ein gasdichtes Containment (Sicherheitsbehälter) fehlt ganz, ist aber unbedingt notwendig.
„Kriterien für eine maximal tolerable akkumulierte Aktivität im HTR-Kühlkreislauf wurden auf der Basis deutscher Verordnungen für Auslegungsstörfälle sowie aufgrund von Anforderungen aus Wartung und Rückbau entwickelt. Die Anwendung dieser Kriterien auf Kugelhaufenreaktoren führt zum Schluss, dass ein gasdichtes Containment auch dann erforderlich ist, wenn keine überhöhten Coretemperaturen unterstellt werden.“

10. Der Autor diskutiert in seiner Studie, ob im Interesse der Sicherheit in Zukunft grundsätzlich von Heißgastemperaturen abgesehen werden sollte.
Mit anderen Worten: Der in der Generation IV besonders favorisierte Very-High-Temperature Reactor (VHTR) bereitet besonders viele Probleme, die erst noch gelöst werden müssen. Ein „sehr umfangreiches F + E-Programm“ wäre hierzu unverzichtbar, bevor weitere Schritte eingeleitet werden sollten.

11. Die Weiterentwicklung des Kugelhaufenreaktors wird sehr teuer und deswegen sollten ökonomische Risiken zuvor exakt abgeschätzt werden. Lohnt sich der riesige Aufwand überhaupt?
„Ein umfangreich instrumentierter experimenteller Kugelhaufenreaktor wäre zur Lösung dieser Probleme unverzichtbar. Bevor ein F+E-Programm dieser Größe begonnen wird sollte eine Machbarkeitsstudie einschließlich Aufwandsabschätzung durchgeführt werden, um das ökonomische Risiko dieser Entwicklung zu quantifizieren.“

12. Alle bisherigen HTR-Sicherheitsstudien waren unzureichend und in ihren Schlussfolgerungen viel zu optimistisch.
„In Hinblick auf auslegungsüberschreitende Störfälle sind Sicherheitsprobleme bei Lufteinbruch/Corebrand noch nicht hinreichend gelöst. Eine vergleichende Sicherheitsstudie von Kugelhaufen-HTR, Block-HTR und Generation-III LWR wäre hilfreich, um eine zuverlässigere Aussage zur Sicherheit gegenwärtiger Kugelhaufen-HTR-Konzepte zu bekommen: Frühere Sicherheitsstudien für Kugelhaufenreaktoren müssen aus heutiger Sicht als zu optimistisch angesehen werden.“

Nach der Veröffentlichung dieser kritischen Studie im Rahmen des Forschungszentrums Jülich kann es nur eine Forderung geben: Keinen Euro mehr für die HTR- und Generation IV-Forschung; kein Bau des PBMR in Südafrika, der genau die angesprochenen Probleme haben würde!

Anmerkungen:
1. Rainer Moormann: „Eine sicherheitstechnische Neubewertung des Betriebs des AVR-Kugelhaufenreaktors und Schlussfolgerungen für zukünftige Reaktoren“. Berichte des Forschungszentrums Jülich, 4275. ISSN 0944-2952.

Die Studie als PDF-Datei vom Server der Zentralbibiliothek des Forschungszentrum Jülich

AKWs = Riesengewinne für Aktionäre

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Billiger Strom durch Atomkraftwerke? Insbesondere für arme Menschen, wie es Laurenz Meyer in demagogischer Absicht vorgeschlagen hat, um ein paar ganz besonders Dumme zu ködern?

Der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm „Der große Ausverkauf“ von Florian Opitz zeigte am 23. 9. 2008 in ARTE die Realität in Afrikas einzigem Land mit Atomkraft. Denn in Südafrika stehen zwei AKWs in Koeberg bei Kapstadt und die Kosten für den direkt daneben geplanten THTR (PBMR genannt) haben sich in 10 Jahren bereits verzehnfacht. 1999 wurde das staatliche Energieversorgungsunternehmen ESKOM privatisiert und hat die Preise für Strom um bis zu 300 Prozent erhöht. Viele Haushalte in den Armenvierteln gerieten in Zahlungsschwierigkeiten. Bis zu 20.000 Haushalten pro Monat stellte die ESKOM den Strom ab.

Die arme Bevölkerung und die Privatisierungsgegner griffen zur Selbsthilfe und schlossen die abgeklemmten Haushalte illegal wieder an das Stromnetz an. ESKOM verfolgt sie erbarmungslos mit Hilfe des Staates. In dem sehr bewegenden Film kommt der Aktivist Bongani Lubisi zu Wort, der vier Monate nach Beendigung des Films unter ungeklärten Umständen stirbt.

Nach weiteren abschreckenden Privatisierungsbeispielen in England, Phillippinen und Bolivien charakterisiert der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaft Joseph E. Stiglitz das unmenschliche System folgendermassen: „Ich habe einmal bestimmte Aspekte der Wirtschaftspolitik mit moderner Kriegsführung verglichen. In der modernen Kriegsführung versucht man zu entmenschlichen, das Mitgefühl zu beseitigen. Man wirft Bomben aus 15.000 Metern, aber man sieht nicht, wo sie landen, man sieht keine Schäden. Es ist fast wie in einem Computerspiel.“
Infos: www.dergrosseausverkauf.de

Liebe Leserinnen und Leser!
Neben der sensationellen Moormann-Studie über den THTR in Jülich kann jetzt auch die immer noch aktuelle 198seitige Analyse der HTR-Linie des Öko-Instituts aus dem Jahre 1986 auf unserer Homepage eingesehen werden. Die Medien berichten immer noch sehr ausführlich zum THTR, beispielsweise:

  •  „Die Kernenergie und ihre Gegner. Eine Geschichte der Anti-AKW-Bewegung“ im Deutschlandradio am 6. 8. 2008.
  •  „Wo bleibt der Aufschrei der Atomkraftgegner?“ in „DerWesten“ (WAZ-WR-WP) am 10. 9. 2008.
  •  „25 Jahre Reaktor Hamm-Uentrop“ in „So war´s“ im WDR am 13. 9. 2008.
  •  „Teure Ruinen. Gescheiterte Atomgrossprojekte“ im Deutschlandradio am 14. 9. 2008.

Als am 29. August Bundeskanzlerin Merkel zur Grundsteinlegung für die neuen Kohlekraftwerke nach Hamm-Uentrop kam, demonstrierten aus Hamm jeweils nur zwei Mitglieder unserer BI und der Grünen (und Greenpeace). Trotzdem wurde sehr ausführlich in den Medien über uns berichtet. Die geringe Protestbeteiligung aus der Umweltbewegung war jedoch äußerst blamabel! – Wir können einfach nicht überall sein und alles machen. Auch in Sachen Krebsstudie ist viel Eigeninitiative von neuen Leuten gefragt. - Wir sind kein Service-Unternehmen, damit sich Andere zurücklehnen und sagen können: „Macht mal!“ So läuft das nicht.

PS: Kommt alle am 8. 11. nach Gorleben! Meldet Euch wegen der Mitfahrgelegenheiten ab Hamm!

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Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm e. V.' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

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BI Umweltschutz Hamm
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